Schule : Stadt, Land, Fluss

Die neue M-Klasse ist rundum reifer geworden und auf Wunsch jetzt auch für schweres Gelände tauglich

Ingo von Dahlern

Kaum verändert erscheint die neue M-Klasse von Mercedes-Benz nur auf den ersten Blick. Schon der zweite zeigt, dass hier ein anderes Auto steht. Die Front wurde markanter, auch ein wenig aggressiver. Vor allem aber tritt das Sports Utility Vehicle (SUV) mit dem Stern nicht mehr ganz so hochbeinig auf wie bisher. Die Designer haben ein elegantes Auto kreiert, das rundum neue Maße hat: Die Höhe wurde um fünf Millimeter verringert – auf gut 1,81 Meter einschließlich Dachreling. Breiter ist sie auch geworden, sie misst nun statt 1,84 gut 1,91 Meter. In der Länge wuchs sie um 15 Zentimeter auf 4,78 Meter, beim Radstand um 9,5 Zentimeter auf knapp 2,92 Meter. Das sind entscheidende Zentimeter, aus denen sich neue Proportionen ergeben.

Die größere Karosserie mit flacher Frontscheibe, kräftig herausgearbeiteten Kotflügeln, nach hinten ansteigender Schulterlinie und großer Panorama-Heckscheibe bietet auch innen mehr Platz. Das spüren die Passagiere unter anderem bei der Ellenbogenbreite und im Fond. Das Raumgefühl entspricht durchaus dem einer Oberklasselimousine, was auch daher kommt, dass der kräftige Schalthebel zwischen den beiden Vordersitzen fehlt. An seine Stelle ist ein kompakter Wählhebel an der Lenksäule getreten, mit dem die zur Serienausstattung zählende Siebengang-Automatik 7-GTronic aktiviert wird. Möchte man sie von Hand schalten, geschieht das über Tasten an der Rückseite des Vierspeichen-Multifunktionslenkrads. Das Ladeabteil bietet nun 2050 Liter mit maximal 2,10 Meter Laderaumlänge.

Edel und sportlich elegant präsentiert sich das zweifarbig und mit klassischen Rundinstrumenten sowie großen runden Belüftungsdüsen mit Chromeinfassung gestaltete Interieur der neuen M-Klasse, zu deren Serienausstattung neben teilelektrischen Sitzen auch die Klimatisierungs-Automatik Thermatic gehört. Denn trotz ihrer Off-Road Optik ist das 2,1 Tonnen schwere Gefährt vor allem ein komfortables großes Reiseauto für die Fahrt auf gut ausgebauten Straßen.

Dafür haben die Mercedes-Ingenieure der selbst tragenden Karosserie, die die Rahmenkonstruktion der ersten Generation ersetzt, ein rundum neu entwickeltes Fahrwerk mit auf den Weg gegeben – vorn mit neuer Doppelquerlenkerachse mit Federbeinen und hinten mit einer neuen Vierlenker-Konstruktion. Beide Achsen lagern auf einem von der Karosserie entkoppelten Fahrschemel und sorgen in Verbindung mit der geschwindigkeitsabhängigen Parameter-Servolenkung für überzeugenden Limousinen-Fahrkomfort des Allradlers, den man auch auf kurvigen Landstraßen selbst bei flotter Fahrweise jederzeit sicher im Griff hat.

Sein moderner elektronisch gesteuerter Allradantrieb 4ETS sorgt vollautomatisch für die jeweils optimale Kraftverteilung auch auf lockerem und rutschigem Untergrund und lässt die M-Klasse abseits ausgebauter Straßen überraschend gut vorankommen, wenn man die Offroad-Taste auf der Mittelkonsole drückt. Im Gelände hilfreich sind neue Assistenzsysteme wie der Anfahr-Assistent und die so genannte Downhill Speed Regulation, die – eine Weltpremiere – erstmals mit dem Tempomaten gekoppelt ist.

In schwierigem Gelände kam die erste Generation der M-Klasse schnell an ihre Grenzen. Denn im Unterschied zur G-Klasse war sie als SUV kein professioneller Geländewagen. Das hat sich jetzt geändert. Die neue M-Klasse lässt sich mit dem als Wunschausstattung angebotenen Offroad Pro Technikpaket ausstattet. Neben einem Unterfahrschutz und der Luftfederung Airmatic bietet es ein während der Fahrt zuschaltbares zweistufiges Verteilergetriebe sowie zwei Differenzialsperren – eine Längssperre, die das Antriebsmoment zwischen den Achsen steuert und eine Quersperre an der Hinterachse, die beide bis zu 100 Prozent Sperrwirkung entwickeln können. Sie lassen sich über einen Drehschalter manuell zuschalten. Für die Längssperre gibt es zudem einen Automatikmodus. So ausgestattet macht die neue M-Klasse auch jenseits befestigter Straßen eine überzeugende Figur. Wer entprechend investiert, kann also ins harte Gelände, wer das nicht will, muss sich nicht zu dieser Zusatzausstattung greifen. Die Luftfederung Airmatic kann man in Kombination mit dem Adaptiven Dämpfungs-System (ADS) auch einzeln bestellen.

Mit vier Motoren, von denen drei Neuentwicklungen sind, geht die neue M-Klasse am 2. Juli in Deutschland an den Start. Die neuen Motoren übertreffen ihre Vorgänger bei Leistung und Drehmoment um bis zu 38 Prozent und sind zugleich um bis zu zehn Prozent sparsamer. Spitzentriebwerk ist der nun 225 kW (306 PS) leistende Fünfliter-V8, der den ML 500 in nur 6,9 Sekunden Tempo 100 und maximal 240 km/h erreichen lässt. Respektabel ist der neue 3,5-l-Vierventil-V6 mit 200 kW (272 PS), der in 8,4 Sekunden Tempo 100 und 225 km/h erreicht und im Durchschnitt nur 11,5 bis 11,7 l/100 km verbraucht.

Doch die interessantesten beiden Motoren dürften für den deutschen Markt die beiden direkt einspritzenden Dreiliter-Turbodiesel mit Common Rail und Piezo-Injektoren sein. Sie treten in zwei Leistungsstufen an: Bereits der ML 280 CDI mit 140 kW (190 PS) hat ein maximales Drehmoment von 440 Nm zwischen 1400 und 2800/min. Er spurtet in 9,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht als Höchstgeschwindigkeit 205 km/h. Der ML 350 CDI mit 165 kW (224 PS) und 510 Nm Drehmoment zwischen 1600 und 280/min ist mit 8,6 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und 215 km/h richtig sportlich. Beide sind mit einem Verbrauch von 9,4 bis 9,9 l/100 km erfreulich sparsam, wozu auch die stark verbesserte Aerodynamik beiträgt. Serienmäßig haben sie einen Partikelfilter. Überdies gefallen die Dieselmotoren durch hohen Laufkomfort und so geringe Geräusche, dass man nicht hören kann, nach welchem Verbrennungsprinzip sie arbeiten.

Mit 46 342 Euro (ML 280 CDI), 48 662 Euro (320 CDI), 47 966 Euro (ML 350) und 63 220 Euro (ML 500) ist die neue M-Klase nicht nur größer, komfortabler und moderner geworden, sondern auch teurer. Mit zahlreichen Zusatzausstattungen, wie zum Beispiel 1914 Euro für das Paket Offroad Pro, Bi-Xenon-Licht, Multikontursitzen, Lederausstattungen, aufwändigem Soundsystem, Navigation oder Mehrzonen-Klimatisierung kommen schnell weitere vier- bis fünfstellige Beträge hinzu.

620 000 Mal wurde die erste Generation des amerikanischen Mercedes aus Tuscaloosa in Alabama gebaut. Die zweite Generation hat beste Chancen, diese Erfolgsstory fortzusetzen.

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