Schule : Im Sternenhimmel

Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz ist da – mit zahlreichen Innovationen und viel Luxus

Ingo von Dahlern

Auf der internationalen Automobilausstellung in Frankfurt (IAA) war sie einer der großen Stars. Regelrecht Schlangestehen mussten die Besucher, um einmal auf den edlen Lederpolstern Platz nehmen zu können. Für viele wird es für einige Zeit auch das letzte Mal gewesen sein. Der Einstiegspreis für die neue S-Klasse von Mercedes-Benz liegt bei stolzen 70 760 Euro – und daraus können mit ein wenig Extraausstattung schnell auch Summen jenseits der 100 000 Euro werden.

Dennoch spielt die Luxuslimousine der Stuttgarter in der Automobilszene alles andere als eine Nebenrolle. Angesichts einer Produktionszahl von knapp einer halben Million beim Vorgängermodell ist sie als erfolgreichste Luxuslimousine weltweit eindeutig ein Hauptdarsteller. Und ebenso wie die wenigen Konkurrenten in der Oberklasse ist das Spitzenmodell von Mercedes-Benz mit vielen Innovationen auch diesmal wieder ein technisches Vorbild für die künftige Pkw-Entwicklung.

In dieser Preisklasse nämlich lassen sich viele technische Lösungen beispielhaft verwirklichen, die bei den bis zum letzten Cent kalkulierten Massenautos überhaupt nicht denkbar sind. Vieles von dem, was sich hier bewährt, bekommt so die Chance, später in allen Klassen zum Einsatz zu kommen: die erstmals in der von 1991 bis 1998 gebauten S-Klasse verwirklichte Fahrdynamikregelung ESP und der Bremsassistent, die heute selbst in Kleinwagen angeboten werden, beispielsweise.

Eine solche Vorreiter-Rolle könnte in der neuen S-Klasse die „Distronic Plus“ übernehmen. Der bereits bekannte Abstandsregeltempomat arbeitet in seiner neuesten Version im Geschwindigkeitsbereich von Null bis Tempo 200 und macht es möglich, zum vorausfahrenden Fahrzeug automatisch immer den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Selbst wenn der Vordermann langsamer wird oder anhält, kann man sich damit den Tritt auf die Bremse sparen. Die „Distronic Plus“, die es schon bald auch in anderen Klassen als Stau-Assistent geben wird, übernimmt das Verzögern und Beschleunigen. Mercedes geht aber noch einen Schritt weiter. Das radarbasierte System wird zusätzlich mit dem bereits bewährten „Pre-Safe“-Sicherheitssystem verknüpft. Damit bereitet es in unfallträchtigen Situationen den Bremsassistenten auf optimale Bremskraftunterstützung vor.

Und das ist längst nicht alles. Mit zahlreichen weiteren Innovationen betont die neue S-Klasse ihre Spitzenstellung: Es gibt einen Nachtsicht-Assistenten auf Infrarotbasis, ein bei Gefahrenbremsungen blinkendes adaptives Bremslicht und und und ...

Neben einem Maximum an Sicherheit setzt Mercedes-Benz bei der neuen S-Klasse auf nicht minder großen Komfort. Ein Herzstück dabei ist das sorgfältig weiterentwickelte Fahrwerk. Serienausstattung ist die noch komfortabler gewordene Luftfederung „Airmatic“, die zusammen mit dem adaptiven Dämpfungssystem den 5,08 Meter – in der Langversion 5,21 Meter – messenden Zweitonner geradezu über die Straße schweben lässt. Wer noch höhere Komfortansprüche hat, kann sich für das aktive Fahrwerk „Active Body Control“ entscheiden, das beim Spitzenmodell S 600 sogar Serienausstattung sein wird. Mit diesem Fahrwerk wird das Auto praktisch ohne Seitenneigung Kurven umrunden.

Doch hoher Fahrkomfort ist nur die eine Seite dieses Fahrwerks. Auf kurvigen Bergstraßen überrascht die S-Klasse mit einer verblüffenden Dynamik. Die mächtige Limousine lässt sich mit unerwarteter Leichtigkeit bewegen. Zum Fahrspaß trägt auch der neu entwickelte 5,5-l-V8-Motor mit 285 kW (388 PS) und einem höchsten Drehmoment von 530 Nm bei. Er lässt den S 500 wie einen Hochleistungssportler in nur 5,4 Sekunden auf Tempo 100 spurten. Aber auch der mit 200 kW (272 PS) spürbar erstarkte V6 im S 350 ist mit 7,3 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 nicht gerade langsam. Beide Motoren haben gegenüber den Vorgängern an Leistung zugelegt und den Verbrauch um bis zu neun Prozent verringert.

Aus einer anderen Perspektive ist der S 320 CDI, der ab Anfang 2006 angeboten wird, ein besonderes Auto. Der Diesel leistet 173 kW (235 PS) und 540 Nm ab 1600/min. und verbraucht durchschnittlich gerade einmal gut acht Liter auf 100 Kilometer. Damit setzt er neue Maßstäbe für die Sparsamkeit in der exklusiven Klasse.

Die Innovationen bei der Technik korrespondieren beim neuen Stern am Mercedes-Himmel auch mit einem neuen Design. Die Formen der Limousine lassen auf den ersten Blick erkennen, in welcher Liga sie mitspielt: Die betont kraftvolle Front hat jetzt eine stark gewölbte Motorhaube, einen breiten Lufteinlass und großflächige Scheinwerfer. Die Kotflügel sind unübersehbar ausgestellt und das Heck hat jetzt einen nach Maybach-Manier aufgesetzten Kofferraumdeckel. Das macht unmissverständlich klar: Hier kommt ein ausgesprochen repräsentatives Auto.

Das bleibt auch den Insassen nicht verborgen. Das Interieur kann durchweg als elegant bezeichnet werden: Leder, Holz, Chrom – das macht was her. Das „Comand“-Bediensystem wurde ebenfalls weiterentwickelt und wird jetzt in der Mittelarmlehne über eine große Controller-Taste gesteuert (s. auch Artikel S. M2). Die rundum einige Zentimeter gewachsene S-Klasse wird der Konkurrenz wohl auch in der neuen Generation einen harten Wettbewerb liefern, und bringt vielleicht sogar Autofahrern anderer Marken die eine oder andere technische Neuerung – in Zukunft zumindest.

Offizielle Publikumspremiere hat die S-Klasse am heutigen Samstag in allen Centern der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin. Im Center am Salzufer sind überdies die fünf Vorgänger-Modelle der Luxuslimousine zu sehen.

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