Ex-Stadtwerkechef Paffhausen : "Ein kompetenter Geschäftsführer"

Der frühere Chef der Potsdamer Stadtwerke Peter Paffhausen hat eine Doktorarbeit geschrieben – über seine Erfahrungen in Potsdam. In der Arbeit schwingt er sich zum Ratgeber für Kommunen auf, die Eigenbetriebe privatisieren wollen.

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Der frühere Potsdamer Stadtwerkechef Peter Paffhausen überrascht mit einem neuen Talent: Der geschasste Manager schickt nicht nur Spione in die Spur und spielt neben Rockstars auf – auch in der Forschung ist er jetzt tätig: Im April, einen Monat vor seinem Rücktritt wegen der Stadtwerke-Affäre, hat Paffhausen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam eine Dissertation verteidigt. Darin schwingt er sich zum Ratgeber für Kommunen auf, die Eigenbetriebe privatisieren wollen. Auf diesem Bereich verfüge er über ein „umfangreiches Erfahrungsspektrum“, wie er schreibt.

Im Mittelpunkt der 332 Seiten langen Dissertation mit dem Titel „Entscheidungen über eine Öffentlich Private Partnerschaft“ steht das Debakel um die 13 Jahre zurückliegende Privatisierung des Potsdamer Wasserbetriebes. Um an Geld zu kommen, hatte die Stadt 49 Prozent ihres Unternehmens an die Eurawasser GmbH verkauft. Als die Wasser- und Abwasserpreise in die Höhe schossen und Kreditrisiken für Investitionen vor allem auf Seiten der Stadt und weniger auf Seiten der privaten Partner stiegen, wollte man den Partner wieder los werden. Peter Paffhausen, damals städtischer Teilzeitgeschäftsführer des Wasserbetriebs, war maßgeblich daran beteiligt, Eurawasser in einer Nacht- und Nebelaktion abzuschütteln.

Büros wurden versiegelt, Schlösser ausgetauscht, Akten gesichert und Verträge aufgelöst. Eine Erfahrung, die Paffhausen als „lehrreich“ erachtet und gerne weitergibt. Durch die „Entsendung eines kompetenten kommunalen Geschäftsführers“ sei die Rekommunalisierung in Potsdam schließlich ermöglicht worden, so Paffhausen über sich in seiner Arbeit.

Auch sonst spart er nicht mit Eigenlob:

„ ... hat der Verfasser ebenso durch die Übernahme von Aufgaben in bereits bestehenden Öffentlich Privaten Partnerschaften deutliche Vorteile für die kommunale Seite bewirken können. Dieser Fundus an Erfahrungen soll im Rahmen der vorliegenden Dissertation untersetzt werden“, heißt es auf Seite 2. Eine weitere Kostprobe seines Selbstverständnisses: „In den nachfolgenden Ausführungen werden Beispiele aus der Perspektive des Verfassers als Geschäftsführer und Gesellschafter öffentlicher Unternehmen vorgestellt, da im Rahmen dieser Dissertation Handlungsempfehlungen für kommunale Entscheider abgeleitet werden sollen.“ (S. 144)

Dass der heute 61-Jährige den Ereignissen als Manager und nicht als objektiver Wissenschaftler beiwohnte, ist aus Sicht seines Doktorvaters Dieter Wagner kein Problem: „Methodisch ist die Vorgehensweise unbedenklich, wenn die Vergleichsmaßstäbe offengelegt sind. Das hat Peter Paffhausen gemacht“, sagte Wagner. „Der Promotionsausschuss hatte keinen Zweifel an der Substanz der Arbeit.“

Pikant: Wagner war zuletzt im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwurf gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann in die Schlagzeilen geraten. Er hatte auch die Dissertation des ranghohen CDU-Politikers abgesegnet.

Aber auch der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni, Klaus H. Goetz, hält Paffhausens Arbeit für „unproblematisch“: „Entscheidend ist, dass die Informationsquellen offengelegt sind“, sagte er auf Anfrage: „Das ist nach meiner Einschätzung hier der Fall.“ Paffhausen greife nicht nur auf eigene Erfahrungen in Potsdam zurück. Die Dissertation beinhalte eine umfängliche Diskussion der relevanten Theorien: „Die Arbeit ist ja keine Autobiografie.“

Auf insgesamt 70 von 332 Seiten der Dissertation führt Paffhausen den Potsdamer Fall aus und greift dabei auch auf interne Unterlagen und Verträge zurück. Zum Teil sind sie im Anhang der Arbeit zu finden. In einem kleineren Teil der Arbeit vergleicht er die Potsdamer Vorgänge mit kommunalen Privatisierungen in Dresden, Görlitz und Grenoble. „Öffentlich Private Partnerschaften sind nicht als Selbstläufer zu betrachten“, schließt Paffhausen. Seine Dissertation wurde mit Magna cum laude bewertet – „mit großem Lob“.

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