Schule : Rundum erwachsener geworden

Der neue Mercedes SLK ist optisch und technisch nun ein echter Sportler

Ingo von Dahlern

Er war der erste einer ganz neuen Art von Cabrios – der Mercedes SLK. Denn sein so genanntes Variodach aus stabilem Stahl machte es möglich, binnen Sekunden aus einem wetterfesten und diebstahlsicheren Coupé mit festem Dach einen offenen Roadster zu machen und umgekehrt. Keine ganz neue Idee, denn bei Limousinen machte das Peugeot bereits in den Dreißigern. Aber Mercedes machte dieses Konzept reif für die größere Serie. Mit einem verblüffenden Effekt. Denn das Cabrio-Coupé setzte sich auch bei anderen Marken durch, allen voran Peugeot. Auch Opel gehört inzwischen zu denen, die beim neuen Tigra auf diese Technik setzen und Renault verwendet statt Stahl erstmals sogar Glas. Noch zahlreiche weitere Cabrio-Coupés werden schon bald die Bühne betreten, auf der Vorreiter Mercedes-Benz jetzt die zweite Auflage seines 1996 eingeführten Erfolgsmodells SLK, das es auf immerhin 30 8000 Einheiten brachte, präsentierte – den neuen SLK, der bereits am 27. März in die Schauräume des Handels rollen wird.

Natürlich bleibt er dem Variodach treu, das allerdings nicht nur Vorteile bietet. Denn um das geöffnete Dach unterzubringen, braucht man ausreichend Platz – sehr viel mehr, als bei einem klassischen Stoffdach. Und das begrenzt den Stauraum, der bei offenen Cabrio-Coupés für das Gepäck übrig bleibt. Gerade einmal 145 Liter waren das beim ersten SLK und vielen schlicht zu wenig für eine größer Tour. Künftig können sie 208 Liter verstauen – rund 47 Prozent mehr. Möglich macht das eine ganz neue Dachkonstruktion, zu der eine drehbare Heckscheibe gehört, die sich zusammen mit den übrigen Dachelementen sehr viel enger packen lässt. Ein großer Schritt nach vorn beim neuen SLK, dessen Kofferraum bei geschlossenem Dach allerdings statt bislang 348 Liter nur noch 300 Liter fasst. Die raffinierte Hydraulik und der um 30 Millimeter verlängerte Radstand, der mehr Platz im Innenraum bringt, haben eben ihren Preis, wobei der Kofferraum für zwei auch so immer noch reicht.

Schönheit und Leistung

Das raffiniertere Variodach ist nur eine der zahlreichen Neuerungen beim SLK, mit dem Mercedes vor allem ganz neue Akzente beim Design setzt. Denn der neue SLK sollte einen kraftvolleren, dynamischeren und erwachseneren Auftritt als der erste SLK bekommen, bereits optisch bewusst mehr Sportwagen sein. Und das ist er wirklich geworden – von der betont langen Haube mit der an die Formel 1 erinnernden Front und der kräftigen Bugschürze über die keilförmige Silhouette mit den extrem kurzen Überhängen und den großen Rädern bis hin zum attraktiv gegliederten Heck mit Rückleuchten, die nicht weniger markant sind als die großen Scheinwerfer. Ein Auto, dem man ansieht, dass es neben Schönheit ganz betont auf Leistung setzt.

Und die gibt es bereits zum Start so reichlich wie nie zuvor. Denn als Spitzentriebwerk tritt im SLK 55 AMG erstmals in dieser Klasse ein leistungsstarker Achtzylinder an. Mit 265 kW (360 PS) aus 5,4 Liter Hubraum und 510 Nm bei 4000/min ein Triebwerk, mit dem man sich künftig mit rassigen Sportlern aus dem benachbarten Zuffenhausen messen kann. Doch diese vom vierten Quartal an lieferbaren Top-Modelle, die binnen 4,9 Sekunden Tempo 100 erreichen, werden die Ausnahmen bleiben – nicht zuletzt schon mit Blick auf den Preis von 63 974 Euro. Denn für nicht viel mehr als halb so viel – exakt für 33 524 Euro – bekommt man bereits das Basismodell SLK 200 Kompressor. Ein Auto mit 120 kW (163 PS), mit dem man alles andere als schlecht bedient ist und das mit beachtlichen Fahrleistungen überrascht. Denn 7,9 Sekunden für den Spurt auf Tempo und maximal 230 km/h sind doch ein Wort. Und auf ersten Probekilometern zeigte sich, dass schon der kleinste SLK verblüffend agil und elastisch ist, schnell antritt, wenn man Kraft zum Überholen braucht und einer sportlichen Gangart auf kurvigen Bergstraßen gleichermaßen zugetan.

Schließlich gehört der Vierzylinder zur neuen Twinpulse-Generation, bei der die Kombination von Kompressoraufladung, Ladeluftkühlung, Vierventiltechnik, variabler Nockenwellenverstellung und Ausgleichswellen für ein Maximum an Fahrvergnügen und Laufruhe bei minimalen Verbrauchswerten sorgt – acht Prozent weniger sind es mit 8,7 l/100 km gegenüber dem Vorgänger. Manchem mag er allerdings nicht kraftvoll genug sein. Denn den Fahrwerksentwicklern ist es gelungen, Achsen, Lenkung und Bremsen in Topform zu bringen. Konkret heißt das, dass die ein wenig antiquierte Kugelumlauflenkung des bisherigen SLK nun einer sehr exakten und direkteren Zahnstangenlenkung Platz gemacht hat und die Doppelquerlenker-Vorderachse einer Dreilenkerachse mit McPherson-Federbeinen. Zusammen mit einer optimierten Raumlenker-Hinterachse schafft das beste Voraussetzungen dafür, den SLK auch bei flotter Fahrweise sicher im Griff zu haben und stets dort anzukommen, wohin man ihn dirigiert. Und trotz der so sportlichen Qualitäten des Fahrwerks überrascht, dass der Fahrkomfort nicht zu kurz kommt, auch dann, wenn die Straßenoberflächen erhebliche Unebenheiten zeigen.

Diesem Fahrwerk darf man bedenkenlos auch mehr Kraft zumuten. Und die bietet das zweitstärkste Triebwerk, der vom zweiten Quartal an lieferbare völlig neu entwickelte 3,5-Liter-V6, der 200 kW (272 PS) leistet und 350 Nm zwischen 2400 und 5000/min liefert – genug für den Spurt auf Tempo 100 binnen 5,6 Sekunden. Dieser V6 ist der erste Vertreter einen ganz neuen Motorengeneration, bei der Mercedes-Benz nun auf vier Ventile pro Zylinder, variable Ein- und Auslassnockenwellen, ein neues zweistufiges Schaltsaugrohr und so genannte Tumble-Klappen in den Einlasskanälen setzt, die die Frischluft als Beitrag zu optimaler Verbrennung mit hoher Turbulenz in die Brennräume strömen lassen. Durchschnittlich 10,6 l/100 km verbraucht dieses kraftvolle und kultivierte Aggregat mit Ausgleichswelle, mit dem man ebenso gut betont sportlich fahren wie souverän gleiten kann.

Wer das sportliche Fahren bevorzugt, wird sich meist auch für ein Schaltgetriebe entscheiden. Das hat beim SLK sechs Gänge und zeigt sich mit kurzen exakten Schaltwegen sportlich ausgelegt. Alternativ gibt es für den SLK 200 Kompressor die bewährte Fünfgang-Automatik und für die stärkeren Versionen die völlig neue Siebengang-Automatik 7G-Tronic, die mit kleineren Drehzahlsprüngen zwischen den einzelnen Gängen für praktisch jede Fahrsituation die optimale Übersetzung bietet und bei flotter Fahrt dank niedrigerer Drehzahlen auch Sprit zu sparen hilft. Und natürlich lassen sich die Gangstufen per Schalttasten im Lenkrad auch von Hand wählen.

Dieses Lenkrad ist ein in zwei Ebenen verstellbares griffiges Dreispeichen-Multifunktions-Lenkrad mit dezenten silberfarbenen Tasten – einer Farbe, die auch alle übrigen Bedientasten im Instrumentenbrett, auf der Mittelkonsole und an den Türen sowie die beiden Zylinder zeigen, die die zwei großen Rundinstrumente beherbergen. Das alles wirkt sehr edel, solide und sportlich-elegant und hat einen ganz eigenen neuen Stil, der das Interieur des SLK ebenso attraktiv macht, wie die neue Frontpartie, von der sich innen sogar einige Zitate ausmachen lassen – wie zum Beispiel die halbovalen Lüftungsgitter. Und alles fasst sich auch ganz sympathisch an. Ein großer Sprung nach vorn beim Innenraumdesign mit ganz neuen Bedientasten, wie zum Beispiel denen für die Fensterheber in den Türen. Auch bei den Sitzen hat man gute Arbeit geleistet, bietet neben erweiterten Verstellmöglichkeiten hohen Sitzkomfort und festen Seitenhalt.

Neuartige Nackenheizung

Ein Auto, das in vielen Bereichen erheblich gewonnen hat. Das gilt sowohl für die sehr viel sportlichere Optik außen und innen als das Fahrverhalten, das bei den hoch motorisierten Modellen durchaus dem leistungsstarker Sportwagen ebenbürtig ist und das rundum ein wenig größere Platzangebot für die zwei Passagiere und auch manches neue Ausstattungsdetail, wie zum Beispiel die weltweit bislang einmalige Heizung für den Nacken – Airscarf genannt.

Der SLK ist mit seiner zweiten Generation spürbar erwachsener gewordenen – mit dem Effekt allerdings, dass die so erfolgreiche erste Generation, auch wenn sie zu den wertstabilsten Modellen im Mercedes-Programm zählt, mit dem Auftritt des neuen SLK merklich alt aussieht.

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