Studiengang "Children's Rights" an der Freien Universität : FU ohne Kinderrechte?

Der Masterstudiengang Kinderrechte an der Freien Universität Berlin wehrt sich weiterhin gegen seine drohende Abwicklung - und sucht gleichzeitig nach einem alternativen Standort.

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Kinder und Jugendliche stehen an einer Essensausgabe in einem Speisesaal.
Auf der Flucht. Ein Feld, auf dem Absolventen des Kinderrechtsstudiengangs sich beruflich engagieren, ist der Schutz...Foto: Bulent Kilic/AFP

Klaviermusik, Blumen, feierliche Reden: Am Dienstagabend haben elf Studenten des weiterbildenden Master-Studiengangs „Childhood Studies and Children’s Rights“ (Kindheitsstudien und Kinderrechte) ihr Abschlusszeugnis an der Freien Universität in Empfang genommen. Für die Studierenden ist es der Start in ihre berufliche Karriere, sie werden etwa bei der Kindernothilfe, bei der NGO „Save the Children“ oder im Bildungsministerium von Kasachstan arbeiten.

„In vielen Bereichen der Kinderrechtsarbeit herrscht immer noch ein eklatanter Mangel an gut ausgebildeten Fachleuten“, sagte Christoph Strässer, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, bei der Abschlussfeier. Aus menschenrechtlicher Sicht seien Studiengänge wie jener an der FU deshalb sehr zu begrüßen.

Nur noch ein neuer Jahrgang soll starten

Geht es nach der Uni, soll jedoch nur noch ein neuer Jahrgang lernen, wie man Menschenrechtsarbeit für und mit Kindern betreibt. Der zuständige erziehungswissenschaftliche Fachbereich hat im Januar die Abschaffung des englischsprachigen Studiengangs beschlossen. Am Fachbereich sei er nicht gut aufgehoben, ließ die Pressestelle der FU damals wissen. Zudem sei derzeit kein hauptamtlicher Professor für die fachliche Leitung verantwortlich.

Manfred Liebel, der den Studiengang aktuell als Gastprofessor leitet, sagt dagegen, die Strukturprobleme seien vorgeschoben. „Einige Professoren finden, dass unser Studiengang dem Profil des Fachbereichs nicht mehr entspräche und ein unnützes Erbe einer früheren Professorengeneration sei.“ Themen wie Inklusion, sexualisierte Gewalt oder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge könnten aber nur mit wissenschaftlicher Expertise von Kinderrechtlern angegangen werden.

Die Fachhochschule Potsdam ist interessiert

Der Studiengang sucht nun nach alternativen Standorten in Berlin und Potsdam. Die FH Potsdam habe Interesse signalisiert, sagt Liebel. „Am liebsten wollen wir aber an der FU und damit im Land Berlin bleiben.“ Die FU-Leitung sieht es etwas anders: Der Studiengang habe sich mit der Kommission für Lehrangelegenheiten darauf verständigt, dass eine Kooperation zwischen Fachhochschulen angestrebt wird und die FU lediglich die Übergangsphase unterstützen soll, teilte ein Sprecher mit.

Auch die Studierenden kämpfen gegen die Entscheidung des Dekanats, so brachte der Asta den Vorschlag ins Gespräch, den weiterbildenden Master mit einem konsekutiven, also aufbauenden Master, zu verbinden – erfolglos.

Einer Schließung des Studiengangs müsste indes der Senat zustimmen. Ein entsprechender Antrag liege noch nicht vor, heißt es in der zuständigen Wissenschaftsverwaltung. Aus der Strukturplanung, die die FU ebenso wie die anderen Berliner Hochschulen soeben vorlegen musste, werde aber hervorgehen, wo der Fachbereich seine künftigen Schwerpunkte sieht.

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