Schule : Detroit Stars

Auf der US-Motor-Show zeigt die Autobranche ab Sonntag, was sie in der kommenden Saison auf den Markt bringt. Auch für Deutschland wird es Premieren geben

Ingo von Dahlern

Detroit gilt als Amerikas Autostadt schlechthin. Die alljährlich in der ersten Januarhälfte stattfindende Detroit Motor Show hat in den letzten Jahren immer größere internationale Anerkennung gefunden. Denn zu den Stars dieser ersten großen Autoausstellung im Jahreszyklus zählen neben den vielen Neuheiten aus den USA längst auch viele deutsche, europäische und fernöstliche Modelle, die hier immer öfter ihre Weltpremiere feiern.

Die zweite Generation der M-Klasse von Mercedes-Benz zum Beispiel ist, wenn man es ganz genau nimmt, nur bedingt ein deutsches Auto. Zwar lag die Federführung bei der Entwicklung ganz klar bei Mercedes-Benz, produziert wird die M-Klasse aber im Süden Nordamerikas in Tuscaloosa in Alabama. So gesehen ist sie also ein Amerikaner. Und noch dazu einer in einer Fahrzeugkategorie, die in den USA besonders hohe Marktanteile hat. Denn sie gehört zu den so genannten SUV (Sports Utility Vehicle), jenen Fahrzeugen, die im Look eines schweren Geländewagens viel Limousinenkomfort bieten und gleichzeitig ausreichend Allradtechnik, um sich auch einmal abseits fest ausgebauter Straßen sicher bewegen zu können. Mercedes ist es gelungen, der zweiten Generation der M-Klasse dank veränderter Proportionen – länger, breiter und niedriger – einen sehr viel dynamischeren Auftritt zu geben.

Ein Highlight des modernen Motorenbaus unter den drei neuen Triebwerken für die M-Klasse ist der neue V6-Turbodiesel mit Common Rail, Piezo-Injektoren, einer Leistung von 165 kW (224 PS) und einem höchsten Drehmoment von 510 Nm bei schon 1600/min. Das verspricht für den 320 CDI in Verbindung mit dem Siebengang-Automatikgetriebe 7G-Tronic exzellente Fahrleistungen. Wer unbedingt ins schwere Gelände will, der kann die M-Klasse mit einem speziellen Offroad-Paket einschließlich Differenzialsperren entsprechend aufrüsten.

Zwei weitere Neuheiten von Mercedes-Benz verdienen Aufmerksamkeit. Denn auch wenn sie als Showcars präsentiert werden, sind sie der endgültigen Serie inzwischen recht nahe. Das gilt zum einen für den in immer neuen Varianten gezeigten Grand Sports Tourer „Vision R“, der als Kombination von Luxuslimousine und Van schon bald als neue R-Klasse an den Start gehen wird. Mit dem Compacts Sports Tourer „Vision B“ bekommt man zum anderen eine Vorstellung, wie die neue B-Klasse künftig auftreten wird.

Ein weiterer Schwerpunkt bei DaimlerChrysler sind natürlich die Neuheiten der amerikanischen Konzernmarken. So wird Dodge seinen neuen Charger vorstellen, Jeep kommt mit der Pickup-Studie Gladiator und knüpft mit diesem Namen an ein gleichnamiges Modell aus den 60ern an. Mit dem Firepower stellt Chrysler einen Supersportwagen vor, der von jenem 6,1-Liter-V8 mit satten 313 kW (425 PS) angetrieben wird, der im 300 C SRT-8 zum Einsatz kommt. Basis des Firepower ist die Plattform des Dodge Viper.

Nicht ganz so wegweisend wie geplant wird der Auftritt der zweiten deutschen Konzernmarke ausfallen. Denn die ursprünglich für Detroit vorgesehene Premiere des Smart Formore, mit dem Smart auf dem amerikanischen Markt starten sollte, wurde abgesagt. Jedoch ist die komplette aktuelle Smart-Palette dabei.

Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA ist BMW derzeit klar auf der Überholspur. Mit 296 111 verkauften Modellen konnten die Münchener im Jahr 2004 ihre Verkäufe in der Neuen Welt um sieben Prozent steigern. Auch das BMW-Angebot ist allerdings nicht rein europäisch. Der X5 kommt aus dem BMW-Werk in Spartanburg in South-Carolina.

Die in Detroit gezeigten Neuheiten von BMW allerdings sind Produkte aus Deutschland: der 5er etwa mit seinen neuen Sechszylindermotoren, die mit ihrem hohen Anteil an Magnesium ebenso technische Maßstäbe setzen wie die neue Generation der variablen Ventilsteuerung Valvetronic. Außerdem zeigt sich der 5er in beiden Karosserievarianten erstmals als Allradler. Höhepunkt der BMW-Premieren ist schließlich der M6, das große Coupé mit dem 5,0-Liter-V10-Motor mit 373 kW (507 PS), der bereits den neuesten M5 zum Supersportler macht und Rennmotorentechnik auf die Straße bringt.

Rabbit heißt der Golf in den USA. Mit 40 Prozent aller in den USA verkauften Volkswagen ist der Jetta, also die Stufenheckversion des Golf, die bei uns längst Bora heißt, dort das beliebteste VW-Modell. Die Produktion wird derzeit aus Brasilien nach Mexiko verlagert. Volkswagen nutzt die Gelegenheit, die neueste Generation des Jetta/Bora erstmals in Detroit zu zeigen.

Porsche wäre kein so erfolgreiches Unternehmen, wenn es nicht einen Anteil von mehr als 40 Prozent seiner Produktion in den USA verkaufen könnte. Und so wird die Premiere des neuen 911 Cabrio denn auch in Detroit gefeiert. Wie schon das Coupé, so gibt es auch das neue Cabriolet als Carrera mit dem 3,6-Liter-Boxer mit 239 kW (325 PS) sowie als Carrera S mit dem 3,8-Liter-Boxer mit 261 kW (355 PS). Trotz der für ein offenes Auto unerlässlichen Verstärkungen für die Karosserie wiegen die neuen Cabrios gerade einmal 85 Kilogramm mehr als die Coupés, deren Fahrleistungen sie denn auch problemlos erreichen. Premiere auf dem deutschen Markt hat der neue offene Carrera am 2. April.

Zu den wichtigen Premieren aus dem übrigen Europa zählt der neue Range Rover Sport, der im Frühsommer auf den deutschen Markt kommt. Er ist niedriger, ein wenig schmaler und auch etwas kürzer als der Range Rover und kann so besser mit vergleichbaren Modellen wie dem VW Touareg konkurrieren. Das Spitzenmodell des Range Rover Sport wird mit einem 4,2-Liter-V8-Kompressormotor ausgestattet. Er leistet 286 kW (390 PS) und wird mit der Sechsgangautomatik von ZF kombiniert.

Superamerica nennt Ferrari die erstmals gezeigte offene Variante des 575M Maranello, von dem eine Serie von 500 Exemplaren geplant ist. Ganz andere Größenordnungen bei der Produktion strebt Kia an. Das gilt insbesondere für die neue Generation des Rio, der sich zu einem verblüffend sportlichen Auto gemausert hat und in Detroit mit Stufenheck Premiere feiert. Die Steilheck-Variante wird ihren ersten Auftritt vor großem Publikum in zwei Monaten in Genf haben.

Premiere in Detroit feiert schließlich die nunmehr vierte Generation des Mitsubishi Eclipse. Zudem bringt die Marke mit dem Raider auch einen neuen Pickup. Der Mazda MX-Crossport als SUV mit betont sportlicher Optik gehört zu den immer aktueller werdenden Crossover-Modellen. Und auch Subaru ist bei diesem Trend mit dabei – mit dem siebensitzigen Subaru BX9. Die Motorshow in Detroit verspricht ein aufregendes Modelljahr 2005.

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