Wirtschaft : T-Streik

Das Telekom-Management und Verdi brechen ihre Gespräche ab. Es geht um 50 000 Mitarbeiter

Bernd Hops

Berlin/Hamburg/Mayschoß - Die Gewerkschaft Verdi macht Ernst mit Streiks bei der Deutschen Telekom. Im Streit über die Ausgliederung von 50 000 Mitarbeitern brachte auch ein neues Angebot des Konzerns keine Annäherung. Arbeitnehmervertreter und die Telekom brachen die Gespräche in Mayschoß ergebnislos ab. „Es soll bei schwerwiegenden Eingriffen in die wirtschaftliche Existenz der Beschäftigten bleiben. Das ist keine Grundlage für eine zukunftsfähige Lösung“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder. Karl-Gerhard Eick, kommissarischer Personalvorstand und Verhandlungsführer der Telekom, sagte dagegen: „Wir haben uns erneut auf Verdi zubewegt.“ Der Konzern habe den Spielraum „im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten“ ausgenutzt.

Kommende Woche Freitag soll sich nun die große Verdi-Tarifkommission treffen, um über weitere Maßnahmen zu beraten. Dabei geht es um die Urabstimmung der Mitarbeiter und Arbeitskampf. Von Seiten Verdis hieß es: „Ein Streik ist definitiv nicht mehr abzuwenden.“ Bisher hatte Verdi mit einzelnen Warnstreiks versucht, Druck auf den Telekom-Vorstand auszuüben. Die Konzernführung hat aber immer betont, dass man um tiefe Einschnitte nicht herumkommen könne.

Der Konzern will den Kundenservice verbessern und gleichzeitig 50 000 Beschäftigte im Service-Bereich in neue Töchter ausgliedern. Notfalls soll das auch ohne Zustimmung der Gewerkschaft geschehen. In den neuen Gesellschaften sollen die Betroffenen für weniger Geld länger arbeiten. Die Telekom argumentiert, dass die Gehälter, die das Unternehmen heute zahlt, deutlich über dem Niveau der Konkurrenten liegen und damit nicht wettbewerbsfähig sind. Die Einschnitte schraubte die Telekom aber nach und nach zurück. Bei dem zuletzt vorgelegten Angebot ging es laut Konzern um eine Lohnkürzung von netto sechs Prozent nach 30 Monaten. In mehreren Schritten – das erste Mal Mitte 2009 – soll es eine Absenkung geben. Derzeit verdient ein Service-Center-Mitarbeiter im Schnitt brutto 3238 Euro. Nach den Einschnitten sollen es 2947 Euro sein – bei einer um vier Stunden auf 38 Stunden verlängerten Wochenarbeitszeit. Dafür verspricht die Telekom einen Kündigungsschutz für die betroffenen Mitarbeiter bis zum Jahr 2011. Das ist ein Jahr mehr als bei den bisherigen Vorschlägen, bei denen es zudem um eine Absenkung der Gehälter um zwölf Prozent ging. Sollte Verdi außerdem niedrigeren Einstiegsgehältern zustimmen, will sich die Telekom dazu verpflichten, mindestens 3000 neue Arbeitsplätze bei den Service-Töchtern zu schaffen.

Laut Verdi wären in Berlin von der Auslagerung 4348 Mitarbeiter betroffen. In der Hauptstadtregion insgesamt sollen es 5221 Beschäftigte sein.

Verdi-Verhandlungsführer Schröder sagte, rechne man alle Einschnitte zusammen, dann gehe es um wirtschaftliche Einbußen von rund 40 Prozent für die Mitarbeiter. „Das in 30 Jahren in freien und fairen Verhandlungen vereinbarte Tarifsystem soll mit einem Federstrich vom Tisch gewischt werden“, kritisierte der Gewerkschafter. Vor allem aber sei bedauerlich, dass die Telekom das Entgegenkommen Verdis „kaum honoriere“. Die Gewerkschaft habe bei der Flexibilisierung und der Länge der Arbeitszeit sowie bei leistungsabhängigen Entgelten Zugeständnisse in Aussicht gestellt. Auch bei den Einstiegslöhnen sei man gesprächsbereit gewesen. Schröder sagte: „Mich ärgert, dass all unsere Vorschläge nicht ausreichen sollen.“

Wie gereizt die Stimmung bei den Telekom-Mitarbeitern ist, zeigte sich am Donnerstag in Hamburg. Verdi-Mitglieder störten eine Betriebsversammlung von T-Systems, auf der Konzernchef René Obermann für den Konzernumbau warb. Sie forderten Obermann auf, zu den vor der Tür versammelten Beschäftigten der Festnetzsparte T-Com zu sprechen. Obermann lehnte es ab, vor den wütenden Demonstranten aufzutreten, vereinbarte aber ein Gespräch mit dem Betriebsrat. Vor dem Saal war es zunächst zu einer Rangelei zwischen Ordnern und den Verdi-Leuten gekommen. Der Streit wurde nach Angaben der Polizei aber schnell geschlichtet. mit vis/dpa

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