Merkel und die große Koalition : Das Richtige im Falschen

18.09.2012 16:41 Uhrvon
Nie, nie, nie soll es eine große Koalition geben, sagen CDU und SPD. Doch Bilder wie dieses in der vergangenen Woche im Bundestag meiden Merkel und Gabriel auch nicht. Foto: dpa
Nie, nie, nie soll es eine große Koalition geben, sagen CDU und SPD. Doch Bilder wie dieses in der vergangenen Woche im Bundestag meiden Merkel und Gabriel auch nicht. - Foto: dpa

SPD und CDU können prima miteinander. Die Deutschen lieben die Große Koalition – so, wie sie all das lieben, was stabil ist. Alles andere ist Spiegelfechterei.

Unter den gelinden Falschmeldungen der vergangenen Tage sticht eine hervor. 54 Prozent der Deutschen, hieß es da unter Berufung auf eine Umfrage, wünschten sich eine große Koalition. So gut wie falsch ist daran zweierlei. Erstens: Dies ist keine Meldung; das Gegenteil wäre es. Die Deutschen fanden und finden, von seltenen Ausnahmemomenten abgesehen, eine große Koalition immer erstrebenswert, weil sie ihrem unpolitischen Traum von Harmonie und Balance entgegenzukommen scheint. Zweitens: Die wirkliche Meldung ist eine ganz andere. Unter den Deutschen sieht nur noch eine kleine Minderheit von 19 Prozent in der gegenwärtigen schwarz- gelben Kombi das beste Zukunftsmodell.

Dies vorausgeschickt, mutet es vielleicht sonderbar an, dass sowohl die Kanzlerin als auch ihre womöglichen Herausforderer die Begeisterung für große Koalitionen nicht zu teilen scheinen. Angela Merkel hat am Montag versichert, dass sie das Bündnis mit der FDP „gerne“ über 2013 hinaus fortsetzen würde. SPD-Thronprätendenten schwören Eide, dass sie sich nie und nimmer noch mal unter dieser Frau Merkel an einen Kabinettstisch setzen.

Nun verhält es sich mit all diesen Aussagen ähnlich wie mit der besagten Umfrage: Das Gegenteil wäre eine Meldung. Die SPD könnte sich die Ernennung eines Kanzlerkandidaten sparen, wenn der den Eindruck zuließe, er meine es eventuell mit dem Rütteln am Zaune nicht ernst. Die Kanzlerin findet die FDP wahrscheinlich mit noch viel besseren Gründen schwierig als unsereiner, darf das aber nicht laut sagen. Die Nachricht ist auch hier eine andere: Sowohl Merkel als auch die SPD müssen einer großen Koalition eine Absage erteilen, weil dieses Bündnis so naheliegt. Bei den großen Themen – von Euro über Energiewende bis Afghanistan – ist die Gemeinsamkeit der Volksparteien längst Realität. Wegen irgendeiner anderen Frage einen Streit mit Merkel vom Zaun zu brechen ist der SPD bisher nicht gelungen. Die beiden könnten, wenn der Wähler es so fügte, prima noch mal miteinander. Alles andere ist Spiegelfechterei.

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