Schule : Cadillac SRX - verblüffend dynamisch

Allradantrieb, bulliger Motor und Premium-Ausstattung - das soll auch Europäer überzeugen

Ingo von Dahlern

Cadillac – fast jeder kennt diese amerikanische Luxusmarke, die unters Dach von General Motors gehört. Aber damit ist es meist auch schon erledigt. Bei der Frage nach den Modellen, die es unter diesem Namen gibt, passen die meisten. Doch woher soll man das auch wissen. Denn bei uns sind Autos mit dem Cadillac-Markenzeichen seltene Exoten.

Nach dem Willen der Cadillac-Manager soll sich das in den nächsten Jahren erheblich ändern. Denn nachdem es Cadillac in den vergangenen Jahren gelungen ist, an Marken wie Lexus, BMW und Mercedes verlorenes Terrain in den USA zu einem beachtlichen Teil zurück zu erobern und das vergangene Jahr das beste Cadillac-Jahr seit 1990 wurde, ist man nun auf dem Weg, Cadillac zum Global-Player zu machen. Soeben erst hat man die Marke im rasant wachsenden chinesischen Markt präsentiert und auch Europa nimmt einen wichtigen Platz in den Plänen der Cadillac-Verantwortlichen ein. Dabei weiß man natürlich genau, dass man gegenüber den hier etablierten Marken immer nur eine Nebenrollle spielen kann. Aber man möchte es schaffen, zu einem anerkannten Nischenanbieter im Luxussegment zu werden. Die Voraussetzungen dafür sind gar nicht schlecht. Denn das Modellprogramm, das man schon anbieten an, und das in den nächsten Jahren weiter ausgebaut wird, zeigt, wie konsequent man die Marke mit neuen Produkten neu etabliert.

Dabei knüpft man durchaus an alte Cadillac-Traditionen an. Denn in ihrer frühen Blütezeit galt die Marke als technisch anspruchsvoll und innovativ und zugleich als Vorreiter auf dem Gebiet des Designs.

Bei dem hat man einen klaren Trennungsstrich zur jüngeren Vergangenheit gezogen. Denn ohne Zweifel gehört Cadillac heute zu den amerikanischen Marken mit den eigenwilligsten Design – einem Design, das von vielen begeistert aufgenommen wird, da es sich nicht am Mainstream orientiert, das aber auch von vielen abgelehnt wird. Denn bei Cadillac hat man sich dazu durchgerungen, mit der neuen Linie zu polarisieren. Und der gewaltige Erfolg in den USA wird als erster Beweis gesehen, dass man damit durchaus auf dem richtigen Weg ist. Und an dem soll weder für Europa noch für die anderen Märkte, auf denen man sich etablieren möchte, etwas geändert werden.

Wie eigenwillig die aktuelle Cadillac-Linie ist, erfuhren wir, als wie vor wenigen Wochen mit einem Cadillac CTS unterwegs waren, einer komfortablen Limousine der Oberklasse, die allerdings im Unterschied zu früheren Cadillac-Modellen, die die Breite betonten, mit ihrem neuen kantigen Design die Vertikale hervorhebt. Das ergibt ganz neue Proportionen für die modernen Cadillacs, zwischen denen und ihren Vorgängern Welten liegen. Denn mehr als einmal wurden wir gefragt, was für ein Auto das denn sei, mit dem wir da vorfuhren.

Welten liegen aber nicht nur zwischen dem früheren und dem modernen Design, sondern vor allem auch im Fahrverhalten und der Verarbeitungsqualität dieser Autos. Mit deren neuesten Modell, den Cadillac SRX, waren wir dieser Tage erstmals unterwegs – einem Cadillac, der mit so gut wie allen Traditionen des Hauses bricht. Denn erstmals hat ein Cadillac ein Kombiheck – ein recht hohes sogar, das eher schon an große Offroader erinnert. Und unter dieser eigenwilligen Karosserie steckt erstmals ein Antriebsstrang, der alle vier Räder mit Antriebskräften versorgt. Da er auch noch hoch baut, ist er der erste Cadillac, der auch abseits befestigter Straßen eine gute Figur macht. Ein Cadillac, der zu den so genannten Crossovers gehört – das hat es noch nie gegeben. Und gerade darin liegt ein Teil der Chancen, die sich Cadillac vor allem auch für Europa ausrechnet.

Bewährt ist die stärkere der beiden Maschinen, der bärenstarke 4,6-Liter-Northstar-V8-Motor mit 239 kW (325 PS), neben dem ein ein neuer 3,6-l-V6 mit 190 kW (258 PS) angeboten wird – und vielleicht in Zukunft sogar ein Diesel. Der Northstar-V8 konnte schon bei früheren Modellen gefallen. Doch beim Allradler SRX erlebten wir etwas für einen Cadillac völlig Neues.

Denn erstmals darf man den Motor richtig fordern, ohne Angst haben zu müssen, dass man das Auto bei flotter Kurvenfahrt nicht mehr sicher in Griff behält. Denn Cadillac hat es geschafft, diesem Auto einen verblüffend dynamischen Auftritt zu geben. Und wenn wir bei den ersten Kurven auch noch zögerten, das zu probieren, nach einer Viertelstunde auf kurvigen Landstraßen waren wir bereits überzeugt, dass hier eine ganz neue Art Cadillac die Bühne betreten hat – ein Cadillac nämlich, der sich bedenkenlos sportlich bewegen lässt und das dazu auch noch mit einem überraschenden Fahrkomfort. Zugleich ist dieses Auto aber auch geländetauglich. Und mit einem Radstand von 2,96 Meter und einer Länger von 4,92 Meter gehört der Cadillac zu den größten seiner Art.

So haben Modelle wie der 5er von BMW, der Lexus RX 330 oder auch der Mercedes ML plötzlich einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen, der zum Teil noch mehr kann als diese Autos. Und er reizt nicht nur durch seine eigenwillige Linie, sondern vor allem auch die Fülle technischer Innovationen, die unter seiner Karosserie stecken. Wie zum Beispiel das aufwändige Fahrwerk mit seiner raffinierten Stoßdämpferverstellung Magnetic Ride Control. Und selbstverständlich hat das weitgehend aus Aluminiumkomponenten zusammengesetzte Fahrwerk mit der Trapezlenkerachse vorn und einer Mehrlenkerkonstruktion hinten mit StabiliTrak eine moderne Fahrdynamikregelung sowie ein Vierkanal-ABS mit Bremsassistent und eine Traktionskontrolle.

Natürlich bietet dieses Auto eine mehr als luxuriöse Ausstattung, edles Leder das derzeit größte Schiebedach der Welt, ein mehr als großzügiges Platzangebot, eine rundum komplette Sicherheitsausstattung. Allerdings muss Cadillac beim Innendesign noch einige Dinge verbessern. Großflächige Holzimitationen an der Mittelkonsole zum Beispiel sind ein Fehlgriff. Aber Cadillac-Verantwortliche erklärten bereits, dass dem Interieur in den nächsten Monaten besondere Aufmerksamkeit gelten wird. Schließlich überzeugt der SRX mit konkurrenzfähigen Preisen. Die beginnen bei 43 950 Euro für den 3,6-l-V6 als Elegance. Der 3,6-l-V6 Sport Luxury wird für 47 950 Euro angeboten und das Spitzenmodell 4.6 V8 Sport Luxury für 58 950 Euro

FAZIT

Ein in jeder Beziehung überraschendes Auto, das wie kein anderer Cadillac den Wandel dokumentiert, der sich bei der amerikanischen Luxusmarke vollzieht und der neben seiner etablierten Konkurrenz eine mehr als gute Figur macht und zudem mit seiner eigenwilligen Linie eine echte Alternative darstellt. Ein wettbewerbsfähiges Auto, das auch in Europa Chancen hat, wenn es Cadillac gelingt, ein funktionierendes Vertriebs- und Servicenetz aufzubauen.

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