"Was wir tun, ist gefährlich. Aber nichts zu tun ist viel, viel gefährlicher.
Matthias Thibaut
So unverzüglich und gnadenlos sind Londons Literaturkritiker mit Salman Rushdies neuem Roman ins Gericht gegangen, dass sie sich nun selber schämen. Der New-York-Roman "Fury" (Wut) des britischen Autors sei "im Mutterleib ermordet worden, durch vorzeitige Kritiken und Gehässigkeit", schrieb der Literaturredakteur des "Guardian" und warf sich mit seiner Feder schützend vor Rushdie.
Großbritannien: "Die Freiheit untermauern", lautet die Devise der Politiker, und wenn sie von einem neuen Ausgleich zwischen individueller Freiheit und den Interessen der Gemeinschaft sprechen, befinden sie sich durchaus auf dem ideologischen Boden von Blairs "drittem Weg". Bei der Einführung einer Ausweispflicht machte London dennoch erst einmal einen Rückzieher.
Ein Geheimnis ist es nicht mehr: London und Washington schätzen die militärischen Optionen einer Afghanistan-Aktion zunehmend realistischer ein. Bestimmt wird die Strategie entscheidend davon, ob und wie genau die militärischen Nachrichtendienste den Aufenthaltsort bin Ladens bestimmen können.
Großbritanniens Außenminister Jack Straw betonte bei seinem Besuch in Teheran nicht nur die Brutalität und Rechtlosigkeit des Taliban-Regimes. Er sprach auch von der konstruktiven Rolle, die der Iran als Nachbar bei der Zukunft Afghanistans spielen könne.
Das britische Außenministerium hat am Mittwoch alle britische Staatsbürger aufgefordert, Pakistan zu verlassen. Der "Daily Telegraph" hatte zuvor die Ankunft "einer Truppe britischer Muskelmänner in Zivil" in Islamabad gemeldet.
Tony Blair hat die Welt zu einem "dramatischen Umdenken" bei der Bekämpfung des Terrorismus aufgerufen. In einer Dringlichkeitsdebatte des Unterhauses warnte er, internationale Terroristen würden auch vor dem Einsatz chemischer, biologischer oder nuklearer Waffen nicht zurückschrecken.
Aufgeregte Spekulationen über eine angebliche Herbstoffensive der britischen Regierung in Sachen Euro-Beitritt entbehren offenbar jeder Grundlage. "An der britischen Politik hat sich nichts geändert", bestätigte der britische Europaminister Peter Hain und warf der britischen Presse vor, seine jüngsten Äußerungen zum Euro verzerrt zu haben.
Zwei Tage Freudensprünge haben sich die Engländer erlaubt. Der "Mirror" hat Oliver Kahns Torhüterhandschuhe feierlich verbrannt.
Für viele englische Schulkinder beginnt das Schuljahr an diesem Montag mit Unterrichtsausfall, in einigen Fällen sogar mit einer Viertagewoche. Noch nie, seit es öffentliche Schulen gibt, war der Lehrermangel so schlimm, bestätigte die Schulaufsichtsbehörde "Office for Standards in Education".
Britische Parlamentarier haben nach dem Tod des britischen Nato-Soldaten in Skopje eine kontinuierliche Überprüfung des Mazedonien-Einsatzes britischer Soldaten im Rahmen der Operation "Essential Harvest" gefordert. Auch wenn der Vorfall an der Unterstützung für das britische Mazedonien-Engagement vorerst nichts änderte, bestärkte er doch die Zweifler.
Die protestantischen Ulster Unionisten haben zurückhaltend auf das Friedenssignal der IRA reagiert: Ein Fortschritt, aber die entscheidende Frage bleibe unbeantwortet - die nach der Entwaffnung der IRA. Erst wenn die wirklich begonnen habe, sagte Unionistenführer David Trimble, könne er in die durch das Friedensabkommen ausgehandelte Allparteienregierung zurückkehren.
Geht das Schlachten wieder los? Die britische Regierung bereitet offenbar neue Notmaßnahmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche vor - drei Monate, nachdem Premier Blair erklärte, man sei im Kampf gegen die Tierseuche "in der Zielgeraden".
Mit dem gleichen freundlichen, aber im Grunde undurchdringlichen Lächeln, mit dem sie diese Woche aus dem Krankenhaus in ihr Londoner Stadtschloss Clarence House zurückkehrte, wird die Queen Mother heute die traditionellen Bürgergratulationen zu ihrem 101. Geburtstag entgegennehmen - wenn alles gut geht.
Ohne Zögern hat die Polizei am Freitag die irisch-republikanische "Real IRA" für die Autobombe verantwortlich gemacht, die im West-Londoner Stadtteil Ealing Verheerungen verursacht und sieben Verletzte gefordert hat. Vier Menschen befanden sich am Nachmittag noch im Krankenhaus, gesperrte Straßen führten zu einem Verkehrschaos im Westen der britischen Hauptstadt.
British Nuclear Fuels (BNF), der britische Betreiber der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield und einer Reihe alternder britischer Atommeiler, hat Pläne für sechs neue Atomkraftwerke im Vereinigten Königreich in der Schublade. Sie würden an den Betriebsorten der bestehenden Magnox-Reaktoren gebaut werden, deren Schließung bis 2010 ansteht.
Spannender als die Parlamentswahl finden die britischen Medien den Kampf um die Führung der Tory Party. Das Auswahlverfahren wird ihnen über das Sommerloch hinweghelfen.
"Polizeiaktionen gehen manchmal schrecklich schief", sagte der 33-jährige Shahid Malik am Dienstag. Bei den Krawallen im nordenglischen Burnley war er mit Schutzschilden der Polizei verletzt, verhaftet und ins Krankenhaus eingeliefert worden.
LondonDie Briten konnten sich mit Berlin immer gut identifizieren, vielleicht sogar besser als mit Deutschland", sagt Lord Watson of Richmond. "Echt Zuneigung" habe sich seit den heroischen Tagen der Luftbrücke zwischen der geteilten Stadt und den Briten entwickelt und die habe sich auch auf die neue Hauptstadt übertragen.
Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Manche denken, in Großbritannien werde mehr über den Schutz des Fuchses als die Ethik der Genforschung diskutiert. Doch die Debatte geht weit zurück in die frühen achtziger Jahre, als eine von der Oxforder Philosophin Lady Warnock geleitete Kommission die Grundlagen für das "Human Fertilisation and Embryology" Gesetz von 1990 legte.
Die Briten werden morgen, am Donnerstag, wie erwartet zum zweiten Mal Tony Blair wählen. Doch sie tun es mit spürbar weniger Begeisterung.
Die beste Wahlempfehlung für eine Regierung ist das Gefühl der Wähler, Geld in der Tasche zu haben. Dies ist auch die Grundlage für Labours erwarteten Wahlerfolg am Donnerstag.
Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für ein tolerantes, multikulturelles Großbritannien hat Tony Blairs konservativer Herausforderer William Hague im britischen Wahlkampf eine überraschende Linkswende vollzogen. Hague war auch im Zusammenhang mit den Krawallen von Oldham vorgeworfen worden, die nationalistische, gar rassistische Karte zu spielen.
Es gibt wenig Griffiges, das die britischen Parteien unterscheidet. So muss Europa herhalten, um die Wähler aus der Apathie zu rütteln.