Schule : Darf ich nach hinten?

Der Note ist ein handliches Auto, in dem nicht nur Fahrer und Beifahrer ordentlich Platz haben. Nissans Neuer macht eine gute Figur – umso ärgerlicher, dass es die Diesel nur ohne Partikelfilter gibt

Ingo von Dahlern

Ob Renault Modus oder Clio, Nissan Micra oder Dacia Logan. Trotz völlig verschiedener Karosserien haben diese Autos dreier Marken eines gemeinsam: die Plattform, auf der sie aufbauen. Längst braucht nicht jedes neue Auto seine eigene, neue Plattform. So lassen sich gewaltige Entwicklungs- und Produktionskosten sparen, wenn man eine erfolgreiche Basis gleich mehrfach verwendet. Das tun immer mehr Autohersteller, darunter auch die Konzernbrüder Renault und Nissan.

Der japanische Partner stellt nun mit dem Note das vorerst sechste Modell auf die gemeinsame Kleinwagenplattform, die dafür um einiges verlängert wurde. Denn mit seinem Radstand von 2,60 Meter übertrifft er den Micra um 17 Zentimeter und selbst den Clio noch um drei. Damit ist der 4,08 Meter lange Note beim besten Willen kein Kleinwagen mehr, eher ein respektabler Minivan im Format des Opel Meriva, der soeben erst ein Facelifting erlebte.

Im Nissan-Programm tritt der Note an die Stelle des in den Ruhestand gegangenen Almera Tino. Der lange Radstand verspricht viel Platz im Innenraum. Genau das bestätigt sich bei der ersten Begegnung. Denn auf straff gepolsterten Sitzen mit langer Sitzfläche werden Passagiere in diesem Auto bequem und in leicht erhöhter Sitzposition platziert, auch groß gewachsene Hinterbänkler müssen sich nicht drücken. Da die Rückbank in Längsrichtung um 16 Zentimeter verschiebbar ist, kann man es sich hier ebenso bequem machen wie sonst nur in Limousinen der gehobenen Klassen. Und das gilt nicht nur für die Beine. Auch die Kopffreiheit passt, obwohl der Note im Unterschied zum 1,62 Meter hohen Opel Meriva mit nur 1,55 Meter Höhe sehr viel niedriger ist.

Natürlich schrumpft der Laderaum, wenn man die Sitze nach hinten schiebt, von maximal 437 auf bis zu 280 Liter. Aber das ist trotzdem noch ein respektabler Wert, selbst wenn man voll besetzt auf größere Tour geht. Sind die Plätze hinten frei, dann lassen sich die Sitze umlegen, aber leider nicht so elegant versenken wie etwa beim Meriva. Dennoch erhält man einen Stauraum von 1332 Liter. Und da sich die Rücklehne des Beifahrersitzes bei allen Versionen des Note umklappen lässt, kann man selbst bis zu 2,40 Meter lange Gegenstände problemlos im Note transportieren.

Vier Motoren stehen für den Note zur Wahl – zwei 1,5-Liter-Turbodiesel mit Common Rail von Renault, die 50 und 63 kW (68 und 86 PS) leisten und zwei Benziner. Neben dem 1,4-Liter mit 65 kW(88 PS) ist das der flotte 1,6-Liter mit 81 kW (110 PS), der schon im Micra 160 SR durch hohe Durchzugskraft aus niedrigen Drehzahlen heraus überzeugt. Mit ihm braucht der Note 10,7 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und erreicht maximal 183 km/h. Doch auch mit dem 1,4 Liter, der Tempo 165 und den Spurt auf Tempo 100 in 13,1 Sekunden möglich macht, ist der Note ordentlich motorisiert. Noch eine Spur flotter ist er übrigens mit dem stärkeren der beiden Diesel, bei dem man schon genau hinhören muss, um zu erkennen, nach welchem Verbrennungsprinzip er arbeitet.

Für den deutschen Markt zum Problem werden könnte allerdings, dass die Diesel die Abgasnorm EU4 ohne Partikelfilter erfüllen und Nissan deshalb nur für den größeren eine Nachrüstlösung vorbereitet. Denn bei uns stehen Verordnungen ins Haus, nach denen Diesel ohne Partikelfilter, selbst dann, wenn sie die neuesten europäischen Abgasnormen erfüllen, als so genannte „Schmutzdiesel“ mit Fahrverboten belegt werden können.

Auch bei flotter Kurvenfahrt hält sich die Seitenneigung des Note in Grenzen. Und wer nicht gerade extrem fährt, darf sich darüber freuen, dass man mit dem Note-Fahrwerk auch bei flotter Kurvenfahrt keine Angst haben muss, die Kontrolle über dieses Auto zu verlieren. Wobei für den Notfall vorgesorgt ist, denn zu den Assistenzsystemen an Bord zählt auch ein ESP – allerdings erst von der Ausstattung tekna an. Für die einfacheren Ausstattungen muss man es dazu kaufen und beim kleinen Diesel ist es nicht einmal als Option verfügbar. Ebenfalls nicht im Programm als Alternative zum Fünfgang-Schaltgetriebe ist eine automatisierte Variante. Wer automatisch fahren möchte, muss sich für den Note 1.6 mit klassischer Automatik entscheiden und dann auf das ESP verzichten.

Zu den großen Pluspunkten beim Note zählt neben dem großzügigen Platzangebot und seiner Variabilität auch seine gelungene Optik. Das gilt für die in einigen Elementen dem Murano verwandte Front ebenso wie für die dynamische Seitenlinie. Und auch im Interieur kann der Note mit einem attraktiven Design und solider Verarbeitung punkten. Gestört haben uns allerdings die vielen dunklen Töne – aber da sind die Geschmäcker verschieden.

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