Schule : Offenes Rennen

Sparsame Selbstzünder werden viel öfter gekauft, aber die Modelle mit Benzin- und Elektromotor holen auf: Diesel versus Hybrid

Ingo von Dahlern

Wer in Deutschland ein Hybridauto kaufen möchte, landet automatisch bei Toyota/Lexus oder Honda. Denn diese beiden japanischen Hersteller sind derzeit die einzigen, die bei uns Fahrzeuge mit einer Kombination von Verbrennungsmotor und Elektromotor anbieten – den Toyota Prius, den Lexus RX400h und den Honda Civic IMA bzw. Hybrid (siehe Text unten auf dieser Seite). Alle drei sind dank eines raffinierten Energiemanagements besonders sparsam und umweltfreundlich. Bei ihnen wird die Bewegungsenergie des Autos beim Bremsen nicht als Wärme vernichtet, sondern durch Generatoren in elektrischen Strom ungewandelt und in Batterien gespeichert. Dieser Strom wird dann beim Anfahren und Beschleunigen eingesetzt. Das hilft, Sprit zu sparen und erlaubt je nach Fahrzeugtechnik, kürzere Stecken allein mit dem abgasfreien Elektromotor zurückzulegen.

Hybridautos können ihre besonderen Stärken vor allem im dichten Stadtverkehr sowie im Kolonnenverkehr mit viel Stop-and-go ausspielen, während ihre Technik beim gemächlichen Cruisen auf freien Autobahnen so gut wie nichts bringt. Unter diesem Aspekt ist es ein wenig überraschend, dass sie in den USA seit Jahren einen Boom erleben, während sie in Europa nur eine Nebenrolle spielen. Das allerdings liegt vor allem auch daran, dass die europäischen Hersteller sehr gezielt auf besonders sparsame Diesel setzten, was einen beispiellosen Innovationsschub bei der Dieseltechnik brachte und dem Diesel bei uns kontinuierlich wachsende Zulassungszahlen bescherte.

Und da es, zum Beispiel durch das erst vor wenigen Monaten vorgestellte Bluetec-Verfahren von DaimlerChrysler, nun auch gelungen ist, die beim Diesel problematischen Partikel- und Stickoxidemissionen so in den Griff zu bekommen, dass solche Diesel selbst die strengsten kalifornischen Abgasvorschriften erfüllen, darf man gespannt sein, wie das Rennen zwischen Hybrid und Diesel ausgehen wird. Dabei spielt neben der Technik auch die Kostenseite eine entscheidende Rolle. Denn die aufwändigen Abgasreinigungssanlagen für Diesel machen diesen Motor nicht nur komplizierter, sondern auch spürbar teurer. Trotzdem ist es denkbar, dass besonders saubere Diesel künftig auch außerhalb Europas erfolgreich sein werden. So liegt die absolute Zahl von Diesel-Personenwagen in den USA bereits heute deutlich über den Zahlen der dort zugelassenen Hybridfahrzeuge und es spricht vieles dafür, dass der Diesel seine Position dort weiter ausbauen wird.

Angesichts des offenen Rennens bereiten sich die großen Hersteller aus Europa und Fernost auf alle Möglichkeiten vor. So arbeiten einerseits inzwischen alle großen europäischen Hersteller bis hin zu Unternehmen wie Porsche an Hybridautos, während von fernöstlichen Herstellern immer mehr hochmoderne Diesel angeboten werden. Toyota etwa besetzt sowohl mit seinem „Clean Power“-Diesel 2.2 D-CAT als auch mit seinen Hybridmodellen technologisch die Spitze.

Ein interessanter Ansatz kommt zudem von PSA Peugeot/Citroën. Denn Ende Januar stellten die französischen Diesel-Spezialisten in zwei Prototypen auf Basis des Peugeot 307 CC und des Citroën C4 ein Hybridkonzept mit Dieselmotor vor (siehe Beitrag „Franzsische Küche“) – eine Kombination, die DaimlerChrysler bereits 2003 beim Forschungsfahrzeug F 500 Mind in Tokio vorstellte, einem Hybridkonzept mit leistungsstarken V8-Diesel. Doch serienreife Diesel-Hybridautos sind derzeit noch nirgendwo verfügbar.

Ungeachtet der enormen Erfolge in den USA und Japan spielen Hybridautos in Europa derzeit immer noch eine Nebenrolle. Denn unter den insgesamt 134 711 neu zugelassenen Toyota und Lexus in Deutschland waren im vergangenen Jahr gerade einmal 2900 Prius – was allerdings eine knappe Verdoppelung der Hybrid-Verkäufe bedeutet. Doch bei den besonders sparsamen Fahrzeugen hat auch bei Toyota der Diesel auf dem deutschen Markt klar die Nase vorn. Vom erst im vergangenen Jahr eingeführten Hybriden Lexus RX400h konnten in Deutschland 2005 weniger Exemplare als erhofftverkauft werden. Und der Hybrid Honda Civic IMA spielte mit insgesamt 360 Verkäufen in den Jahren 2004 und 2005 nur eine kleine Nebenrolle. Denn auch bei Honda setzen immer mehr Käufer auf die sportlichen modernen Diesel, die in immer mehr Modellreihen verfügbar sind.

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