Geständnis vor Gericht : Rocker planten Bombenanschlag

Rocker des inzwischen als aufgelöst geltenden Clubs Mongols MC sind am Donnerstag vor dem Landgericht in die Defensive gegangen. Die Angeklagten gaben zu, dass sie sich mit einer Rohrbombe an den verfeindeten Hells Angels rächen wollten.

von

Berlin - Keine Lederkutten, kein großspuriges Auftreten, aber ein Geständnis nach dem anderen: Rocker des inzwischen als aufgelöst geltenden Clubs Mongols MC sind am Donnerstag vor dem Landgericht in die Defensive gegangen. „Ich sollte etwas bauen, etwas Großes, was richtig Bumm macht“, gab Stefan S. zu. „Den Auftrag gab Omar R.“, belastete er einen Mitangeklagten. Es war eine Rohrbombe, die S. bastelte. Die Mongols wollten sie gegen die verfeindeten Hells Angels einsetzen. Einen konkreten Plan zu einem Anschlag aber habe es noch nicht gegeben, sagten die Angeklagten.

Es sind sieben Männer im Alter von 17 bis 36 Jahren, die seit gestern auf der Anklagebank sitzen. Sie waren bis Ende Februar Mitglieder der Mongols oder zumindest „Anwärter“. Dann klickten die Handschellen. Einer von ihnen hatte die Sache mit der Rohrbombe gegenüber der Polizei erwähnt. Der 28-Jährige ist jetzt zwar einer der Angeklagten, muss sich aber nur für einen Überfall auf einen Mann im Streit um angebliche Schulden im Rotlichtmilieu verantworten. Den weiteren Ex-Mongols wird zudem Verabredung zu einem Verbrechen zur Last gelegt.

Sie saßen Ende Februar in einer Bar in Tegel. „Plötzlich lag eine Tüte mit einer Rohrbombe auf dem Tisch“, beschrieb einer der muskelbepackten Männer. Sie hätten gelacht und kurz geredet. „Es sollte in Richtung der Hells Angels gehen, aber auf keinen Fall sollten Menschen verletzt werden“, gab einer der Mongols zu Protokoll. Es sei um Rache gegangen: Ein Mongol war kurz zuvor mit einem Messer attackiert, das Auto eines anderen mit einer Machete beworfen worden. Sie vermuteten dahinter Angriffe der Hells Angels, wollten sich nach Aussagen des Kronzeugen Respekt verschaffen: „Man musste etwas machen, um ernst genommen zu werden.“ Zumal keiner von ihnen ein Motorrad oder einen Führerschein dafür besitzt.

Wenn bis dahin von „Rockerkrieg“ die Rede war, ging es um Kämpfe zwischen den Bandidos und den Hells Angels. Die Mongols tauchten erst Ende 2010 in Berlin auf. Der 1969 gegründete Club war schon immer mit den Hells Angels verfeindet. In den vergangenen Jahren fasste er in Süddeutschland und schließlich in Bremen Fuß. Dort sollen sich vor allem Männer einer einschlägig bekannten libanesisch-kurdischen Großfamilie zu der Gruppierung zusammengeschlossen haben. Seit Wochen zeigen die Rocker nun auch in Köln Präsenz, die dortige Polizei verhinderte eine Massenschlägerei zwischen Hells Angels und Mongols.

Auch Omar R., der mutmaßliche „Präsident“ der damaligen Berliner Mongols, stammt aus einem arabischen Clan, den man bei Polizei und Justiz kennt. Der 29-Jährige gab sich nun müde. „Ich will eigentlich nur meine Ruhe“, sagte der Vorbestrafte. Den Bombenbau will er nicht beauftragt haben. Als er von der Idee hörte, habe er erklärt: „Mach mal.“ Dagegen sagte Kronzeuge G.: „Omar R. wollte sich damit ein Denkmal setzen.“

Die Mongols wollen locker überlegt haben, ob man die Bombe etwa am Clubhaus der verfeindeten Rocker anbringen könnte. „Aber am Ende wollte keiner, dass das Ding überhaupt gezündet wird“, sagte S. Die Rohrbombe, die Polizisten bei ihm in Reinickendorf fanden, sei funktionsfähig gewesen. Der Prozess wird Montag fortgesetzt.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben