Tourismus in Tunesien und Ägypten : Revolution und Sonderangebot

Der Umbruch in Tunesien und Ägypten bringt die Reisebranche unter Druck. Die Preise sind um bis zu 40 Prozent gesunken.

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Bedrohliche Leere. In Tunesien leben rund 650 000 Menschen vom Tourismus.
Bedrohliche Leere. In Tunesien leben rund 650 000 Menschen vom Tourismus.Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Auf die Pünktchen kommt es an. „I love Tunesia“, wirbt das staatliche Fremdenverkehrsamt. „The place to be ... now“, der Ort, an dem man – jetzt – sein müsse. „Now“ – drei Monate, nachdem das Volk den Autokraten Ben Ali aus dem Land gejagt hat – sollen die Touristen endlich wieder ins Land kommen. Doch noch stehen zahlreiche Hotels leer. Und auch in Ägypten warten viele Hoteliers, Taxifahrer und Restaurantbesitzer darauf, dass die Urlauber zurückkommen. Die Krawalle auf dem Tahrir-Platz und die Unruhen haben die Touristen verängstigt. Mit Preissenkungen versuchen die großen Reiseveranstalter jetzt, ihre Kunden wieder für Djerba, Hammamet, Scharm el Scheich oder Hurghada zu begeistern.

„Wir haben die Preise für Reisen nach Tunesien um 30 bis 40 Prozent gesenkt“, sagt Mathias Brandes, Sprecher von Thomas Cook, Deutschlands zweitgrößtem Reisekonzern. Die Reisen in den Maghreb-Staat sind derzeit unschlagbar billig. Wer sich Ende Juni in Berlin-Schönefeld in den Flieger setzt und mit der Konzerntochter Neckermann nach Hammamet fliegt, kann sieben Tage lang in einem Viersternehaus wohnen, Halbpension inklusive – und zahlt dafür gerade einmal 278 Euro pro Person. Wer nach Gran Canaria fährt, muss 100 Euro mehr ausgeben – für nur vier Tage. Auch auf Usedom oder Rügen kommt man zum Tunesien-Tarif nicht weit.

„Wir wollen die Nachfrage stimulieren“, erklärt Brandes. „Es gibt nichts Glaubwürdigeres als die Erzählungen der Leute, die da waren.“ Und die sollen berichten, dass nichts faul ist im Staate Tunesien. Damit sich das auch möglichst schnell herumspricht, will Thomas Cook die Billigpreise noch während der nächsten zwei bis drei Monate durchhalten – obwohl dann schon die Hochsaison begonnen hat. Doch ob die jungen Familien, die mit ihren Kindern sonst gern zum Baden in das Mittelmeerland reisen, auch in diesem Jahr in den Flieger nach Tunesien steigen, ist zweifelhaft. Die Hotels seien noch nicht einmal zu 60 Prozent ausgelastet, klagte der neue Handels- und Tourismusminister Mehdi Houas kürzlich auf der Reisemesse ITB in Berlin. Daran sind auch die Deutschen schuld. Die Tui, Deutschlands größter Reiseveranstalter, lockt zwar mit Nachlässen und Vergünstigungen, hat aber sicherheitshalber ihre Kapazitäten um 40 Prozent reduziert. Für die rund 650 000 Menschen, die in Tunesien vom Tourismus leben, ist das bitter.

Auch in Ägypten haben Hobbytaucher, die sonst im Roten Meer eher auf Schwärme von Gleichgesinnten als auf Fische treffen, derzeit freie Bahn. Nach den Unruhen hatten die deutschen Reiseveranstalter wochenlang keine neuen Urlauber ins Land gebracht. Anders als in Tunesien, wo Touristen nach Ausbruch der Revolution evakuiert worden waren, konnten diejenigen, die bereits vor Ort waren, jedoch bleiben. Dennoch musste die ägyptische Tourismusindustrie, die dem Land im vergangenen Jahr Einnahmen von rund zehn Milliarden Euro beschert hat, empfindliche Einbußen hinnehmen. Die Belegungsrate fiel am Roten Meer auf zehn Prozent.

Das bekamen auch die Fluggesellschaften zu spüren, allen voran Air Berlin. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ist der größte Anbieter für Flüge nach Ägypten und Tunesien und arbeitet für viele große Reiseveranstalter als Charterflieger. Im Februar musste die Airline mehrere hundert Flüge streichen und auf 100 000 Fluggäste verzichten.

Mithilfe des ägyptischen Staats soll das Geschäft jetzt wieder anlaufen. Damit der Flugverkehr wieder in Schwung kommt, garantiere die Regierung den Airlines eine Mindestauslastung ihrer Maschinen, sagt Thomas-Cook-Sprecher Brandes. Das und die Preissenkungen der Veranstalter zeigen Wirkung. „Wir gehen davon aus, dass sich das Geschäft im Sommer normalisiert hat“, betont Tui-Sprecherin Susanne Stünckel. Allerdings auf niedrigerem Niveau. Wie in Tunesien, hat die Tui auch in Ägypten ihre Kapazitäten auf 60 Prozent heruntergefahren.

Verglichen mit dem Maghreb-Staat ist das Preisniveau für Reisen nach Ägypten deutlich höher. Nach Recherchen des Reiseportals Holiday Check haben die Preise für im April gebuchte Ägyptentrips zudem bereits wieder angezogen. Dennoch kann man auch hier noch Schnäppchen finden – etwa eine siebentägige Reise nach Hurghada in ein Viersternehaus, Halbpension, für 299 Euro pro Person – Abflug am kommenden Samstag ab Berlin.

Marokko, dessen Touristen-Hotspot Marrakesch vor wenigen Tagen ein Bombenattentat verkraften musste, ist verglichen mit den anderen afrikanischen Ländern bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen – zumindest, was die deutschen Urlauber angeht. Stornierungen und Umbuchungen habe es nicht gegeben, berichten die großen Veranstalter übereinstimmend. Allerdings tröstet das die marokkanischen Tourismuswerber nur wenig. „Marokko ist für den deutschen Markt nicht so relevant“, sagt Thomas-Cook-Sprecher Brandes.

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