Radaraufnahmen in Grabkammer von Tutanchamun : Vergebliche Suche nach Nofretetes Grab

Die Hoffnung, hinter den Wänden von Tutanchamuns Grabkammer womöglich Nofretetes Grab zu finden, schwindet. Das legen jetzt Gutachten zu den neuen Radaraufnahmen nahe.

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Eine Büste von Nofretete
Eine Büste von NofreteteFoto: dpa/Michael Sohn

Die Radaraufnahmen, die US-amerikanische Experten von der Grabkammer Tutanchamuns in Luxor angefertigt haben, bringen offenbar keine neuen Erkenntnisse. „Es gibt darin keine klaren Hinweise auf irgendwelche nachträglich verschlossenen Wände oder Hohlräume.“ So zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ (Dienstagsausgabe) Mohammed Abbas, Professor am Nationalen Forschungsinstitut für Astronomie und Geophysik in Kairo. Wie berichtet werden hinter der Grabkammer des Pharao im Tal der Könige weitere Räume vermutet. Der US-Ägyptologe Nicholas Reeves glaubt, es könnte sich um die Grabstätte Nofretetes handeln.

Vor einer Bohrung will man "100 Prozent sicher" sein

Das ägyptische Antikenministerium bezweifelt dies. Eher gehe es um das Grab Kijas, einer Nebenfrau des Nofretete-Gemahls und möglichen Tutanchamun-Vaters Echnaton. Die Behörde ließ nach dem ersten Radarscan eines japanischen Experten weitere Untersuchungen zu. Zuletzt hatte sie nach einer internationalen Konferenz am 8. Mai in Kairo Minister Khaled El-Enany zitiert, man müsse„100 Prozent sicher“ sein, dass sich hinter den Wänden Hohlräume befinden, bevor eine Bohrung und damit Aufnahmen einer Teleskopkamera denkbar wären.

Ein Mann steht vor einer Grafik, die an eine Wand projiziert wird.
Analyse von Scans bei einer Konferenz Anfang Mai in KairoFoto: Ministry of Antiquities

US-Gutachter: Keine Hinweise auf Hohlräume

Die Ergebnisse der Scans vom 1. April werden bislang offiziell unter Verschluss gehalten. Laut „SZ“ kommen drei US-Gutachter aber zu denselben Ergebnissen wie Abbas: Es gibt keine Hinweise auf Hohlräume. Zwei der Experten hätten lediglich „Anomalien“ an der West- und an der Nordwand entdeckt, die etwa für natürliche Risse sprechen könnten. Das gehe aus den Gutachten hervor, die der Zeitung vorlägen.

Welche Schlüsse ein Komitee mit in- und ausländischen Experten, das das Ministerium berät, aus den Gutachten zieht, ist nicht bekannt. Aufgeben aber will man die Suche nach einem Königinnengrab in Luxor – und damit nach einer neuen touristischen Attraktion – wohl nicht. Wie sich schon Anfang April angedeutet hatte, wird über weitere nicht invasive Messungen nachgedacht.

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