Schule : Spät am Ball – aber dafür ganz modern

Mit dem innovativen Focus C-Max spielt nun auch Ford in der Klasse der kompakten Minivans mit

Ingo von Dahlern

Ka, Focus, Mondeo, Fiesta, Fusion, Streetka, Galaxy und Maverick – die deutsche Tochter von Ford ist mit ihren Personenwagen so gut aufgestellt wie lange nicht, präsentiert eine durchweg junge und moderne Flotte, die zudem in einem sehr attraktiven Design antritt. Und mit dem Focus belegten die Kölner beim TÜV-Autoreport 2001 als erstes deutsches Modell seit 1987 mit den wenigsten Mängeln Platz eins bei den ein- bis dreijährigen Fahrzeugen. Das bedeutet höchste Qualität.

Doch wer das Angebot genauer betrachtet, kann eine große Lücke nicht übersehen. Es gibt bislang keinen kompakten Minivan. Damit fehlt genau die Fahrzeugkategorie, die bei uns in Europa von rund 250 000 im Jahr 1997 auf derzeit gut eine Million wuchs und bis Ende 2005 den Wert von 1,25 Millionen erreichen dürfte. Das aber bedeutet, dass künftig 30 Prozent aller Kompakten und jedes zehnte Auto in Europa ein kompakter Minivan sein wird.

Da darf ein Großserienhersteller wie Ford einfach nicht abseits stehen. Und wenn auch recht spät – vom Oktober an ist er mit dem Focus C-Max in diesem Segment endlich dabei. Mit einem Auto, das es trotz des inzwischen schon recht breiten Angebots sogar schafft, mit einigen Innovationen zu überraschen. Wobei die wichtigste unter ihnen sicher Fords neue Lösung für einen variablen Innenraum im Fond ist. Denn mit nur wenigen Handgriffen lässt sich der bereits als Fünfsitzer sehr geräumige C-Max in einen Viersitzer verwandeln, der dann auf zwei Einzelsitzen im Fond so viel Platz bietet, wie man das nur in der gehobenen Klasse erwartet. Um bequem sitzen zu können, muss man den schmaleren mittleren Sitz zusammenklappen und nach hinten schieben. Anschließend rückt man die beiden äußeren Sitze auf diagonalen Sitzschienen zugleich zur Mitte und nach hinten – eine nicht weniger attraktive Lösung als die von Opel im Meriva und Sigma.

Neben einem variablem Innenraum mit viel Platz für die Mitfahrer erwarten Käufer kompakter Minivans allerdings ausreichenden Laderaum. Der Focus C-Max überzeugt auch an diesem Punkt, denn der Gepäckraum fasst 460, bei dachhoher Beladung sogar 560 Liter und lässt sich durch Ausbau der hinteren Sitze auf maximal 1620 Liter bei dachhoher Beladung erweitern – Platz, den man bei einer Zuladung zwischen 484 und 528 Kilogramm auch vernünftig nutzen kann.

So viel Platz ist allerdings nur möglich in einer entsprechend großen Karosserie. Und mit einer Länge von 4,33 Meter, einer Breite von knapp 1,83 Meter und einer Höhe von 1,60 Meter gehört der Focus C-Max mit seinem langen Radstand von 2,64 Meter denn auch zu den größeren Vertretern seiner Klasse. Was man ihm allerdings nicht unbedingt ansieht. Denn seine Karosserie mit der kurzen Motorhaube, der recht stark geneigten Scheibe und der ellipsenförmigen Dachlinie, die in einem kleinen Heckspoiler endet, wirkt trotz dieser Maße eher zierlich. Zu diesem Eindruck tragen auch die recht großen Glasflächen einschließlich der kleinen Dreiecksscheibe vorn bei.

Sie sind mit dafür verantwortlich, dass der Focus C-Max dem Fahrer auf seinem erhöhten und auch in der Höhe verstellbaren Fahrersitz eine besonders gute Rundumsicht gewährt. Und sie sorgt auch mit dafür, dass es im Innenraum des Focus C-Max angenehm hell ist. Einem Innenraum, der bereits beim ersten Blick rundum erkennen lässt, dass Ford beim C-Max auf hohe Qualität setzt – bei den hier verarbeiteten Werkstoffen und ihren Oberflächen ebenso wie bei der Verarbeitung.

Diese Auto wirkt rundum solide, ohne dabei allerdings langweilig zu sein. Im Gegenteil. Die silbernen Speichen des Vierspeichen-Lenkrads und viele weitere Aluminium-Applikationen in Verbindung mit Zierteilen aus ganz neuen Werkstoffen setzen viele attraktive Akzente, lockern die Atmosphäre auf und lassen den C-Max ausgesprochen elegant wirken. Beherrschendes Element neben den Rundinstrumenten vor dem Lenkrad ist die Mittelkonsole mit dem integrierten Schalthebel, der so ideal platziert ist. In Ausstattungsversionen Trend und Ghia verzichtet Ford zudem auf den Handbremshebel, sie werden erstmals mit einer elektronischen Feststellbremse ausgestattet.

Obwohl größer als die bisherigen Focus-Varianten, ist der C-Max nicht weniger handlich. Ja man gewinnt nach den ersten Probekilometern sogar schnell den Eindruck, dass er die bereits guten Fahreigenschaften und das Handling der Limousine sogar noch übertrifft. Man hat sich bei Ford nicht darauf beschränkt, die bekannte Focus-Plattform mit ihrem hervorragenden Fahrwerk lediglich mit einer neuen Karosserievariante auszustatten. Sowohl die Vorderachse als auch die Hinterachse wurden konsequent optimiert und zum Teil sogar neu konstruiert – insbesondere bei den Verbindungselementen, die noch weniger Geräusche und Vibrationen auf die Karosserie übertragen und zugleich das Handling verbessern.

Alles zusammen führt dazu, dass sich der C-Max, der übrigens eine elektrische Servolenkung hat, als besonders gut beherrschbares und selbst bei sehr flotter Kurvenfahrt sehr fahrsicheres Auto zeigt, bei dem die Fahrdynamikregelung ESP übrigens Serienausstattung ist – und das alles in Verbindung mit einem sehr hohen Fahrkomfort. Ein Auto also, mit dem unterwegs zu sein, viel Fahrvergnügen bereitet.

Dazu tragen natürlich auch die neuen Triebwerke bei, die Ford im C-Max einsetzt – ein Benziner und zwei moderne Turbodiesel. Der Benziner ist ein neu entwickelter 1,8-Liter-Vierzylinder mit 88 kW (120 PS), der bei 4500/min sein höchstes Drehmoment von 166 Nm liefert. Mit 10,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 195 km/h erlaubt er bei einem Durchschnittsverbrauch von 9,7 l/100 km eine recht flotte Gangart. Doch so richtig sportlich wird der kompakte Minivan erst mit dem größeren der beiden Turbodiesel, dem 2.0 TDCi. Der ist mit 100 kW (136 PS) und einem höchsten Drehmoment von 320 Nm bereits bei 2000/min dem Benziner weit überlegen. Für den Spurt auf Tempo 100 reichen ihm 9,6 Sekunden, maximal erlaubt er 200 km/h und beim Verbrauch gibt er sich mit durchschnittlich 5,6 l/100 km ausgesprochen bescheiden. Wer, wie wir, am ersten Tag mit dem Benziner unterwegs war und am zweiten den Diesel lenken durfte, mag diesen nicht mehr aus der Hand geben, denn er reagiert bei fast jeder Drehzahl geradezu spontan auf jeden Tritt aufs Gaspedal. Ebenso neu wie der Motor ist auch sein Sechsgang-Schaltgetriebe mit lang ausgelegtem sechsten Gang.

Und selbst mit dem kleineren Diesel, der ebenso wie der Zweiliter in Zusammenarbeit mit PSA Peugeot/Citroën entwickelt wurde, ist der C-Max sehr agil. Denn dessen 80 kW (109 PS) und 240 Nm schon bei 1750/min reichen für maximal 185 km/h und den Spurt auf Tempo 100 binnen 11,3 Sekunden bei einem Durchschnittsverbrauch von nur 4,9 l/100 km. Kein Wunder, dass die Diesel bei den Minivans inzwischen einen Anteil von 40 Prozent ausmachen – bei steigender Tendenz.

Etwas eigenwillig ist allerdings der Name, unter dem Ford bei den kompakten Minivans einsteigt. Denn C-Max steht für die drei englischen Begriffe Comfort (Komfort), Confidence (Alltagstauglichkeit) und Control (Handling). Von jedem dieser Bereiche soll der Focus C-Max das Optimum bieten – und das gelingt ihm tatsächlich. Damit hat er, auch wenn er recht spät kommt, durchaus Chancen, sich im Segment der kompakten Minivans zu etablieren, in dem er mit Preisen antreten wird, die unter 19 000 Euro beginnen werden. Und das mit einer umfangreichen Sicherheits- und Komfortausstattung. Ford ist also auch hier auf einem guten Weg, wobei das Angebot schon bald durch weitere Motoren und auch durch Automatikgetriebe ergänzt werden soll. Noch 10 000 Exemplare vom C-Max, dessen Produktion Ende Juli im Werk Saarlouis angelaufen ist, will man in diesem Jahr verkaufen, rund 30 000 sollen es 2004 werden. Die Chancen dafür stehen nach den ersten Fahreindrücken gut.

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