Immobilien : Mülltrennung spart Geld

ANDREAS LOHSE

Alles wird teurer.Alles? Nein! Denn kürzlich sorgte die Berliner Stadtreinigung für Schlagzeilen: Die Müllabfuhr wurde billiger.Dazu entrang sich ein Lob sogar das qua Aufgabe äußerst kritische "Aktionsbündnis Betriebskostensenkung", ein Zusammenschluß hiesiger Mieter- und Vermieterverbände, dessen Ziel es ist, den in den letzten Jahren zu verzeichnenden Anstieg der Nebenkosten in den Griff zu bekommen.Als Grund für die Preissenkung gibt man bei der BSR an, daß die finanziellen Mittel, die Berlin für die Sicherung, Sanierung und vierzigjährige Nachsorge der fünf im Umland befindlichen Deponien aufzubringen habe, weitgehend erwirtschaftet seien.1997 waren die Tarife zu diesem Zweck extra angehoben worden.In den letzten fünf Jahren stiegen die Müllgebühren durchschnittlich und bundesweit um über 50 Prozent, ermittelte die Deutsche Pfandbrief- und Hypothekenbank in Frankfurt / Main.

Die Preissenkung der BSR beträgt bei Straßenreinigung und Abfallwirtschaft insgesamt etwa 20 Prozent.Bei der Betriebskostenabrechnung für das Jahr 1999 sollte man darauf achten, daß der Vermieter diese Senkung anteilig weitergibt, schließlich darf er nur berechnen, was ihm selbst an Aufwand entstanden ist.Das Quartalsentgelt für die Entsorgung eines kleinen, 60 Liter fassenden Hausmüllbehälters beträgt bei einer wöchentlich einmaligen Leerung jetzt 109,64 Mark (vorher 111,20 Mark).Die nächstgrößere Tonne mit einem Fassungsvermögen von 120 Litern kostet 131,20 Mark (185,40 Mark), das darauffolgende Format mit 240 Litern 201,40 Mark (266,70 Mark).Ein Blick in den Hof oder auf den Mülltonnenstellplatz kann also Sparpotentiale offenbaren, wenn man viele kleine Behälter gegen einen großen austauscht.

Damit die Mieter von den gesunkenen Preisen in ihrer nächsten Betriebskostenabrechnung profitieren können, sollten sie Gewohnheiten üben und Mülltrennung pflegen."Mancher ist zu dämlich, Papier von Plastik zu unterscheiden", schimpft ein Hausmeister - was nicht nur ihn ärgert, der dann ständig in den Tonnen herumwühlt und sortiert, sondern auch die Mieter im Haus, die die Kosten für die Unfähigkeit ihrer Nachbarn tragen.Denn die Sammlung des Dualen Systems mit ihren unterschiedlichen Behältern für Glas, Altpapier sowie gelber Wertstofftonne wird privatwirtschaftlich organisiert.Entgelte dafür fallen in der Betriebskostenabrechnung nicht an, die Entsorgung des Verpackungsmaterials wird schon beim Einkauf im Geschäft über den Ladenpreis für den "Grünen Punkt" eines Produktes bezahlt.Achtung: Sind die Wertstoffbehälter mit falschem Abfall vermüllt, müssen sie durch die BSR teuer geleert werden.Für diese Sonderabfuhr berechnen die Müllmänner den Preis einer regulären Leerung zuzüglich einer Pauschale von 30 Mark - eine ganze Menge Geld, das man ebenso gut sparen könnte.

Sparen läßt sich auch in Häusern, in denen die Mieter konsequent ihren Bioabfall sammeln und in die dafür vorgesehene Tonne werfen.Der Preis für das 240 Liter fassende Gefäß ist mit knapp 60 Prozent geradezu drastisch gesunken.Es kostet nunmehr 87,71 Mark (213,40 Mark) pro Quartal bei wöchentlicher Leerung, die kleineren mit 120 Litern 77,43 Mark.Neu eingeführt wurde das 60-Liter-Biogefäß für 72,14 Mark, so daß sich auch in kleineren Häusern das Sammeln in barer Münze auszahlt - sofern dafür auf eine Hausmülltonne verzichtet werden kann.Auch hier gilt: Eine große Tonne ist billiger als zwei kleine.

Gesunken ist auch das Entgelt für Sperrmüll.Bis zu fünf Kubikmeter holt die BSR jetzt für 50 Mark aus dem Keller, jeder weitere Kubikmeter kostet zehn Mark extra.Die Abgabe von Sperrmüll aus Haushalten durch Privatanlieferer direkt bei der BSR ist bis zu einer Höchstmenge von einem Kubikmeter kostenlos.Bei größeren Mengen kann es sich lohnen, statt sie abholen zu lassen, selbst einen Pritschenwagen zu mieten und den Sperrmüll zur BSR in die Gradestraße, zum Abfallentsorgungswerk Nord, zur Deponie Schwanebeck oder Wernsdorf zu fahren.Die Tonne kostet dann 178,55 Mark, mithin 100 Mark weniger als zuvor.Allerdings werden mindestens 53,57 Mark je Anlieferung fällig.

Daß sich das Trennen von Müll lohnt, hat kürzlich ein Versuch in einem Hochhaus in Gropiusstadt ergeben: Durch konsequentes Sortieren von Joghurtbechern und Blechdosen sparte jede Mietpartei hochgerechnet 200 Mark pro Jahr bei den Betriebskosten, weil die grauen Hausmüllgefäße von zwölf auf sieben reduziert werden konnten.Während die Getrenntsammlung in Häusern mit einem bis sechs Haushalten in der Regel gut funktioniere, seien insbesondere Großwohnanlagen bundesweit für die kommunale Abfallpolitik ein Sorgenkind, heißt es bei der Deutschen Umwelthilfe in Radolfzell.Es fallen überdurchschnittlich hohe Restmüllmengen an, die noch große Anteile von Wertstoff- und Bioabfällen enthalten.Mit gutem Beispiel geht Bielefeld voran.Örtliche Wohnungsbaugesellschaften haben dort gemeinsam mit einer Beschäftigungsinitiative ein Modell entwickelt, das dem Einspar-Contracting der Energiewirtschaft entlehnt ist.Durch ausführliche Bürgerberatung zur Abfalltrennung und zur betreuten Eigenkompostierung ging das Restmüllaufkommen in den betroffenen Siedlungen um bis zu 40 Prozent zurück.Mit einem Teil des bei der Müllabfuhr gesparten Geldes werden die Sonderdienstleistungen des Stadtreinigungsbetriebes finanziert - der Rest füllt die Kassen der Mieter.

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