Schule : Der Größte unter den Kleinen

Der neue Dacia Logan ist schlicht, aber genug Auto für den Alltag. Jetzt muss er nur noch sein altes Image loswerden

Ingo von Dahlern

Gerade einmal 7200 Euro für ein fabrikneues fünftüriges Auto im Golf-Format mit 510 Liter Laderaum und fünf vollwertigen Plätzen – das ist kein Druckfehler, sondern eines der derzeit interessantesten Angebote auf dem deutschen Markt. Und es kommt nicht aus Korea oder China, sondern aus Europa – dem rumänischen Dacia-Werk in Pitesti, bei dem Renault 1999 die Mehrheit übernahm und inzwischen Eigner des Werkes ist.

Logan heißt das Auto, mit dem Renault zur Jahrtausendwende begann, ein so genanntes 5000-Euro-Auto zu entwickeln. Von dieser Idee war in den Jahren von manchem Hersteller zu hören, realisiert hat sie bislang keiner. Renault jedoch hat mit dem Logan ein Auto auf die Räder gestellt, das in seiner einfachsten Version tatsächlich mit einer Fünf als erster Ziffer im Preis verkauft wird – auf dem rumänischen Inlandsmarkt.

Entgegen früheren Plänen, den Logan nur auf den aufstrebenden Automobilmärkten etwa Osteuropas, Russlands oder Lateinamerikas anzubieten, entschied man sich bei Renault vor zwei Jahren, den Logan auch nach Westeuropa zu liefern. Und so wird man den rumänischen Preisbrecher vom 17. Juni an auch in Deutschland kaufen können. Allerdings in einer Version, die, was Sicherheits- und Komfortausstattung angeht, westeuropäischen Standards angeglichen wurde: Mit dem 1,4-Liter-Motor kostet der Logan je nach Ausstattungsvariante 7220 bis 8200 Euro und mit 1,6-Liter-Motor in der Topversion Lauréate 8700 Euro.

Für ein Auto von 4,24 Meter Länge ist das angesichts des gerade in diesen Tagen auf den Markt strebenden Trios Toyota Aygo, Citroen C1 und Peugeot 107 oder des aus Brasilien importierten Volkswagen Fox ein sehr attraktives Angebot. Der Zweitürer Fox ist mit 3,83 Meter erheblich kleiner und kostet mit 1,4-l-Motor bereits mehr als 10 000 Euro. Aygo und Co. sind gerade einmal 3,41 Meter lange echte Kleinwagen mit minimalem Kofferraum, die selbst in der einfachsten Version erheblich teurer als der Logan sind.

Der wiederum sorgte bei ersten Probefahrten für einige erfreuliche Überraschungen. Wer unter der Zweitmarke von Renault ein Primitivauto erwartet, sieht sich schnell vom Gegenteil überzeugt. Basis für den Logan ist immerhin eine der modernsten Plattformen der erfolgreichen Allianz Renault-Nissan, auf der sowohl der neue Renault Modus als auch der Nissan Micra aufbauen.

Das spürt man, wenn man mit dem von Renault in seinem französischen Entwicklungszentrum auf die Räder gestellten Logan unterwegs ist. Obwohl er mit 15 Zentimeter Bodenfreiheit wohl eher für schlechte Straßenverhältnisse ausgestattet ist, lässt sich der Logan überraschend flott und sicher auch auf engen und kurvigen Mittelgebirgsstraßen bewegen. Er verblüfft geradezu durch seine beachtliche Fahrsicherheit und seinen hohen

Fahrkomfort.

Nicht weniger überraschend sind die beiden Triebwerke – der 1,4-Liter-Vierzylinder mit 55 kW (75 PS) und der 1,6-Liter mit 64 kW (87 PS). Beide sind bewährte Großserientriebwerke, die hohe Laufkultur mit flottem Antritt verbinden. Und wenn auch der 1,6-Liter mit 11,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 175 km/h flotter ist als der 1,4-Liter mit 13 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 162 km/h – den 1,4-Liter-Golf stecken beide in die Tasche.

Statt die 500 Euro Mehrpreis für den größeren Motor auszugeben, sollte man diese Summe lieber in eine Klimaanlage (800 Euro) oder die Servolenkung (450 Euro) bei der mittleren Ausstattungsstufe Ambiance des 1,4-Liters investieren. Allerdings ist selbst die Basisversion ohne Servolenkung keine allzu große Zumutung, wenn man nicht extrem flott unterwegs ist oder aber immer wieder ein- und ausparken muss. Aber selbst dann sind die geforderten Lenkkräfte noch gut beherrschbar.

Innen gibt sich der Logan schlicht. Es lohnt sich durchaus, mit Blick auf die Sitze, ein paar Türapplikationen, einen voll verkleideten Kofferraum, getöntes Glas oder auch elektrisch verstellbare Außenspiegel und eine Zentralverriegelung ein paar Euro für die Spitzenversion Lauréate zu investieren.

Bei der Sicherheitsausstattung erfüllt bereits die Basisversion mit Fahrerairbag und abschaltbarem Beifahrerairbag, fünf Dreipunkt-Sicherheitsgurten und fünf Kopfstützen sowie einem ABS die Basisanforderungen an ein modernes Auto. Nicht verfügbar ist die Fahrdynamikregelung ESP, aber damit steht der Logan im Feld seiner Konkurrenten alles andere als allein.

Natürlich wäre es schöner, wenn der Logan auch noch eine variable Rückbank hätte oder eine attraktivere Karosserie. Doch mit Blick auf eine möglichst unkomplizierte Blechbearbeitung auch bei Reparaturen sowie optimierte Kosten war das nicht realisierbar. Dennoch ist der kleine Rumäne mit dem hohen kantigen Heck als vollwertiges Familienauto in seiner Preisklasse und mit einer Dreijahresgarantie konkurrenzlos. Vieles spricht dafür, dass er nicht nur in den Ländern, für die er ursprünglich gedacht war, sondern auch in Westeuropa ein Erfolg wird – vor allem, wenn es als drittes Triebwerk auch noch einen direkt einspritzenden 1,5-l-Turbodiesel mit 48 kW (65 PS) geben wird. Um preiswert, unkompliziert, flott und auch mit der Familie bequem mobil zu sein, bietet er das Wichtigste, was ein modernes Auto braucht.

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