Der Tagesspiegel : Wirtschaftsminister setzt auf Touristen statt Tiefflieger

Junghanns glaubt nicht mehr an eine militärische Nutzung des Bombodroms. Brandenburg baut Angebote für Rad- und Wassersportler aus

Claus-Dieter Steyer

Berlin. Brandenburgs Tourismuskarte weist sie noch als riesigen weißen Flecken auf: die Kyritz-Ruppiner Heide bei Wittstock. Als mögliches „Bombodrom“, wo die Bundeswehr Tiefflieger üben lassen will, fehlt das 144 Quadratkilometer große Gebiet natürlich auch auf der ITB. Doch das könnte sich in den nächsten Jahren durchaus ändern. Denn Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) hat den Gegnern eines „Bombodroms“ unerwartet Mut gemacht. „Ich glaube, dass der Tourismus auch in dieser Region Vorrang besitzt“, sagte er bei einem Besuch der Brandenburger Präsentation unterm Funkturm.

Das ursprünglich von der Bundeswehr verfolgte Konzept von einem Nebeneinander zwischen Militär und Tourismus halte er nicht mehr für nachvollziehbar, sagte Junghanns. Außerdem stünden die Chancen für die militärischen Planungen angesichts der Sparpolitik schlecht. Zwar kennzeichnete der Minister diese Äußerungen als „persönliche Meinung“, dennoch überraschen sie: Bislang hatte sich die Landesregierung in dem Streit zurückgehalten.

Die Heide bei Wittstock und vor allem ihre Umgebung zwischen Rheinsberg, Neuruppin und der Müritz passen jedenfalls zu den auf der ITB erklärten Schwerpunkten in Brandenburg: zum Rad- und Wassertourismus. In beiden Branchen verzeichnet das Land eine hohe Nachfrage. Gerade die acht Fernradwanderwege ziehen Tagesausflügler und Urlauber an. Bis zum nächsten Jahr sollen die Brandenburger Lücken im europäischen Radweg Nummer 1 zwischen Calais und St. Petersburg geschlossen sein.

Auch der Wassertourismus erhält Zuwachs. In Rheinsberg gehen zu Ostern erstmals Boote im neuen Hafendorf vor Anker, die Ferienhäuser dort werden Pfingsten eröffnet. Auch in Petzow am Schwielowsee nimmt die Marina Gestalt an. Motorbootfahrer können in Brandenburg bereits ein 1600 Kilometer langes Wasserstraßennetz nutzen. Für Kanuten kommen weitere 6000 Kilometer hinzu. Und die Routen führen nicht nur über Flüsse und Kanäle, sondern auch zahlreiche Seen. Minister Junghanns erfand gleich einen neuen Werbespruch: „Wenn wir viele Seen sehen, wollen wir kein Meer mehr.“

Tatsächlich verzeichnen diejenigen Reisegebiete die größten Zuwachsraten, die für Radfahrer und Wassersportler zugleich gute Angebote aufweisen: Der Fläming, das Ruppiner Land, das Oder-Spree-Seengebiet und der Spreewald, der im Vorjahr ein Minus von 3,3 Prozent verkraften musste. Insgesamt leben 90 000 Brandenburger ganz oder teilweise vom Tourismus. Das sind 30 000 Menschen mehr als im Jahr 2000.

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