Hör BÜCHER : Kleines Arrangement No.1

Jens Sparschuh empfiehlt der ganzen Familie Nützliches und Wissenswertes

Jens Sparschuh

Auch diesmal war der obligatorische Jahreswechsel wieder Anlass für gute Vorsätze: Mutter wollte sich endlich mal juristisch weiterbilden, Vater mit dem Rauchen aufhören und das liebe Kind – ach, es soll doch nicht ewig in diesen blöden Computerspielen herumballern. Damit es nicht nur bei lobenswerten, schon wieder halb vergessenen Vorsätzen bleibt, drei entsprechende Hörbuchempfehlungen.

Ralf Höckers „Lexikon der Rechtsirrtümer“ (Hörbuch Hamburg 2007 – eine neue Folge erscheint im März 2008) räumt mit „juristischen Volksmythen“ auf, die sich allein durch dauernde Wiederholung in den Köpfen festgesetzt haben, dadurch aber nicht richtiger werden. Ob es um den angeblichen Tatbestand einer speziellen „Beamtenbeleidigung“ geht oder um die Frage, ob auch Haustiere als Erben eingesetzt werden können – Dietmar Mues als Sprecher rollt diese Fälle sehr trocken, sehr geschäftsmäßig auf. Gern hört man ihm zu. Zwar gibt es das auch als Buch, eine mündliche Rechtsbelehrung prägt sich aber allemal besser ein.

Gestutzt habe ich nur an einer Stelle. Ich kannte noch die herkömmliche Abgrenzung „Mord ist geplant, Totschlag geschieht im Affekt“. Irrtum, sagt Höcker. Seit 1941 gilt das in Deutschland nicht mehr; sogenannte Mordmerkmale dienen stattdessen der Unterscheidung. Wenn ein Einbrecher den Hausherrn im Affekt tötet, um eine andere Straftat (nämlich den Einbruch) zu verdecken, begeht er einen Mord, denn das Verdecken einer Straftat wäre hier ein Mordmerkmal. Eine Ehefrau hingegen, die ihren brutalen Ehemann geplant, aber ohne das Mordmerkmal „Heimtücke“ tötet, begeht lediglich einen Totschlag. Soweit, so schön. Oder auch nicht.

Aber wenn 1941(!) die Gerichtswaage auf diese Weise neu justiert wird, wirft das Fragen auf. Bis dahin lag der Schwerpunkt der Rechtsprechung eher auf dem eigentlichen Tathergang, die Mordmerkmale hingegen dienen der Fokussierung auf einen bestimmten Tätertyp. (Freisler: Wir bestrafen nicht die Tat, sondern den Täter.) Das sind wirklich keine Petitessen – erstaunlich, dass diese Umorientierung, die bis heute im deutschen Recht Bestand hat, hier völlig unkommentiert geblieben ist.

Für den Vater empfehle ich wärmstens: „Mark Kuntz – Der letzte Raucher“ (Hörbuch Hamburg, 2007). Der traurige Held dieser irrwitzigen Erzählung wird zum Rauchen auf den Balkon geschickt, dort vergessen und schließlich für eine lange, kalte Frühlingsnacht ausgesperrt – ein Horrorszenario, das seit Anfang des Jahres so unrealistisch nicht mehr ist.

Und vielleicht können „Indianer & Cowboys“ (Der Hörverlag, 2007) dem Filius der Familie tatsächlich eine Welt jenseits des Computerschirms zeigen. Es wird als Sach-Hörspiel deklariert. Hörspiel ist das zwar nicht, aber man lernt eine Menge Sachen. Zum Beispiel, warum Cowboystiefel vorne spitz sind: damit man beim Sturz vom Pferd nicht in den Steigbügeln hängenbleibt. (Völlig neuer Blick auf Papas Schlangenleder-Cowboystiefel aus dessen wilden Harley-Davidson-Jahren!)

Als eine Frage, die unter den Nägeln brennt, steht auf dem Booklet „Tat den Cowboys beim Reiten manchmal der Popo weh?“ Sie bleibt, soweit ich gehört habe, unbeantwortet. Völlig richtig so! Ich wüsste auch nicht, ob mir diese Frage je unter den Nägeln oder sonst wo gebrannt hätte, aber in diesem Kontext wirkt die Verwendung des Wortes „Popo“ einfach befremdlich.

Wenn der Kleine nun allerdings, als man zu Besuch bei Tante Helga ist, sein frisch erworbenes Wissen demonstriert und zeigt, was eine richtige Stampeda ist (die Büffel sind ausgebrochen) und dabei die echte Chinavase aus der Ming-Zeit zu Bruch geht, worauf Papa sich nun doch wieder mit Zigarette auf den Balkon verzieht – dann, hoffentlich dann!, erinnert sich Mutter daran, was sie bei Höcker für diesen Fall gelernt hat: Jetzt bloß nicht der Versicherung beteuern, man habe die ganze Zeit auf den kleinen Wilden aufgepasst. Sonst bezahlt nämlich, soweit ich das richtig kapiert habe, die Haftpflicht keinen Cent und Tante Helga bleibt auf ihrem Scherbenhaufen sitzen. (Am besten gleich noch mal reinhören – Vgl. Höcker, Track 14!)

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