Wirtschaft : Staumanager sollen Maut-Chaos verhindern

Spediteure erwarten Anfang Januar keine gravierenden Probleme– aber Verzögerungen an Grenzübergängen möglich

Bernd Hops

Berlin - Der Großteil der Spediteure erwartet keine großen Probleme, wenn die deutsche Lkw-Maut am 1. Januar 2005 startet. Heiner Rogge, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV), sagte dem Tagesspiegel: „Vielleicht wird es an einigen Grenzübergängen kleinere Staus geben. Aber wir rechnen nicht mit dem absoluten Durcheinander.“ Dass der Start nicht ganz ohne Reibungen über die Bühne gehe, sei normal, weil es sich um ein vollkommen neues Mautsystem handele. Verkehrsminister Manfred Stolpe sagte am Mittwoch bei der Erteilung der vorläufigen Betriebserlaubnis für Toll Collect, es bestehe die Gefahr von Staus. Es werde aber ein Staumanagement eingerichtet. Außerdem sollen 5000 zusätzliche Mauthelfer von Toll Collect an den Mautstationen unterwegs sein.

Lastwagen, die deutsche Autobahnen nutzen wollen, müssen ab 1. Januar 2005 im Schnitt 12,4 Cent je Kilometer an Gebühren zahlen. Erhoben wird die Maut vom Konsortium Toll Collect, hinter dem die Deutsche Telekom, Daimler-Chrysler und der französische Autobahnbetreiber Cofiroute stehen. Dabei gibt es drei Möglichkeiten, sich für die Maut erfassen zu lassen. Wird in einen Lkw ein Bordcomputer – das so genannte Obu – eingebaut, erfolgt die Erfassung und Mautberechnung per Satellit. Alle anderen Lkws müssen ihre Route vorbuchen. Das kann entweder über das Internet geschehen – dafür muss der betreffende Laster aber vorher registriert werden – oder über spezielle Terminals, die an Grenzübergängen oder Raststätten stehen. Da vor allem ausländische Lkws bisher kaum mit Obus ausgestattet sind, werden Staus befürchtet. Die französischen Spediteure, die verhältnismäßig wenige Obus haben einbauen lassen, planten allerdings zumeist Internetbuchungen, hieß es bei Toll Collect.

Außerdem entschärfe sich das Problem dadurch, dass der Januar für das Transportgewerbe kein aufkommensstarker Monat sei, sagte DSLV-Hauptgeschäftsführer Rogge. Ohnehin dürfte es mit der Maut nach seiner Einschätzung wegen der Feiertage erst in der zweiten Januarwoche richtig losgehen. Die Vorbereitungen auf den Mautstart seien gut. „So weit es Deutschland betrifft, sind wir mit dem erreichten Stand zufrieden“, sagte Rogge. „Ein Großteil der Spediteure, die Obus haben wollten, haben die bereits eingebaut oder werden sie bis zum Jahresende eingebaut haben.“

Laut Toll Collect sind bisher mehr als 370000 Obus bestellt worden. In Lkws eingebaut wurden fast 270000. Pro Woche kommen etwa 20000 hinzu. Ursprünglich geplant waren zum Mautstart rund 500000 eingebaute Bordcomputer.

Mautpreller sollen laut dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) keine Chance haben. 500 Mitarbeiter können Lkws in der Fahrt kontrollieren. Im Wiederholungsfall drohen Bußgelder von bis zu 20000 Euro.

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