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Brandstiftung in mehreren Stadtteilen : 25 Verletzte und eine Notunterkunft in der Straßenbahn

17.07.2011 17:42 Uhrvon
Die Hauswand ist rußgeschwärzt. Foto: MeyerBilder
Die Hauswand ist rußgeschwärzt. - Foto: Meyer

UpdateUnbekannte Täter haben am Wochenende mehrfach in Hausfluren gezündelt. In Wedding musste die Feuerwehr ein Wohnhaus evakuieren. Die Bewohner fanden Zuflucht in der Straßenbahn.

Ein Morgen in der Straßenbahn – so hatten sich die Bewohner des Weddinger Eckhauses den Beginn des Sonntages nicht vorgestellt. Wegen starker Verqualmung mussten 25 Mieter ihr Haus nach einer Brandstiftung im Parterre verlassen. 14 von ihnen mussten aus höchster Gefahr über Drehleitern der Feuerwehr gerettet werden. Da wegen der Vollsperrung der Brunnenstraße ohnehin eine Straßenbahn der Linie M10 vor der Absperrung wartete, bat die Feuerwehr die BVG um Erlaubnis. Dies ging schneller, als einen der speziellen Busse der Feuerwehr anzufordern. In der Tram behandelten Sanitäter und Notärzte mehrere Mieter. Zum Glück waren ihre Rauchvergiftungen nicht so schwerwiegend, niemand musste ins Krankenhaus.

Ein Unbekannter hatte gegen 6.20 Uhr Gerümpel im Fahrradraum im Parterre des siebengeschossigen Hauses angezündet. Ein Polizeibeamter, der auf dem Heimweg war, hatte den Rauch bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Verschärft wurde die Situation in dem Eckhaus zur Strelitzer Straße, weil mehrere Mieter auf den Balkon geflüchtet waren, die Balkontür aber offen gelassen hatten. So zog der extrem giftige Brandrauch auch von außen in die Wohnungen.

Eine Stunde später brannte es dann in der Schönhauser Allee. Hier hatte ein Unbekannter zwei Kinderwagen im Hausflur angezündet. Mieter konnten die Flammen vor Eintreffen der Feuerwehr ersticken, eine Frau musste mit Rauchvergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden. Vor allem in Wedding und Prenzlauer Berg hatte es in den beiden Nächten zuvor bereits vier Alarme gegeben. In der Koloniestraße brannte der Fußbodenbelag im Hausflur. In der Belforter Straße hatten Unbekannte drei Kinderwagen angezündet, in der Kollwitzstraße und der Saarbrücker Straße je einen. Alle Brände verliefen glimpflich – aber die ungewöhnliche Häufung schürt Angst.  | 

Polizei und Feuerwehr mahnten am Sonntag erneut, Haus- und Kellertüren verschlossen zu halten und kein Gerümpel in Kellern und keine Kinderwagen in Hausfluren abzustellen. Denn Brandstifter suchen sich immer den leichtesten Weg: So gut wie nie werde eine Tür aufgebrochen, um ein Feuer zu legen. Zündler suchen eine offene Tür und etwas leicht Entflammbares – Kinderwagen. Dies war auch bei den beiden schlimmsten Brandstiftungen der letzten Jahre so: In der Moabiter Ufnaustraße starben 2005 neun Menschen, im März dieses Jahres drei in der Neuköllner Sonnenallee. Trotz intensiver Ermittlungen der Sonderkommission und einer ausgesetzten Belohnung von 10 000 Euro ist der Täter der Sonnenallee nicht gefasst worden. Die Serie der Neuköllner Kinderwagen-Brandstiftungen ging nach einigen Wochen dann zu Ende – wieso ist unklar. Dagegen brennt es in Hellersdorf weiterhin regelmäßig, wenn auch insgesamt seltener als 2010. In den vergangenen Tagen musste die Feuerwehr mehrfach dort brennende Container und Müllschlucker löschen. Unklar ist, ob es einen Zusammenhang mit der Brandserie vom Herbst letzten Jahres gibt, als nahezu jede Nacht in Treppenhäusern und Kellern gezündelt worden war.  Auch hier war wegen der Serie eine Soko gebildet worden.

Mysteriös ist ein aktueller Fall in Reinickendorf: In der Brusebergstraße drang ein Unbekannter kurz vor sechs Uhr früh in die Wohnung einer schlafenden 21-Jährigen ein und legte Feuer. Durch das Bellen ihres Hundes wurde die Frau wach, der Täter flüchtete. In einem weiteren Fall konnte eine Frau festgenommen werden, die Wohnung und Keller eines Mannes in der Weddinger Steegerstraße angezündet hatte. Die beiden sollen sich seit längerem streiten.

Gut 20 Mal am Tag rückt die Feuerwehr in Berlin zu einem Brand aus, 2009 waren es 7610 Einsätze, 2010 dann 8114. Experten schätzen, dass jedes dritte Feuer vorsätzlich gelegt wurde. Hierzu zählen allerdings auch kleinste Brände unter freiem Himmel.

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