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    Unter Nachbarn

    Oliver Blaschczok, 61, ist eine kleine Kiezgröße an der Gethsemanekirche. In seinem Werkzeugladen „Max Werk“ an der Stargarder Straße 5 führt er Schrauben und Muttern in allen Größen; sortiert in einem riesigen Eisenwarenregal. Blaschczok nimmt auch Pakete an, verkauft Haushaltswaren und hat immer einen Handwerkertipp oder eine Kiezneuigkeit parat. Dabei kommt er eigentlich aus Marienfelde.

    Herr Blaschczok, was ändert sich in Prenzlauer Berg nie? Die Stimmung: Die meisten Leute hier sind freundlich und entspannt. Ich bin vor 15 Jahren mit meinem Laden hierhergekommen, inzwischen gibt es noch mehr Kinder und Touristen. In meinem Laden höre ich oft Italienisch, Spanisch, Englisch – diese Vielfalt gefällt mir. Leider ist der Einzelhandel nicht mehr so vielfältig; ich sehe nur noch Klamottenläden und Restaurants. Immerhin einen richtigen Bäcker gibt es auf der Stargarder Straße zwischen den ganzen Backshops, aber ein vernünftiger Fleischer fehlt dem ganzen Kiez. Ach so, und noch etwas ändert sich nicht in Prenzlauer Berg: Es gibt keine Parkplätze.

    Welches ist die kleinste Schraube, die Sie in ihrem Werkzeugladen verkaufen? Eine Holzschraube, 2 mal 10 Millimeter. Damit kann man zum Beispiel eine Schlüsselblende an einem Schrank befestigen. Lose Eisenwaren und einzelne Dübel sind weiterhin unser Hauptgeschäft. Die Leute wollen ja keine riesige Packung Schrauben kaufen, nur weil sie einen Kleiderhaken an die Wand hängen. Oft möchten sie auch von mir wissen, welchen Bohrer sie für ihr Vorhaben brauchen.

    Und welches war das größte Paket, das Sie mal für Nachbarn angenommen haben?  Viele Eltern lassen sich ihre Kinderwagen per Paket zuschicken. Bei mir werden ganze Wohnungseinrichtungen abgegeben: Kinderbetten in Einzelteilen, große Lampenschirme – und natürlich Weinpakete. Stark nimmt der Versandhandel mit Kleidern und Schuhen zu. Das hat aber den Nachteil, dass viele Kunden schon drei Stunden nach der Abholung wieder bei mir im Laden stehen, um die Ware zurückzusenden, weil das bestellte Kleid nicht passt. Das ist ja nicht nur ökologisch ein ziemlicher Irrsinn: die Klamotten hin- und herzuschicken, anstatt sie einfach im Geschäft nebenan anzuprobieren.

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von Robert Ide tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Pankow,

au wei, jetzt kommt der 1. Mai. Natürlich wird erst einmal ums Feuer getanzt, vor allem im Mauerpark, wo man sich schon viele Walpurgisnächte um die Ohren gehauen hat – und dann zuweilen mitansehen musste, wie Krawalltouristen aus aller Herren Bezirke ein friedvolles Kiezfest auseinander nahmen. Diesmal sollen am Sonntag nicht Wasserwerfer mit Steinen beschmissen, sondern Feuerspucker mit Staunen bedacht werden. „Wir planen Party statt Rabatz“, sagt Alexander Puell von der Initiative „Friedvolle Walpurgisnacht“. Nach dem weltweit beliebten Sonntags-Karaoke-Wahnsinn wird um 19 Uhr für den Kiezfrieden gebetet (Motto: „Liebet Eure Feinde“), danach wird ein amtliches Lagerfeuer entzündet (Holz stellt das Bezirksamt) und mit vielen Bands und Artisten die Sommersonnenwende bis weit nach Mondmitternacht gefeiert. „Parken Sie nicht an der Eberswalder Straße und halten Sie die Hauseingänge ganztägig geschlossen“, bittet die Polizei die Anwohner in Flyern. Und wir bitten zum Tanz – heraus aus dem grauen April.

Robert Ide ist Ressortleiter Berlin/Brandenburg beim Tagesspiegel und zuweilen Autor des Berlin-Newsletters „Checkpoint„. Er ist in Pankow aufgewachsen und lebt heute in Prenzlauer Berg. Über Berlin twittert er unter @ichgruessesie.

Robert Ides Tipp für Sie

Auch auf Wohnungssuche in Kiezhausen? Dann hören Sie auf, sich durch die Immobilienportale zu graben oder irgendwelche Makler anzubaggern – buddeln Sie einfach auf dem Spielplatz am Helmholtzplatz im Sand. Denn hier im Buddelkasten hat sich Berlins neue Wohnungsbörse etabliert. Anwohnerin Clarissa De Silvie fand vor ein paar Tagen mehrere Spielzeugschippen und Buddeleisbecher, die mit folgender Anzeige beklebt waren: „Wie so viele andere bin ich für meinen Sohn und mich auf der Suche nach einer Wohnung. Anstatt einer Belohnung gebe ich mein Geld lieber für Buddelförmchen aus. Das macht alle glücklich und bringt mich vielleicht zu meiner Traumwohnung. Ich suche drei Zimmer in Prenzlauer Berg. Idealerweise hier am Helmholtzplatz, wo mein Sohn am liebsten spielt.“ Ist das nicht süß? Und die Provision für Makler ist im Eimer.

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