Schule : Roadster mit Rennstall-Genen

Zweite Generation des Porsche Boxster auch als kompromissloser Sportler

Ingo von Dahlern

„Ohne den Boxster wären wir nicht da, wo wir heute sind“, ist Porsche-Chef Wendelin Wiedeking überzeugt. Denn dieser 1996 erstmals präsentierte Roadster habe entscheidend dazu beigetragen, dass Porsche Mitte der Neunziger den wirtschaftlichen Wiederaufstieg schaffte. Ein Auto, das eine ideale Ergänzung zum Klassiker 911 darstellte, das von Beginn an als echter Porsche akzeptiert wurde und das inzwischen auf dem Weg sei, selbst zu einem Klassiker zu werden. Ein Auto, mit dem man in Zuffenhausen voll ins Schwarze getroffen habe. 15 000 pro Jahr hatte man damals geplant. Doch er brachte es zeitweise fast auf den doppelten Wert. Und die Verkaufszahlen stiegen über die ersten fünf Jahre kontinuierlich an. Mehr als 160 000 Boxster wurden bis heute verkauft. „Glauben sie mir“, so Wiedeking, „an einen solchen Erfolg haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht gedacht.“

Diesen Erfolg gilt es fortzusetzen. Eine Herausforderung für die zweite Generation der zweiten Baureihe von Porsche, neben die, erneut ein Erfolgsmodell, mit dem Cayenne längst die dritte getreten ist. Die ist für Porsche eine echte Revolution. Die zweite Generation des Boxster dagegen geht wie für die Marke typisch den Weg der Evolution. Das bedeutet ein klare Absage an radikale Designbrüche. Damit geht Porsche auch beim Boxster jenen Weg der Weiterentwicklung, der schon seit vier Jahrzehnten die Geschichte des 911 prägt.

Obwohl die zweite Generation des Boxster zu 80 Prozent aus neuen Teilen besteht, erkennt man auf den ersten Blick das typische Boxster-Gesicht. Das allerdings hat nun eine vom Hauptscheinwerfer getrennte und mit dem Nebelscheinwerfer zusammengefasste Bugleuchte, die tief unten und weit außen platziert für ein völlig neues Nacht-Design sorgt.

Noch dynamischer – das war der spontane Eindruck beim ersten Blick auf dieses Auto. Das gilt vor allem auch für die Silhouette mit den markanter herausgearbeiteten Schwellern und für die kräftigeren Kotflügel und die kantiger gewordenen Radausschnitte. So steht die neue Generation mit ihren breiteren und größeren Rädern betont kraftvoll und athletisch auf der Straße, was auch durch die markanter gezeichnete und die Breite noch mehr betonende Heckpartie unterstrichen wird.

Es gehört zu den typischen Kennzeichen des Boxster, dass der Auspuff in der Mitte des Hecks liegt. Beim neuen Boxster sieht man diese Lösung allerdings in zwei Varianten – als ovales Einzelendrohr und als rundes Doppelendrohr. Denn Porsche hat die bewährten Motoren nicht nur weiterentwickelt, sondern sich entschieden, von Beginn an zwei Triebwerke anzubieten. Basistriebwerk ist dabei der 2,7-Liter mit nun 176 kW (240 PS). Der besonders leistungsstarke Boxster S wird von einen 3,2-Liter mit nun 206 kW (280 PS) angetrieben. In Fahrleistungen ausgedrückt sind das für den Boxster 6,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 256 und 268 km/h.

Um diese Spitzenwerte sowie mehr Durchzugskraft im mittleren und unteren Drehzahlbereich zu erreichen, wurde die gesamte Luftführung vom Luftfilter bis zum Auspuffendrohr optimiert, kommt ein neues zweiflutiges Verteilrohr mit anschließender Verteilklappe zum Einsatz, wurde die Abgasanlage neu konstruiert, entwickelten die Akustiker einen noch tieferen kraftvolleren Sound.

Das Ergebnis dieser Bemühungen erlebt man bereits auf den ersten Kilometern hintern Steuer der neuen Boxster-Generation, die noch dynamischer geworden ist. Beim Schalten setzt der Boxster S auf ein neu entwickeltes Sechsgang-Schaltgetriebe mit sehr kurzen Schaltwegen und für beide Triebwerke ist die weiterentwickelte Fünfgang-Tiptronic verfügbar, die sich nun noch besser an eine betont sportliche Fahrweise anpasst. Trotz gesteigerter Leistung sind beide Triebwerke mit 9,6 und 10,4 l/100 km nur wenig durstig. Zudem sind sie emissionsarm und erfüllen die Abgasnorm EU4.

Nicht nur die erstarkten Triebwerke lassen erkennen, dass der Boxster nach den Worten Wendelin Wiedekings „der einzige Roadster mit Erbgut aus Rennställen ist“. Denn ebenso deutlich zeigen das die Qualitäten des noch dynamischer gewordenen Fahrwerks. Denn die breitere Spur und die größeren Räder, die dank fast kompletter Unterbodenverkleidung verringerten Auftriebswerte und das verminderte Gewicht vieler neuer Bauteile sowie neu abgestimmte Federn, Dämpfer uns Stabilisatoren und die erstmals eingesetzte Zahnstangenlenkung mit variabler Lenkübersetzung machen den Boxster noch sportlicher. Das geschieht aber nicht auf Kosten des Komforts.

Wer eine betont sportliche Gangart liebt, kann sich nun auch beim Boxster für das bislang nur bei 911 angebotene aktive Fahrwerk „Porsche Active Suspension Management“ (PASM) entscheiden. Wer auf die sportliche Abstimmung umschaltet, muss Nehmerqualitäten mitbringen, denn dann werden die bei der Komforteinstellung weggebügelten Straßenunebenheiten mehr als deutlich fühlbar.

Die erstarkten Triebwerke verlangten nach einer verstärkten Bremsanlage. Das derzeitige Optimum bietet dabei die nun erstmals für den Boxster S auf Wunsch verfügbare „Porsche Ceramic Composite Brake“ (PCCB) mit kohlefaserverstärkten Keramikbremsscheiben. Die spricht noch schneller an, bietet auch unter höchster Belastung hohe Sicherheitsreserven, hat viel geringere ungefederte Massen als Grauguss-Scheiben und ist langlebig und absolut korrosionsfest.

Zum Sicherheitspaket gehört die weiterentwickelte Fahrdynamikregelung „Porsche Stability Management“ (PAM) mit den integrierten Systemen ABS (Antiblockiersystem), ASR (Antriebsschlupfregelung), MSR (Motorschleppmomentregelung) und ABD (Automatisches Bremsendifferenzial). Mit Blick auf ein noch agileres Kurvenverhalten bis zu Tempo 70 greift PAM, das auch abgeschaltet werden kann, nun später ein .

Im Bereich der passiven Sicherheit überrascht Porsche bei sechs verfügbaren Airbags durch das neu entwickelte POSIP-System (Porsche Side Impact Protection System). Das ist eine Kombination aus einem Thorax-Airbag an der Außenseite der Sitzlehne und einem neuartigen Kopfairbag in der Fensterbrüstung am unteren Rand der Seitenscheibe. Ein System, das in dieser Form in einem Roadster erstmals zum Einsatz kommt.

Zum Schuss noch ein Blick in den Innenraum des neuen Boxster. Hier hat wirklich ein Generationenwechsel stattgefunden, denn das Interieur ist völlig neu gestaltet und gefällt sowohl durch sein elegantes Design als auch die besonders hochwertigen Oberflächen, zu denen auch besonders griffsympathisch so genanntes Slush-Folien gehören.

Und eine besonders gute Nachricht zum Abschluss. Denn mit Euro-Grundpreisen ohne Mehrwertsteuer von 37 000 Euro für den Boxster und 44 100 Euro für den Boxster S liegen die Preise der neuen Generation des Boxster ausstattungsbereinigt sogar um neun und sechs Prozent unter denen des Vorgängers.

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