Der Tagesspiegel : Zukunft der Jugend liegt in der Industrie Experten erwarten Bedarf an 100000 Fachkräften im Jahr 2010 – Chancen auch in den Randregionen

Thorsten Metzner

Potsdam - Wegen des zu erwartenden Fachkräftemangels werden sich die Jobchancen für Jugendliche in Brandenburg schon 2010 spürbar erhöhen. Das ist die Botschaft einer aktuellen Studie, die Ministerpräsident Matthias Platzeck und Sozialministerin Dagmar Ziegler (beide SPD) am Mittwoch in Potsdam präsentierten. Beide appellierten an Unternehmen, sich rechtzeitig auf diesen Trend einzustellen – insbesondere durch mehr Ausbildung. Ziegler sprach sich zudem für eine frühere Berufsorientierung schon ab Klasse 7 an den Schulen aus – und regte die Wiedereinführung von Unterrichtsstunden in den Betrieben wie zu DDR-Zeiten an. Derzeit seien viele Jugendliche in der Berufswahl „orientierungslos“, sagte Ziegler.

Nach der Studie des „Instituts für praxisorientierte Sozialforschung und Beratung“ aus Jena werden in Brandenburg 2010 rund 100 000, bis 2015 weitere 100 000 Fachleute benötigt – weil fast jeder vierte Beschäftigte bis dahin in Rente geht. Der Autor der Studie, Michael Behr, sprach von einer „großen Chance“ für den Abbau der Jugendarbeitslosigkeit und das Zurückdrängen der Abwanderung junger Fachkräfte. Durch die massiven Personalumwälzungen, so die Prognose, „werden die Karrierechancen junger Leute in den Firmen dann besser sein als in Westdeutschland“. Laut Studie wird es den größten Personalbedarf in den dynamischen Branchen Maschinenbau, Fahrzeugbau, Chemie, Nahrungsgüterwirtschaft und Biotechnologie geben. Behr mahnte eine stärkere Ausbildung in Industrieberufen dieser Branchen an, was insbesondere für Mädchen gelte.

Es gebe eine „mentale Deindustrialisierung“ im Land, kritisierte der Wissenschaftler. Dabei sei der reale Trend genau umgekehrt. In klassischen Dienstleistungsberufen, die bei Jungen und Mädchen immer noch sehr begehrt sind, gebe es künftig deutlich schlechtere Arbeitschancen als in der Industrie, wo sich in den berlinfernen Regionen bereits viele dynamische Firmen etabliert hätten.

Ausdrücklich warnte Behr vor einem „Regionalpessimismus“ in einigen Brandenburger Gebieten. Das Phänomen: Attraktivität und Zukunftsperspektiven der jeweiligen Region würden insbesondere von einheimischen Geschäftsführern negativ beurteilt. Hingegen sähen zugereiste Geschäftsführer aus dem Westen und auch anderen Ost-Bundesländern die Chancen sogar der Randregionen deutlich optimistischer und das gegenwärtige Erscheinungsbild „weniger dramatisch“. So könnte sich laut Studie „ein Fatalismus der Alteingesessenen hemmend auf die Belebung der Wirtschaft und der Regionen Brandenburgs“ auswirken.

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