Schule : Phantom wieder das „beste Auto der Welt“

Der neueste Rolls-Royce vereint gewachsene Tradition und modernste Automobiltechnik

Ingo von Dahlern

Rolls-Royce – im Automobilbau steht dieser Name für das „beste Auto der Welt“ – auch wenn es im Lauf der Geschichte bessere Autos gegeben haben mag. Doch Ende der Zwanziger und Anfang der Dreißiger wurden die Silver Ghost und Phantom genannten Autos aus dem mittelenglischen Derby ihrem Ruf uneingeschränkt gerecht. Und so ist der Name Phantom für den unmittelbar nach dem Jahreswechsel am 3. Januar vorgestellten neuesten Rolls-Royce Bekenntnis und Programm zugleich. „Strebe in allen deinen Taten nach Perfektion. Wähle nur das Beste, und verbessere es noch. Wenn es nicht existiert, so schaffe es selbst“, lautet einer der auch heute noch uneingeschränkt gültigen Kernsätze der Philosophie, unter der der Ingenieur Frederick Henry Royce nach herben Enttäuschungen mit den damals verfügbaren Autos 1903 antrat, ein in jeder Beziehung besseres Auto zu bauen.

Mit so überzeugendem Erfolg, dass er gemeinsam mit dem Aristokraten, Automobilhändler und begeistertem Ballonfahrer Charles Stewart Rolls am 23. Dezember 1904 vor fast genau 99 Jahren den Grundstein für das Unternehmen Rolls-Royce legte – ein Unternehmen, das seinen Ruf so konsequent ausbaute, dass es schon ein Jahrzehnt später zur Spitze der Branche gehörte und mit dessen Fahrzeugen sich Potentaten in aller Welt, Industrielle und erfolgreiche Künstler schmückten. Natürlich gehörte der Hof zu den ersten Käufern. Der Herzog von Windsor war einer der ersten britischen Rolls-Royce-Besitzer. Bereits 1913 hatte auch Zar Nikolaus II. zwei Silver Ghost erworben und selbst Lenin, der den Zar beseitigte, blieb dessen Automarke treu, besaß insgesamt nicht weniger als neun Rolls-Royce.

Doch auch der bis in unsere Tage bewahrte gute Ruf von Rolls-Royce als dem besten Hersteller exklusiver Luxusautos konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die so konsequent gepflegte Tradition dieser großen Marke den immer schnelleren technischen Wandel bei modernen Autos an Rolls-Royce in vielen Bereichen vorbeigehen ließ – bei allem Respekt vor der hohen Qualität und Solidität der so teuren Edelkarossen dazu führte, dass Rolls-Royce-Händler bei der Frage nach Ausstattungen und Techniken, die bei vielen anderen Spitzenmodellen längst verfügbar waren, bedauernd mit den Schultern zucken mussten.

Sie müssen das von nun an nicht mehr. Denn mit dem neuen Phantom setzt sich Rolls-Royce wieder an die Spitze des Automobilbaus, präsentiert unter traditionellem Namen ein Auto, das in jeder Beziehung den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird, ein hochmodernes Auto, dessen Linie und Proportionen mit dem langen Radstand, der langen Motorhaube,den kurzen Überhängen sowie den extrem großen Rädern und dem traditionellen Kühlergesicht allerdings klar signalisieren, wo seine Wurzeln liegen. Denn schon der erste kurze Blick lässt nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen, dass man es hier mit einem Rolls zu tun hat.

Einen Rolls, hinter dem ein neuer Eigner steckt. Denn im Juli 1998 erwarb BMW die Markenrechte an Rolls-Royce für den Automobilbau – die Flugtriebwerkbauer unter gleichem Markenzeichen sind längst ein eigenes Unternehmen. Bis Jahresende 2002 blieb das Unternehmen selbst im VW-Konzern, der inzwischen die Marke Bentley aus dem Verbund herauslöste und zu einer eigenen Tochter machte. Zwar arbeitetete man bei BMW schon bald nach dem Erwerb der Markenrechte konsequent am „Project Rolls-Royce“ – doch bis zur Gründung der neuen Rolls Royce Motor Cars Ltd musste man den Jahreswechsel abwarten.

Eine Zeit, die von BMW konsequent genutzt wurde, nicht nur ein neues Auto zu schaffen. Denn die nach dem Krieg bezogenen Rolls-Royce-Fertigungsstätten in Crewe übernahm Bentley. So galt es, für das neue Auto auch ein völlig neues Werk zu schaffen, mehr noch, einen neuen Firmensitz, der – daran bestand von Beginn an kein Zweifel – nur in England liegen konnte, auch wenn eine Fertigung in einem der deutschen BMW-Werke sicher kostengünstiger hätte realisiert werden können. Doch ein Rolls-Royce muss nun einmal im Heimatland dieser Marke und deshalb in Großbritannien gebaut werden.

Und mit Goodwood in West Sussex an der Südküste der britischen Insel vor den Toren der historischen Stadt Chichester fand man einen überzeugenden Platz für den neuen Unternehmenssitz. Einen Platz, der nicht nur groß genug für die neuen Fertigungs- und Verwaltungsgebäude war, sondern inmitten einer ausgedehnten Parklandschaft liegt, über gute Verkehrsanbindungen einschließlich kleinem Flughafen verfügt, mit der historischen Goodwood-Rennstrecke eine geeignete Teststrecke bietet und mit der nahe gelegenen Pferderennbahn, dem Zentrum der Segelwelt Großbritanniens im Meeresarm Solent und der Stadt Chichester eine Fülle auch international bekannter Kulturangebote und Sportveranstaltungen sowie Hotels von Rang und Namen bietet. Und da es in dieser Gegend zugleich ein großes Potenzial erfahrener Facharbeiter speziell für die Holz- und Lederverarbeitung gab, war Goodwood geradezu ideal für den neuen Sitz von Rolls-Royce.

Und während man in London in einem Designstudio mitten im Zentrum unter größter Geheimhaltung begann, das Design des neuen Phantom zu entwickeln, entstand in Goodwood eine hochmoderne Automanufaktur mit 350 Arbeitsplätzen, die mit ihrer optimal in die Landschaft integrierten Architektur mit zahlreichen bepflanzten Dächern, ihrer auf effiziente Energienutzung ausgerichteten Gebäudetechnik und ihren hochmodernen Arbeitsplätzen nicht weniger wegweisend ist als das Produkt, das hier entsteht. Ein Auto, dessen Technik selbstverständlich ganz entscheidend von BMW geprägt ist und dessen Karosserie auch bei BMW gebaut wird – in einer speziellen Abteilung des Werkes Dingolfing, die das Kompetenzzentrum der Bayern für die Fertigung in Aluminium ist.

Denn der 5,83 Meter lange, 1,63 Meter hohe und 1,99 Meter breite neue Phantom mit seinem Radstand von 3,57 Meter hat einen aufwändigen Aluminium Space-Frame mit doppeltem Boden, der mit Aluminium und leichten Verbundmaterialien verkleidet ist. Lediglich der Kofferraumdeckel der nur 550 kg wiegenden Rohkarosserie, die extrem steif ausgefallen ist, ist aus Stahl gefertigt. So bringt der neue Phantom leer gerade einmal 2,5 Tonnen auf die Waage – 2,5 Tonnen, die von dem ebenfalls von BMW entwickelten modernen 6,75-l-Zwölfzylinder-Saugmotor mit Direkteinspritzung und Valvetronic mit einer Leistung von 338 kW (460 PS) und einem höchsten Drehmoment von 720 Nm bei 3500/min, von denen 75 Prozent bereits ab 1000/min verfügbar sind, mit einer verblüffenden Leichtigkeit bewegt werden. In nur 5,9 Sekunden erreicht der Phantom mit seinem Sechsgang-AutomatikgetriebeTempo 100 – da hat selbst mancher Sportwagen Probleme mitzuhalten. Die Höchstgeschwindigkeit des unaufdringlich leise und „mühelos schwebenden“ Phantom, Rolls-Royce hat dafür den Begriff „waftability" geschaffen, ist auf 240 km/h begrenzt. Eine Doppelquerlenker-Vorderachse, eine Mehrlenker Hinterachse, Luftfederung für alle vier Räder, kontinuierlich gesteuerte elektronische Stoßdämpfer, ABS, Bremsassistent und Fahrdynamikregelung – der Phantom ist mit allen modernen Fahrwerksystemen ausgestattet, bietet alle Systeme der aktiven und passiven Sicherheit sowie modernste Audio-, Informations- und Kommunikationstechnik und ist darüber hinaus mit edelstem Leder und sorgfältig verarbeiteten Hölzern ein klassischer Rolls-Royce, der Tradition und Moderne überzeugend vereint.

Und mehr noch. Der neue Rolls-Royce setzt wieder Zeichen, hat als erstes Serienauto der Welt Pax-Sicherheitsreifen von Michelin, ist das einzige moderne Auto der Welt, dessen hintere Türen hinten angeschlagen sind, so dass man konkurrenzlos bequem in dieses Auto einsteigen kann, hat synchronisierte Radnaben, bei denen das RR-Emblem stets senkrecht steht, hat in jeder Fondtür einen mit Teflon beschichteten integrierten Regenschirm, beheizbare Seitenscheiben vorn und ist trotz aller Technik extrem leicht zu bedienen. 351 200 Euro kostet dieses edle Auto, doch „die Qualität bleibt bestehen, wenn der Preis schon längst vergessen ist“, wusste bereits Sir Henry – ein Auto, mit dem Rolls-Royce ruhig der Zukunft entgegen fahren, mit Konkurrenten wie Maybach problemlos mithalten und sich schon jetzt auf den 100. Geburtstag der Marke vorbereiten kann, die mit diesem Auto wieder ganz an der Spitze steht.

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