Missbrauch-Prozess in Berlin : Feuerwehrmann soll Teenager zur Prostitution gezwungen haben

Jügen H. soll 13- bis 17-jährige Mädchen gegen Geld missbraucht und dann zur Prostitution gedrängt haben. Ein Geständnis könnte dem 50 Jahre alten Feuerwehrmann maximal fünf Jahre Haft bringen.

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Mit einem seiner minderjährigen Opfer wollte Jürgen H. offenbar einen Escort-Service für Lolita-Sex betreiben.
Mit einem seiner minderjährigen Opfer wollte Jürgen H. offenbar einen Escort-Service für Lolita-Sex betreiben.Foto: dpa/Marijan Murat

Als für Feuerwehrmann Jürgen H. die Handschellen klickten, war das Entsetzen groß. Ein Zuhälter, ein Mädchenhändler, ein Sexualtäter soll er sein. Der Mann von 50 Jahren, der in seinem Beruf geschätzt wurde und im privaten Umfeld als liebevoller Familienvater galt, soll Mädchen im Teenageralter missbraucht und dann gedrängt haben, sich zu prostituieren - für einen Escort-Service, den er aus Sicht der Ermittler aufbaute. Sechs Monate später begann nun der Strafprozess.

13 mutmaßliche Opfer

Die Vorwürfe wiegen schwer: Vergewaltigung einer 15-Jährigen, Missbrauch von Jugendlichen in 20 Fällen, Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung, Zuhälterei, Nötigung. In der Zeit von Anfang 2013 bis Oktober 2014 soll er zu mindestens 15 Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren Kontakt aufgenommen haben. 13 dieser Teenager sind in der Anklage als mutmaßliche Opfer genannt. Jürgen H., der das leicht ergraute Haar nackenlang trägt, saß vornübergebeugt und regungslos auf der Anklagebank. Er ist seit Bekanntwerden der Vorwürfe vom Dienst suspendiert.

Zunächst sah es so aus, als würde er die Taten im Wesentlichen bestreiten. Einige Kontakte zu Mädchen gab er bei der Polizei zu. Er habe sich aber nicht um Teenager bemüht, um sie auf den Strich zu schicken, soll er erklärt haben. Ihm sei es nur darum gegangen, „zu locken, sich vielleicht mal zu treffen“. Die Sache tue ihm leid. Er kenne sich mit Gesetzen nicht aus. Zu Beginn des Prozesses zeichnete sich ein weitgehendes Geständnis ab.

Jagdrevier "Internet"

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Internet das Jagdrevier des Angeklagten war. Über die sozialen Netzwerke habe er sich an junge Mädchen geschlichen, die oft noch mitten in der Pubertät steckten. Erst habe er die Opfer zu Sex gegen Geld überredet, dann zur Prostitution gedrängt. Mit zwei Mädchen im Alter von 14 Jahren, die über eine Kleinanzeige einen Nebenjob für Schüler suchten, habe die Serie begonnen: „Er bot ihnen an, dass sie für erotische Massagen und sexuelle Handlungen Geld von ihm erhalten würden“, heißt es in der Anklage.

Anfang 2013 sei es zu einem Treffen gekommen. Jürgen H. sei mit den 14-Jährigen in seine Wohnung in Tegel gefahren – „er wusste, dass die Zeuginnen minderjährig waren“, so die Ermittler. Er habe jeweils 50 Euro bezahlt.

Jürgen H. soll seine Opfer im Internet gefunden haben. Ermittler gehen davon aus, dass er wusste, dass sie minderjährig waren. (Auf diesem Bild: Ein Ermittler bei der Recherche in Internetportalen)
Jürgen H. soll seine Opfer im Internet gefunden haben. Ermittler gehen davon aus, dass er wusste, dass sie minderjährig waren....Foto: dpa/Peter Kneffel

Escort-Service für Lolita-Sex

Eine 17-Jährige habe sich auf ihn eingelassen, weil sie wie die meisten weiteren mutmaßlichen Opfer finanzielle Probleme hatte. Nach mehrfachem Missbrauch gegen jeweils 50 Euro soll er mit ihr vereinbart haben, einen Escort-Service zu betreiben – für Lolita-Sex. Er sei „hauptsächlich an minderjährigen Mädchen interessiert gewesen“, so die Anklage. In einem Fall soll er mit Gewalt gegen eine Jugendliche vorgegangen sein. Das Opfer war den Ermittlungen zufolge eine 15-Jährige, die über Kleinanzeigen im Internet einen Job als Babysitterin suchte. Bei einem Treffen habe sie Annährungen des Angeklagten abgewiesen. Er habe nicht von ihr abgelassen, sie vergewaltigt. Eines der Mädchen, die in seine Falle ging, leide unter psychischen Problemen und sei deshalb nicht in der Lage gewesen, sich seinem Drängen zu widersetzen.

Die Mutter einer 13-Jährigen erstattete schließlich Anzeige. Wenn H. nun gesteht und Opfern im Prozess die Aussage erspart, gibt es für ihn maximal fünf Jahre Haft. Das sicherten die Richter zu. Am Mittwoch geht der Prozess weiter.

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