Eigentumswohnungen : Umsatz mit Luxusimmobilien wächst

Makler Nikolaus Ziegert legt Eigentumsreport vor und fordert Darlehen zur Eigentumsbildung.

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Wohnungen im hochpreisigen Segment, wie die am Volkspark Friedrichshain, sind in Berlin sehr gefragt.
Wohnungen im hochpreisigen Segment, wie die am Volkspark Friedrichshain, sind in Berlin sehr gefragt.Foto: Sebastian Kahnert dpa/lbn

Berlin wächst und wächst und wächst. Und entwickelt sich prächtig, wie dem Städteranking 2016 von Wirtschaftswoche und ImmobilienScout24 zu entnehmen war. Der Anziehungskraft der deutschen Hauptstadt ist es zu verdanken, dass die Kaufpreise für Berliner Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr im Mittel zweistellig – nämlich um 10,1 Prozent – gestiegen sind.

Damit sind die Kaufpreise von 2014 auf 2015 beinahe doppelt so stark angestiegen wie die Mietpreise. Der Umsatz mit Immobilien im Luxussegment wächst sogar besonders stark. Gründe für den anhaltenden Preisauftrieb sind die weiterhin zu geringe Bautätigkeit und der starke Zuzug vor allem von jungen Absolventen.

Dies jedenfalls geht aus dem „Wohneigentumsreport Berlin 2016/17“ hervor, den die Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH (Berlin) in dieser Woche zur Expo Real in München vorgelegt hat.

Erstmals haben die Autoren auch die Stadtrandlagen erfasst. Berlin wächst – wie vor einer Woche im Immobilienteil dieser Zeitung aufgeschlüsselt – immer stärker in das Umland hinein. Und anders als im Ziegert-Report beschrieben, gibt es eine Vielzahl prosperierender Randgemeinden, die es rechtfertigen von einem Speckgürtel zu sprechen.

Zudem rechnet Brandenburg bis 2030 mit 75 000 Menschen mehr im Speckgürtel, während Ziegert von 45 000 Personen spricht. Diese Zahl wurde bisher vom Berliner Senat mit Blick auf die Hauptstadt als jährlicher Bevölkerungszuwachs angenommen.

Wohnungen unter 1000 Euro je Quadratmeter gibt es kaum noch

Folgen kann man Ziegert aber gewiss bei der Einschätzung, dass der Wunsch nach Eigentum in Berlin deutlich gewachsen ist. „Die Menschen haben die Perspektiven der Stadt erkannt und wer kann, richtet sich darauf ein“, sagt Geschäftsführer Nikolaus Ziegert. Allemal gilt dies für die Zuwanderung aus dem Ausland. „Der internationale Zuzug ist inzwischen größer als der nationale“, sagt Ziegert-Sprecher André Schlüter, „wenn die Flüchtlinge aus den Zahlen herausgerechnet werden, steht es immer noch pari pari.“

Deshalb, so folgert Ziegert, seien die größten Zuwächse bei den Wohnungsverkäufen in den oberen Preisgruppen festzustellen. So stiegen laut Ziegert die Verkäufe bei Wohnungen über 5000 Euro pro Quadratmeter von 457 auf 1505 Wohnungen. Dies entspricht einem Plus von 230 Prozent.

Insgesamt fanden im vergangenen Jahr in Berlin laut Ziegert (mit Paketverkäufen) 24 272 Eigentumswohnungen neue Besitzer, was einem Plus von 23 Prozent entspricht.

Neben den erwähnten Steigerungen im Luxus-Preissegment wuchsen auch die darunter liegenden Preisgruppen. Dass Abschlüsse unter 1000 Euro je Quadratmeter dagegen deutlich rückläufig waren, verwundert nicht: Hier gibt es so gut wie keine Angebote. Noch im vergangenen Jahr waren hier die meisten Anfragen zu verzeichnen.

Ziegert plädiert für Zuschüsse zur Eigentumsbildung

Heute liegen den Analysen zufolge mehr als dreißig Prozent der Suchanfragen zwischen 3500 und 5000 Euro.

„Aus der Analyse der geplanten Projekte leiten wir einen weiteren Anstieg von rund zwanzig Prozent bis 2018 ab“, sagt Helen Lindner, Leiterin von Ziegert-Research. Als Ursache nennt sie steigende Baukosten und die Grundstückspreise. Der Blick auf die Karte der Neubauprojekte zeigt weshalb: Die meisten Bauten werden in den gesuchten Innenstadtlagen errichtet. Innerhalb des S-Bahnrings sowie im Südwesten Berlins liegt der Schwerpunkt der Angebote.

Wer es gerne günstiger hätte, mag noch in Teilen Pankows oder Köpenick gute Chancen haben. Dem Bericht zufolge, können sich aktuell 27 Prozent der Berliner Haushalte eine Eigentumswohnung bis 280 000 Euro leisten. Der Rückgang der Arbeitslosenquote auf 9,4 Prozent und der Anstieg der Haushaltsnettoeinkommen – vor allem in den oberen Einkommensklassen – deuten auf ein großes Nachfragepotential hin.

Ziegert plädiert für Zuschüsse zur Eigentumsbildung – abgeleitet vom Vermögen der einzelnen Haushalte. „Unsere Berechnungen zeigen, der neue Berliner Senat muss unbedingt auch etwas für die Eigentumsbildung tun“, schreibt Nikolaus Ziegert in einer Mitteilung: „Viele Haushalte wollen, können aber nicht kaufen, weil sie nicht über genügend Eigenkapital verfügen.“ Sie im Zinstief nicht mit günstigen Darlehen zu unterstützen, hieße wahrscheinlich eine einmalige Chance verstreichen zu lassen und viele Berliner dynamisch steigenden Mieten auszusetzen.

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