• Vom Solitär zur Informationszentrale Der Tacho im Auto wird 100 / Noch 2003 Tachoanzeige auch als Head-up-Display

Schule : Vom Solitär zur Informationszentrale Der Tacho im Auto wird 100 / Noch 2003 Tachoanzeige auch als Head-up-Display

Ingo von Dahlern

Eigentlich sollte ihn jeder Autofahrer kennen – den Ingenieur Otto Schulze aus Straßburg. Denn er ist der Erfinder jenes Instruments, das zu den wichtigsten im Auto gehört – des Tachometers oder Geschwindigkeitsmessers. Und dessen Patent ist jetzt exakt 100 Jahre alt. Schulze war nicht der erste, der sich an einem Geschwindigkeitsmesser versuchte. Denn schon bei Leonardo da Vinci finden sich erste Entwürfe für ein solches Gerät. Denn Geschwindigkeit ist eine Größe, die wir mit unseren menschlichen Sinnen nicht erfassen können. Und damit auch nicht die Gefahr einschätzen können, die sich mit immer höheren Geschwindigkeiten verbindet. Und die wuchsen bald nach der Einführung des Autos zusehends, so dass es immer wichtiger wurde, Informationen über das aktuelle Tempo zu bekommen, so dass man sein Fahrverhalten darauf einstellen konnte.

Gewiß, es gab damals schon Meßgeräte für das Tempo von Eisenbahnen. Doch für den Einsatz im Auto waren diese Geräte kaum geeignet. Und so blieb es Schulze vorbehalten, mit dem Wirbelstrom-Tachometer ein Instrument zu schaffen, dessen Prinzip für viele Jahrzehnte Basis für das zentrale Instrument der Fahrerinformation bleiben sollte. Über eine biegsame Welle wurde die Drehzahl des Rades oder Getriebes zum Tacho übertragen, wo sie einen Dauermagneten in eine Drehbewegung versetze. Dadurch wurden in einer darüber gelagerten Metallscheibe oder Metallhaube mit Zeiger Wirbelströme induziert, denen die Metallscheibe zu folgen versuchte, dabei aber von einer Feder zurückgehalten wurde, so dass sie sich umso weiter drehte, je schneller das Fahrzeug fuhr.

Allerdings war dieses Messinstrument in den Pionierjahren des Autos ein recht teures Extra, das sich anfangs nur wenige Autofahrer einbauen ließen. Erst mit wachsender Verkehrsdichte fand es größere Verbreitung – nicht zuletzt auch mit Blick auf Geschwindigkeitsbeschränkungen, die angesichts wachsender Unfallzahlen erlassen und schon damals kontrolliert wurden. Was für Jahrzehnte als Solitär neben dem Lenkrad glänzte, wurde in den Dreißigen zum ersten Kombiinstrument. Wenn anfangs auch noch als gemeinsame Halterplatte für mehrere Einzelinstrumente, die nun über Drehzahl, Kraftstoffvorrat und Licht sowie Winkerstellung informierten. Der erste wichtige Schritt zu den modernen Kombiinstrumenten unserer Zeit war vollzogen.

Der nächste folgte Mitte der Fünfziger, mit dem von VDO zunächst für Omnibusse entwickelten elektrischen Tacho, der die Raddrehzahl als elektrisches Signal übertrug. Bis in die Achtziger arbeitete man mit diesem System, ehe die Elektronik auch bei den Instrumenten zu einem tiefgreifenden Wandel führte. Die klassischen Rollenzähler für die gefahrenen Kilometer wurden durch LCD-Anzeigen ersetzt, Sensoren im gesamten Fahrzeugnetzwerk übernahmen die Rolle von Wellen, Dynamos und rotierenden Magneten und Messwerke oder Schrittmotoren setzen mit elektronischer Steuerung elektrische Impulse wieder in Zeigerausschläge um oder erzeugen gleich die verschiedensten digitalen Anzeigen.

Dabei rücken die vielen Einzelkomponenten immer weiter zusammen, so dass bei modernen Fahrzeugen hochkomplexe Informationszentralen mit klassischen Rundinstrumenten, vielfältigen Anzeigen, Dutzenden von Kontrollleuchten und großflächigen Bildschirmen oder LCD-Displays für Navigation und Kommunikation im Blickfeld des Fahrers liegen.

Diese Systeme sind wie das Fahrzeugdesign vielen Moden unterworfen, wobei der Trend beim Tacho nach vielen Ausflügen mit Walzen, Rollen und Ziffern heutr doch recht klar zum Rundinstrument geht, auch wenn das künftig nur elektronisch erzeugt wird. Und schon im nächsten Jahr bringt Siemens VDO ein Head-up-Display, bei dem die Tempoanzeige direkt im Blickfeld des Fahrers auf die Frontscheibe projiziert werden wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben