Prozess : Metalldiebe kamen mit Bewährung davon

Schrottdiebe: Ein Ehepaar hatte es auf Kabel und Rohre abgesehen und verteidigte seine Beute mit Gewalt. In Berlin und Brandenburg schlagen Metalldiebe wieder häufiger zu.

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Hin und weg. In der Nähe von Fürstenwalde (Oder-Spree) wird nach einem Diebstahl neues Kupferkabel verlegt. Buntmetalldiebe hatten auf der Regionalexpresslinie 1 gut zwei Kilometer aus der Oberleitung gestohlen. Foto: dpa/Patrick Pleul
Hin und weg. In der Nähe von Fürstenwalde (Oder-Spree) wird nach einem Diebstahl neues Kupferkabel verlegt. Buntmetalldiebe hatten...Foto: dpa

Berlin/Potsdam Die beiden Schrottdiebe ignorierten den Zaun und luden an einem Vormittag im letzten September dreist ihren Lastwagen voll. Dzanija N. und ihr Mann Slavoljub E. hatten bereits diverse Kabel, Gewindestangen und ein paar Rohre von einem Grundstück in Kreuzberg „gesammelt“, als ihnen Augenzeugen die Tour vermasselten. Weil sie ihre Beute obendrein mit einer Eisenstange und Fäusten verteidigen wollten, saßen sie gestern wegen räuberischen Diebstahls vor Gericht.

In Berlin und Brandenburg schlagen Metalldiebe wieder häufiger zu. Der Grund sind anziehende Preise für Buntmetall und Schrott, nachdem Händler bis 2008 einen massiven Rückgang verzeichnet hatten.

Die Eheleute, 46 und 42 Jahre alt, räumten die Vorwürfe pauschal ein. Demnach schlug die Frau einen der drei Zeugen mit der Faust auf den Oberarm, während ihr Gatte mit Altmetall bewaffnet einen anderen attackieren wollte. Dem dritten aber gelang es, den Zündschlüssel an sich zu bringen und so eine Flucht mit dem Wagen zu verhindern. Weil die Gewalt „am unteren Rand“ lag und der Wert der Beute „eher gering“ war, kamen die Schrottdiebe mit Bewährungsstrafen von 15 und 20 Monaten davon.

Zurzeit sucht die Berliner Polizei außerdem mit Fahndungsfotos nach vier Männern. Bilder einer Überwachungskamera zeigen, wie sie Anfang April von einem Firmengelände in Spandau in großen Kunststoffsäcken insgesamt 1,5 Tonnen Kupferspäne davontragen. Drei größere Fälle gab es vergangene Woche in Brandenburg. Ein Lokführer der Deutschen Bahn entdeckte, dass Bronze- und Kupferteile der Oberleitung auf der Strecke zwischen Fürstenwalde und Fangschleuse (Oder-Spree) abmontiert worden waren. Die Bahn schätzt den Schaden auf „mehrere tausend Euro“. Aus einem Umspannwerk in Ragow im Spreewald nahmen unbekannte Täter rund 70 Meter Kupferkabel mit. Der Telekom wurde zwischen Grießen und Briesnig (Spree-Neiße) eine knapp vier Kilometer lange, aber stillgelegte Telefonleitung gestohlen, der Schaden beläuft sich auf 40 000 Euro.

Für 2009 verzeichnete die Bundespolizei in Berlin und Brandenburg laut Direktionssprecher Meik Gauer noch einen Rückgang von Metalldiebstählen um 57 Prozent – von knapp 1200 Fällen im Vorjahr auf zuletzt 500. 1750 Tonnen Stahl und Eisenschrott – wie Gleise oder Weichenteile – wurden dabei von aktiven und stillgelegten Bahnstrecken und Baustellen geklaut. Hinzu kommen 80 Kilometer Kupferkabel von Oberleitungen, Telefon- und Signalstrecken. Ein Schwerpunkt war die ICE-Strecke zwischen Berlin und Hamburg, die in Höhe Wittenberge (Prignitz) ausgebaut wurde, im Einzelfall belief sich der Schaden bei Oberleitungen an der ICE-Strecke auf eine fünfstellige Summe.

Die Bundespolizei setzte insgesamt 52 Verdächtige fest, teilweise auf frischer Tat, denen meist auch andere Fälle zugeordneten werden konnten. Die Ermittler gehen von mehreren aktiven Gruppen mit klaren Täterprofilen aus: Meist sind sie über 21 Jahre alt, überwiegend Deutsche, selten Polen.

„Zurzeit gibt es wieder einen Anstieg der Fälle auf Bahnanlagen“, sagt Gauer. „Das hat mit den Preisen auf dem Metallmarkt zu tun.“ Ein Kilogramm Telefonleitung bringt derzeit 1,50 Euro, Kupfer bis zu fünf Euro je Kilogramm. Tatsächlich hat sich der Kupferpreis seit Anfang 2009 verdoppelt.

Zum Metallklau außerhalb von Bahnanlagen geben die Kriminalitätsstatistiken von Berlin und Brandenburg dagegen nichts her. Eine gemeinsame Ermittlergruppe der Landeskriminalämter (LKA) beider Länder hat sich zuletzt 2007 damit beschäftigt, für Brandenburg gab es noch bis 2006 ein Lagebild – wegen „eines expliziten Anstieges“ bei hohen Metallpreisen. Der Gesamtschaden wurde damals auf 3,1 Millionen Euro beziffert. Nun schließen die Ermittler nicht aus, sich wieder verstärkt den Metalldieben zu widmen. „Wir werten die Lage aus.“

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