Schule : Flexibel wie kein Konkurrent

Opel Meriva setzt neue Maßstäbe in der Klasse der kompakten Minivans

Ingo von Dahlern

Mehr Platz im Innenraum, als die Außenabmessungen vermuten lassen – das ist ein wesentlicher Teil des Erfolgsgeheimnisses eines so eigenwilligen Autos wie des kleinen Smart, in dem man vorn wirklich sitzt wie in einem ausgewachsenen Mittelklasseauto. Mindestens so bequem sitzt man hinten im neuen Opel Meriva, jenem kompakten nur 4,04 Meter langen Minivan, mit dem Opel einen immerhin knapp 28 Zentimeter kürzeren kleinen Bruder des bis zu siebensitzigen Erfolgsmodells Zafira präsentiert. Schon der überzeugt mit seinem variablen Sitzkonzept und dabei vor allem der mit wenigen einfachen Handgriffen voll im Wagenboden versenkbaren dritten Sitzreihe. Die gibt es beim fünfsitzigen Meriva zwar nicht, aber dafür haben sich die Opel-Entwickler für dessen zweite Sitzreihe eine Technik ausgedacht, die im gesamten derzeitigen Angebot ohne Beispiel ist. Denn aus der bis zu drei Personen recht ordentlichen Platz – und das heißt konkret mehr Knie- und Kopffreiheit als beim größeren Zafira – bietenden durchgehenden hinteren Sitzbank lassen sich binnen wenigen Sekunden und ohne Werkzeug zwei besonders breite Einzelsitze mit in der Neigung verstellbaren Rückenlehnen zaubern, deren Beinfreiheit durchaus mit dem Beifahrersitz konkurrieren kann. So bequem, wie im Meriva als Viersitzer, sitzt man sonst nur im Fond von Autos der echten Mittelklasse.

Möglich wird dieses so verblüffende und zugleich überzeugende Angebot dank einer besonders raffinierte Konstruktion der drei hinteren Sitze, die man bei Opel FlexSpace-System nennt – eine Innovation, bei der man sich nach der ersten Überraschung schnell fragt, warum eine solche Lösung nicht schon früher entwickelt wurde. Denn sie ist im Prinzip ganz einfach. Allerdings versicherten uns die Entwickler, dass der Teufel auch hier wie bei mancher auf den ersten Blick einfachen Lösung im Detail steckte, so dass man an dieser Konstruktion im Endeffekt mehrere Jahre gearbeitet hat, ehe sie so zuverlässig funktionierte, wie sie sich jetzt präsentiert.

Doch der Aufwand hat gelohnt, denn so flexibel wie der Meriva im Fond ist keiner der immer zahlreicher werdenden Konkurrenten. Das Geheimnis seiner Flexibilität ist der Mittelsitz der im Verhältnis 40:20:49 geteilten hinteren Bank. Denn seine Lehne ist 15 Zentimeter schmaler als seine Sitzfläche. Klappt man diesen Mittelsitz zusammen, dann lässt der sich dabei zugleich so weit absenken, dass die Rückenlehne in einer Ebene mit den Sitzpolstern der beiden äußeren Sitze liegt – und das schafft eine beiderseits gut sieben Zentimeter breite Lücke zwischen Mittelsitz und äußeren Sitzen. Die lassen sich nun auf einer quer zur Fahrtrichtung montierten Schiene um jeweils sieben Zentimeter nach innen schieben. Und das wiederum schafft den Platz, die äußeren Sitze anschließend um jeweils sieben Zentimeter nach hinten zu schieben – an der Verkleidungen der Radkästen vorbei, die bei jedem Auto entscheidend für die Position der hinteren Sitze sind. Beim Meriva als Viersitzer hat man sie erstmals ausgepunktet.

Doch die Opel-Entwickler haben sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden gegeben, sondern alle Möglichkeiten für optimale Flexibilität ausgeschöpft. Denn die beiden äußeren Einzelsitze lassen sich auch unabhängig voneinander um bis zu 130 Millimeter nach vorn schieben, so dass deren Verstellweg immerhin 20 Zentimeter beträgt. Nutzt man diese Möglichkeit und stellt die Lehnen steil, dann hat man hinten einen Laderaum von 560 Liter zur Verfügung. Und klappt man alle drei Sitze flach nach vorn, dann ergibt sich eine ebene knapp 1,70 Meter lange Ladefläche mit einem Stauvolumen von 890 Liter beziehungsweise 1410 Liter bei dachhoher Beladung. Und auch, wer ein bis zu 2,40 Meter langes Surfbrett unterbringen möchte, hat keine Probleme, wenn er die Rücklehne des Beifahrersitzes nach vorn umlegt.

Und es wird noch besser. Denn als Wunschausstattung gibt es die multifunktionale Armlehne Travel Assistant, die sich auf der Rückseite der Lehne des mittleren hinteren Sitzes einklinken lässt. Dann hat man zwischen den beiden hinteren Einzelsitzen eine um 70 Millimeter verschiebbare gepolsterte Auflagefläche mit zwei ausfahrbaren Getränkehaltern und einer mehr als fünf Liter großen Staubox. Wird der mittlere Sitz benötigt, dann lässt sich die gesamte Box mitsamt Lehne einfach nach hinten klappen, wo sie dann zwar in den Kofferraum hineinragt, aber damit lässt sich umgehen. Im Kofferraum gibt es unterm Laderaumboden noch einmal ein 60 Liter fassendes Staufach. Und wenn man dann noch die Taschenhaken an den Rückseiten der hinteren Einzelsitze, die sechs Haken zum Befestigen eines Laderaumnetzes, zwei seitliche Fächer mit Netzen und die vielen weiteren kleinen Ablagen im Meriva hinzurechnet, dann ergibt sich ein extrem vielseitiges Nutzungskonzept für diesen kompakten Fünftürer, der sich sowohl als kompaktes Auto für die Stadt als auch als Freizeitauto mit Stauvolumen selbst für sehr sperriges Sportgerät als auch als bequemes und komfortables Reiseauto für eine Familie mit bis zu vier Personen empfiehlt. Denn trotz seiner kompakten Abmessungen ist der Meriva durchaus langstreckentauglich.

Dafür sorgen schließlich auch seine Motoren. An den Start geht er – übrigens gleichzeitig mit dem Opel Signum als dabei am 9. Mai mit drei Benzinern – dem bewährten 1,6-Liter-Zweiventiler mit 64 kW (87 PS) als Basismotorisierung, die bei 14,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 bis zu 170 km/h erlaubt und 7,8 l/100 km verbraucht und den zwei Vierventilern mit 1,6 und 1,8 Liter, die es auf 74 und 92 kW (100 und 125 PS) bringen und den Meriva binnen 13,3 und 11,3 Sekunden Tempo 100 erreichen lassen. Die Höchstgeschwindigkeiten liegen bei 175 und 192 km/h und die Durchschnittsverbräuche bei 7,5 und 8,2 l/100 km – zwei recht flotte Versionen des kompakten Minivans, die bei ersten Probekilometern nicht nur durch ihr Leistungsangebot gefielen, sondern vor allem auch durch ihr sehr sicheres Fahrverhalten. Denn das bewährte DSA-Fahrwerk, bei dem Opel vorn auf die Federbein-Konstruktion aus dem Corsa und hinten auf die kompakte Verbundlenkerachse von Astra und Zafira zurückgriff, sorgt dafür, dass man den Meriva auch bei zügiger Kurvenfahrt jederzeit sicher im Griff behält. Und auch am Federungskomfort des neuen Kompaktvans gab es nichts auszusetzen.

Geschaltet wird beim Meriva mit einem Fünfgang-Getriebe. Die beiden Vierventil-Benziner gibt es auf Wunsch allerdings auch mit dem automatisierten Schaltgetriebe, das Opel Easytronic nennt. Dabei reicht zum Schalten ein kurzes Antippen des Schalthebels – denn Aus- und Einkuppeln und das Einlegen der Gänge übernehmen bei der Easytronic Elektromotoren. Und wer will, kann der Easytronic im Automatikmodus auch die Gangwahl überlassen. Und bei den ersten Probekilometern bestätigte sich, das dieses automatisierte Schaltgetriebe inzwischen so ausgereift ist, dass die Schaltpausen im Automatikmodus nur noch sehr kurz sind. Und als automatisiertes Schaltgetriebe hat die Easytronic natürlich nicht die Wandlerverluste klassischer Automatikgetriebe – deshalb verbrauchen die Varianten mit diesem Getriebe nicht mehr Sprit als die Wagen mit Schaltgetriebe, ja sie sind sogar noch ein wenig sparsamer, da die Easytronic beim Schalten und auch dem Erkennen der optimalen Schaltpunkte besser als die meisten Fahrer ist.

Im Herbst treten neben die drei Benziner zwei direkt einspritzende Turbodiesel – der bewährte 1.7 DTI mit 55 kW (75 PS) und der völlig neu entwickelte 1.7 CDTI mit 74 kW (100 PS). Der ist ein hochmoderner Common-Rail-Motor der neusten Generation mit bis zu 1800 bar Einspritzdruck, der ohne Rußfilter die Abgasnorm EU4 erfüllt und bis Ende 2005 von der Kfz-Steuer befreit ist. Mit 13.5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 175 km/h macht er den Meriva recht flott und mit nur 5,5 l/100 km ist er ebenso sparsam wie der bewährte 1.7 DTI. Und bei ersten Probekilometern überzeugte er neben seiner Spritzigkeit vor allem auch durch sein auffallend niedriges Geräuschniveau.

In den drei Ausstattungsvarianten Essentia, Enjoy und Cosmo geht der Meriva an den Start, wobei bereits die Basisausstattung erfreulich komplett ist. Das gilt für die Sicherheitsausstattung, zu der vier Airbags und das ABS mit EBV und Bremsassistent gehören und bei der es als Serienausstattung oder Option auch eine Traktionskontrolle und die Fahrdynamikregelung ESP gibt ebenso, wie für die Komfortausstattung. eine vor allem für Fahrten für die Familie überzeugende Lösung ist das Twin Audio-System mit zwei eigenen Kopfhöreranschlüssen für den Fond, so dass Fahrer und Beifahrer und Fondpassagiere ihre eigenen Programme hören können.

Opel geht davon aus, dass in Europa schon 2005 in der Klasse des Meriva rund 800 000 Fahrzeuge verkauft werden. Und mit seinen Innovationen bei der Flexibilität, die den Meriva zum Trendsetter in dieser Klasse machen, der guten Verarbeitungsqualität, den überzeugenden Fahrleistungen und den attraktiven Preisen glaubt man in Rüsselsheim, gute Chancen auf einen erheblichen Anteil an diesem Marktvolumen zu haben – nach den Eindrücken bei den ersten Probefahrten scheinen solche Hoffnungen durchaus berechtigt zu sein.

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