Immobilien : Suche nach einem neuen Domizil

ANDREAS LOHSE

Jahr für Jahr wechseln viele Zehntausend Berliner ihre Wohnungen.Ein schöneres, preiswerteres oder größeres Domizil zu finden, ist mitunter ganz leicht: Man hört von Bekannten oder Nachbarn, eine Wohnung werde frei, und zieht einfach um.

Wer weniger Glück hat, kommt nicht umhin, zunächst vor allem die Wochenendausgaben der Berliner Tageszeitungen zu wälzen oder die 14täglich erscheinenden Stadtmagazine zu durchforsten.Die Tageszeitungen gibt es an vielen Straßenecken Berlins schon samstagabends.Wer ein Lieblingswohngebiet hat, sollte zudem dort gelegentlich spazierengehen und auf Aushänge an Straßenlaternen, in Kneipen oder Supermärkten achten.Oftmals werden auf diese Weise schnellentschlossene Nachmieter gesucht, wenn der jetzige Mieter seine Wohnung innerhalb kürzester Zeit verlassen will.Wer selbst einen "Suche-Wohnung"-Zettel aufhängt, sollte am unteren Rand mehrmals seine Telefonnummer zum Abreißen vermerken.

Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins (WBS), der einkommensabhängig vergeben wird, können eine der etwa 290 000 öffentlich geförderten Wohnungen beziehen.Hinweise auf leerstehende Räume gibt es dann mitunter sogar vom bezirklichen Wohnungsamt, wo der WBS auch beantragt wird.Wohnungssuchende, die noch nicht in Berlin leben, können sich an ein Wohnungsamt ihrer Wahl wenden.Im Zweifel ist das Wohnungsamt Zehlendorf zuständig (Kirchstr.1-3, 14163 Berlin, t 807-1, Fax 807-3445).Etwa ein Drittel der Sozialwohnungen und der Wohnungen städtischer Wohnungsbaugesellschaften ist ausschließlich Suchenden mit "dringendem Wohnbedarf" vorbehalten, was auf dem WBS vermerkt wird."Dringlichkeit", beispielsweise für mit Wohnraum unter- oder schlecht versorgte, hochschwangere Frauen, wird nur dann anerkannt, wenn ein Antragssteller seit mindestens einem Jahr mit Hauptwohnsitz in Berlin gemeldet ist.Rund 200 000 der weit über 1,7 Millionen Wohnungen in Berlin sind freifinanzierter Neubau.Dazu zählen auch die mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnungen, deren Sozialbindung ausgelaufen ist.Sie können ebenso wie herkömmliche Altbauten ohne WBS bezogen werden.

"MietTips" nennt sich ein Beratungsservice, der von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften eingerichtet wurde.Hier bekommen alle Wohnungssuchenden - nicht nur Mieter bei den Gesellschaften - kostenlos Informationen über die Bestände der angeschlossenen Wohnungsunternehmen, darüber hinaus auch zu Wohnberechtigungsschein, Wohngeld, Fehlbelegung und Betriebskostenabrechnung.Mieter der Wohnungsunternehmen können hier auch Wohnungen tauschen (MietTips, Französische Straße 8, 10117 Berlin Mitte, t 20 22 07-0).

Wer sich der Leistung eines Maklers bedient, ist durch das Wohnungsvermittlungsgesetz vor unzulässigen oder überhöhten Vermittlungsgebühren geschützt.Die Courtage für eine erfolgreiche Vermittlung beträgt maximal zwei Monatsmieten zuzüglich Mehrwertsteuer.Mietnebenkosten bleiben zur Berechnung der Monatsmiete unberücksichtigt.Achtung: Eine Gebühr wird beispielsweise dann nicht fällig, wenn der Makler eine Sozialwohnung oder eine anderweitig staatlich geförderte vermittelt, oder er selbst Eigentümer, Verwalter oder Vermieter der Wohnung oder mit ihm "wirtschaftlich eng verflochten" ist.

Mitwohnzentralen vermitteln Räume zur Untermiete, meist jedoch nur auf Zeit und während der Abwesenheit des Hauptmieters.Für Neuberliner, die eine dauerhafte Unterkunft suchen, eignen sich die Wohnungen im Angebot der Mitwohnzentralen allenfalls als provisorischer Zwischenstopp (Telefonnummern im Telefonbuch).

Beiträge für sogenannte "Wohnungsvermittlungsvereine" hingegen sind in der Regel Fehlinvestitionen, meint man beim Berliner Mieterverein (BMV).Diese Vereine umhüllen sich gern mit den in vielen Kiezen wohlklingend und positiv eingeführten Namen von Bewohnerinitiativen wie Bürgerhilfe, Mieterladen oder Nachbarschaftshilfe, machen allerdings mit den Wohnungssuchenden gute Geschäfte.Gegen ein Entgelt von meist 100 bis 150 Mark versprechen sie zwar die Vermittlung einer Wohnung.Die Aussichten jedoch, eine Wohnung zu bekommen, seien faktisch äußerst gering, so der BMV.

Über kurz oder lang wird der Suchende auch auf die eher berüchtigten 0190er Telefonnummern stoßen."Provisonsfreie Wohnungsvermittlung" steht oft in den Anzeigen, die auf diesem Weg mitunter traumhafte Erwartungen wecken.Wer dort anruft, bekommt allerdings minutenlang per Ansageband Wohnungsangebote von Flensburg bis München vorgenudelt, oder der Anrufer wird per Sprachautomat langwierig an der Strippe gehalten.Erfolg für den Wohnungssuchenden ist dabei jedoch nicht programmiert, vielmehr kassiert der Angerufene durch einen verkürzten Zeittakt bei den Gebühren kräftig mit.Im Einzelfall erscheinen die Kosten von etwa 1,20 Mark pro Minute zwar erschwinglich, doch in der Summe der Anrufer kann ein solcher "Service" mit einer letztlich nicht überprüfbaren Leistung monatlich mehrere tausend Mark verdienen.Aus der versprochenen provisionsfreien Vermittlung wird durch extreme Telefonkosten "schnell eine hohe Maklergebühr, ohne daß eine entsprechende Leistung erbracht wurde", resümiert der Deutsche Mieterbund in Köln.Also: Finger weg.

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