Eltern aus Pankow vor Gericht : Vater schüttelte Kleinkind, bis es erblindete

Der Vater schüttelte Emilia so sehr, dass sie mit sechs Monaten Gehör und Augenlicht verlor. Schon fünf Monate vorher hatte er ihr die Rippen gebrochen. Nun schweigen er und die Mutter vor Gericht.

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Unzählige Kinder werden misshandelt, täglich sterben in Deutschland drei Kinder deshalb. Symbolbild.
Unzählige Kinder werden misshandelt, täglich sterben in Deutschland drei Kinder deshalb. Symbolbild.Foto: Uwe Zucchi/ picture alliance

Die kleine Emilia aus Pankow war fünf Wochen alt, als sie mit vier gebrochenen Rippen in Lebensgefahr schwebte. Damals war ihr Vater unter dem Verdacht der Misshandlung festgenommen worden. Doch er wurde gegen Auflagen von Haft verschont. Nun steht Werner E. wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Er soll Emilia ein zweites Mal misshandelt und dabei so heftig geschüttelt haben, dass sie erblindete und das Gehör verlor. Da war das Mädchen knapp sechs Monate alt.

Weißes Hemd unter schwarzer Weste trug der Vater und ließ seinen Anwalt erklären, dass man nichts von ihm hören werde. So hielt es auch Emilias Mutter. Jennifer G. steht wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen mit vor Gericht. Die 24-Jährige soll laut Anklage erst fast drei Tage nach dem mutmaßlichen Schütteln ärztliche Hilfe für ihr Baby gerufen haben – „obwohl sie erkannt hatte, dass es ihrer Tochter schlecht ging“.

Auch wegen berhördlicher Fehler wird ermittelt

Die Frage nach behördlichen Fehlern steht im Raum und ist „Gegenstand von Ermittlungen“, so der Staatsanwalt. Gegen den 26-jährigen E. war nach dem ersten Vorfall Haftbefehl wegen Fluchtgefahr beantragt worden. Der zuständige Richter sah diese nicht. E. blieb frei. Das Jugendamt Pankow hatte Mutter und das Baby in einer Einrichtung untergebracht. E. ging zur familientherapeutischen Beratung. Schon bald fielen Einschätzungen positiv aus: Im September kehrten Mutter und Kind zurück in die Wohnung.

Emilia lebt nun bei Pflegeeltern

Gegen den mutmaßlichen Misshandler lag die Anklage im ersten Fall bereits vor, als Emilia erneut lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus kam. Die Anklage geht davon aus, dass der Vater seine Tochter derart schüttelte, dass es zu starken Einblutungen in Gehirn und Augen kam. E. habe „mindestens billigend in Kauf genommen, dass das Kleinkind in Folge des Schüttelns sterben könnte».

Emilia lebt nun bei Pflegeeltern. Sie kann nicht sehen, nicht hören. Ob sich daran etwas ändern wird, ist offen. „Die Prognose ist schlecht“, sagte der Ankläger.

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