Schule : Ein Dicker aus Amerika

Der Chrysler C 300 ist ein US-Auto für europäische Straßen – jetzt kommt mit dem 300 CRD auch ein flotter Diesel ins Angebot

Ingo von Dahlern

Es gibt nur wenige Autos, in denen man so auffällt wie im Chrysler 300 C. Bereits nach der wuchtigen Limousine mit dem massiven Kühlergrill recken sich die Hälse der Fußgänger – und ist man mit dem Kombi unterwegs, kann man sicher sein, permanent beobachtet und angesprochen zu werden. Dieses „Dickschiff“ ist nun einmal anders als seine Konkurrenten in der großen Klasse. Es macht selbst solche Menschen neugierig, die sich selten für neue Autos interessieren.

Bei diesem Wagen bleibt zunächst auch die Herkunft geheimnisvoll. Mit dem geflügelten Chrysler-Logo, das seit längerem den bekannten Pentastar ersetzt, können nur die wenigsten Betrachter etwas anfangen. So kommt man an der Tankstelle schnell ins Gespräch. Und schnell ist man dann auch bei der Frage nach dem Verbrauch. Denn ein Auto, das stolze fünf Meter in der Länge misst, kann eigentlich nur ein Spritfresser vor dem Herrn sein.

Doch die Amerikaner verstehen es immer wieder, die Europäer zu überraschen. Selbst eine längere Reise mit der größten Version, dem 5,7-l-V8, der satte 254 kW (340 PS) auf die Straße bringt, bestätigte, dass moderne großvolumige Autos durchaus ökonomisch mit dem Sprit umgehen können. Der Kombi, der auch noch mit Allradantrieb ausgestattet war und gut zwei Tonnen wog, genehmigte sich „lediglich“ 13,8 l/100 km. Auf der Autobahn stand bei moderater Fahrt zwischen Tempo 130 und 150 auch einmal eine Zwölf oder Elf vor dem Komma. In der Stadt war es – zugegebenermaßen – schnell auch eine Fünfzehn.

Aber nicht nur beim Thema Spritverbrauch räumt der Chrysler mit manchem Klischee auf, auch sein Handling ist ungewöhnlich: Geradezu leichtfüßig lässt sich dieses gewaltige Auto bewegen. 6,4 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 sind wahre Sportwagenwerte. Die Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h erreicht er souverän, bevor sanft abgeregelt wird. Und auf der Landstraße zeigt er sich als wahrer Kurvenjäger. Im C 300 sollte man alles vergessen, was man aus amerikanischen Filmen von schnell schleudernden Straßenkreuzern kennt. Dieses Auto passt – nicht zuletzt dank vieler technischer Anleihen bei der deutschen Konzernmarke Mercedes-Benz – perfekt auf europäische Straßen. Wer, mit Blick auf die in den USA sehr viel günstigeren Preise, allerdings ein echtes US-Modell erwerben möchte, darf solche Erwartungen nicht haben. Bei diesen Modellen ist neben dem Preis auch vieles bei der Technik anders.

Grundsätzlich nur in der Europa-Version angeboten wird die soeben vorgestellte neueste Variante des 300 C, der 300 CRD, der am 18. November auf den Markt kommt. Unter seiner langen Haube schlägt ein echtes Mercedes-Herz: Der 3,0-l-V6 Turbodiesel mit Common Rail leistet 160 kW (218 PS) und stellt im Drehzahlbereich zwischen 1600 und 2800 ein bulliges Drehmoment von 510 Nm bereit.

Schon nach wenigen Kilometern mit dem Auto beantwortet sich die Frage, warum man nicht einen noch größeren Diesel einbaut, von selbst: Der Dreiliter V6 reicht voll und ganz. Mit 7,6 Sekunden als Limousine und 7,9 Sekunden als Touring sowie maximal 230 (227) km/h ist dieser Selbstzünder verblüffend flott. Er zeigt sowohl dem 2,7-l-Benziner mit 142 kW (193 PS) als auch dem 3,5-l-Benziner mit 183 kW (249 PS) souverän den Auspuff. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,1 l/100 km erreicht er zudem Werte, die schon der Mittelklasse zugerechnet werden dürfen.

So spricht einiges dafür, dass der 300 C, der in den USA weggeht „wie geschnitten Brot“, auch in Deutschland die rund 1000 verkauften Exemplare des letzten Jahres bald übertreffen wird. Der 300 CRD – Chrysler interpretiert das Kürzel frech als „Chrysler Runs on Diesel“ – ist genau die Version, die optimal auf den deutschen Markt passt. Überdies stimmt auch der Preis: Der große Amerikaner kostet als Limousine ab 36 600 Euro und als Kombi ab 39 000 Euro.

Nun erwartet man von einem Fünf-Meter-Riesen auch innen ordentliche Platzverhältnisse. Doch ein Blick in den Laderaum löst erst einmal Enttäuschung aus. Die von Chrysler genannten 630 Liter für den Touring scheinen ein Druckfehler zu sein. Ein zweiter Blick löst die Verwirrung auf. Wenn man den stabilen Laderaumboden hochklappt, wird darunter praktisch die zweite Hälfte des Gepäckabteils frei, die mit zahlreichen Kunststoffboxen ausgefüllt ist. Erst wenn man die herausnimmt, zeigt der Laderaum des Touring seine wahre Größe: Mit einer Kapazität von bis zu 1602 Litern entpuppt sich der Straßenkreuzer als großvolumiger Frachter. Dessen Ausstattung erfüllt dann wieder alle Erwartungen an einen US-Schlitten – sie gleicht eher einem komfortablen Kreuzfahrtschiff.

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