Der Tagesspiegel : Zeppelin nimmt Kurs auf Neuhardenberg

Auf dem Flugplatz soll eine Werft für Passagierluftschiffe entstehen. Der Bauantrag ist schon gestellt

Claus-Dieter Steyer

Neuhardenberg - Während im heutigen Freizeitpark „Tropical Islands“ in Brand nichts mehr an die einstige Bestimmung der Riesenhalle erinnert, lebt im Oderbruch gegenwärtig die Idee von großen Luftschiffen wieder auf. Wolfgang von Zeppelin aus der Familie des legendären Flugpioniers bestätigte jetzt „ernsthafte und sehr weit fortgeschrittene“ Pläne, auf dem Gelände des Flugplatzes Neuhardenberg eine 125 Meter lange, 39 Meter breite und 27 Meter hohe Halle zu bauen – wo Luftschiffe für bis zu 45 Passagiere montiert werden sollen. Damit will die „Zeppelin Europe Tours Holding“ Flüge quer über den Kontinent anbieten. Die Reisegeschwindigkeit der Fluggeräte soll bei 130 Kilometern pro Stunde liegen.

Die zuständige Verwaltung des Landkreises Märkisch-Oderland bestätigte den Eingang des Bauantrages. Landrat Gernot Schmidt (SPD) sicherte bereits eine „zügige Bearbeitung“ zu. Schließlich handele es sich um eine Investitionssumme von 16,5 Millionen Euro. Mindestens 200 Arbeitsplätze allein in Neuhardenberg würden in Aussicht gestellt.

Wolfgang von Zeppelin, der bis 1999 in Friedrichshafen den Luftschiffbau lenkte, sieht ein großes Potenzial für touristische Luftschiffreisen. Das zeigten nicht zuletzt die bisherigen Erfahrungen mit kleineren Fluggeräten. Die Passagiere könnten nahezu geräuschlos und vibrationsfrei die Landschaft aus geringer Flughöhe und durch große Fenster erleben, zugleich gebe es in der 42 Meter langen und 4,2 Meter breiten Gondel große Bewegungsfreiheit. Zu den möglichen Start- und Landeplätzen zählt er Kopenhagen, Hamburg, Amsterdam, Brüssel, London, Paris, Straßburg, Zürich, Friedrichshafen, Dresden und Berlin.

Das Luftschiff-Projekt von Cargolifter in Brand war 2003 an einem Fördermittel-Stopp durch das Bundeswirtschaftsministerium gescheitert, das den Bedarf an riesigen Luftschiffen für den Gütertransport bezweifelte und die Technologie für unausgereift hielt. Vor zwei Jahren kündigte der ehemalige Cargolifter-Chef Carl von Gablenz einen Neustart an, diesmal mit Luftschiffen für bis zu 500 Passagieren oder 60 bis 80 Tonnen Fracht. Die Halle dafür sollte ebenfalls in Neuhardenberg entstehen. Doch außer der Ankündigung ist bislang nichts geschehen. Einen Bauantrag blieb die Cargolifter-Mannschaft im Unterschied zur Zeppelin-Holding schuldig.

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