Wirtschaft : Tarifkonflikt in Norwegen treibt den Ölpreis Aktienkurse brechen ein/Inflation steigt wieder

Bernd Hops

Berlin - Zum 75-jährigen Jubiläum des „Schwarzen Freitags“, als der Börsencrash von New York die Weltwirtschaftskrise einleitete, haben am Montag die Aktienkurse nachgegeben. Auch in Deutschland schauten die Händler weniger auf den positiven Ifo-Index (siehe oben) als auf den steigenden Eurokurs und Ölpreis. Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte um 2,1 Prozent auf 3854 Punkte ab, die US-Börsen notierten am Abend schwächer. In New York kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl zwischenzeitlich auf 55,67 Dollar – ein neuer Rekordwert.

Erst am späten Nachmittag entspannte sich die Lage, weil die norwegische Regierung Arbeiter aus der Ölbranche zur Beendigung ihres fast viermonatigen Streiks anwies, der die Ölförderung des Landes lahm zu legen drohte. Der Ölpreis fiel danach deutlich unter die Marke von 55 Dollar.

Wegen der hohen Energiekosten hat die Inflation in Deutschland, nach Daten aus sechs Bundesländern, angezogen. Im Oktober stiegen die Preise laut Statistischem Bundesamt um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings waren Lebensmittel und Pauschalreisen etwas billiger. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, warnte am Montag vor zu hohen Lohn- und Gehaltsforderungen und damit vor einer Lohnspirale nach dem Ölpreisanstieg. „Wir dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen“, sagte Trichet im Europäischen Parlament in Straßburg. Sonst sei ein nachhaltiger Schock für den Euroraum möglich.

Händler hatten den Ölpreisanstieg mit einer drohenden Ausweitung des Arbeitskampfs in Norwegen begründet. Das Land fördert täglich rund drei Millionen Barrel und ist einer der wichtigsten Ölexporteure weltweit. Die Reedereien hatten mit der breiten Aussperrung von Arbeitern ab dem 8. November gedroht. Das könnte die Öl- und Gasproduktion des Landes innerhalb einer Woche fast komplett lahm legen, hieß es.

Ein Engpass sei nicht zu erwarten gewesen, sagte Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV). „Die Versorgung ist ausreichend, aber es gibt auch genug Ängste und Sorgen im Markt.“ Nach Nigeria, wo es zuletzt Streiks ohne gravierende Auswirkung auf die Belieferung der Weltwirtschaft mit Öl gab –, hätten sich die Händler nun auf Norwegen konzentriert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben