Babylon Orchestra in der Ufa-Fabrik : Ein Lied kann eine Brücke sein

Ländergrenzen musizierend überwinden: Das junge Berliner Ensemble Babylon Orchestra spielt in der ausverkauften Freiluftbühne der Ufa-Fabrik.

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Multinational. Das Babylon Orchestra aus Berlin.
Multinational. Das Babylon Orchestra aus Berlin.Foto: Babylon Orchestra

Es ist eine andere Antwort auf die Situation, die oftmals als Flüchtlingskrise beschrieben wurde und in der immer wieder Bedrohungsszenarien heraufbeschworen wurden. Die Antwort heißt Musik. Mit seinem Konzert unter dem Motto „The evolution of oriental music“ begeistert das junge Berliner Ensemble Babylon Orchestra vor ausverkaufter Freiluft-Bühne der Ufa-Fabrik. Dreißig Musiker aus dem Morgen- und dem Abendland – nicht wenige vor Kurzem zugewandert – spielten arabische, iranische, hebräische und selbst komponierte Stücke. „Musik verbindet die Menschen, weil sie berührt, ohne dass es eine gemeinsame Sprache bräuchte“, sagt der Leiter des Orchesters, Mischa Tangian, ein mehrfach ausgezeichneter Komponist. Gemeinsam mit seiner Partnerin Sofia Surgutschowa hat er das Ensemble gegründet.

Frisch wirken die Stücke bekannter Komponisten etwa des Oud-Spielers und Leiters der arabischen Musikakademie in Berlin, Nasseer Shamma. Wer orientalische Musik im Reichtum ihrer Ornamentierung, gefühlsbeladen und mitunter dramatisch kennt, erlebte sie beim Konzert zumeist schwungvoll und innovativ. Die für orientalische Musik so charakteristischen, raumgreifenden Improvisationen sind an diesem Abend fast durchgängig in die Fülle des Orchesters eingebettet und erhalten so einen kurzweiligen Charakter. Die arabische Laute, die Trommel und die Bambusflöte vereinen sich mit Streich- wie auch Blasinstrumenten und dem Schlagzeug. Die Kompositionen näher sich so mitunter einem Big-Band-Charakter an. Sie lassen sich jedenfalls weder ganz im Orient noch in Europa, sondern nur in der Moderne verorten. Besonders überzeugend gelingt das bei einigen der Eigenkompositionen. Das ist neue Musik im wahrsten Wortsinn, die an vertraute Hörgewohnheiten anknüpft und sie doch auch herausfordert. Tangian verspricht mehr davon.

Mitglieder haben mit den Behörden zu kämpfen

Gleichwohl ist es nicht einfach, eine bunte Musikerschar in einem Orchester dieser Größe zu einen. Ein Kommen und Gehen prägt das Babylon Orchester, immer wie haben Mitglieder mit Behördenschwierigkeiten zu kämpfen. Doch das Ensemble ist seit seinem Debüt 2016 bekannter geworden und wird nun auf Tournee gehen. Seit diesem Jahr kooperiert es mit dem Konservatorium für Türkische Musik, im Projekt „Crossing borders“ erhalten einige der Musiker Fortbildungen.

Dass sich Ländergrenzen musizierend überwinden lassen, macht das Orchester selbst vor: Aus Italien stammend spielen sie arabische Flöte und Trommel, aus Syrien kommend europäische Streichinstrumente und der deutsch- armenische Komponist arrangiert nun seit einem Jahr orientalische Musik. Endlich erscheint die notorische Frage, woher sie kommen und warum sie jenes Instrument spielen, völlig absurd.

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