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von Boris Buchholz Tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

letzten Montag ging ich ohne Jacke nur im dicken Woll-Pullover zur Arbeit – und kam erst in einen Hagelschauer, dann in einen Sturzregen. Und wissen Sie, wer daran Schuld hatte? Unser Radio im Badezimmer. Ich habe es allerdings erst am nächsten Morgen gemerkt: Ich wartete auf den Dienstagskommentar meines Chefredakteurs Lorenz Maroldt (natürlich ein Muss für ambitionierte Tagesspiegel-Mitarbeiter; nein, abgefragt werden die freien Mitarbeiter nicht – prüfend angeschaut? Vielleicht). Rund um die Nachrichten wurden die aktuellen Staus und Blitzer verkündet – ich hatte Haarwaschmittel auf dem Kopf als meine Frau sagte, sie fände es sehr beruhigend, dass auf der A4 vor Dresden sechs Kilometer Stau wäre und nicht auf der Berliner Straße.

Da ist bei mir unter dem Shampoo der Groschen gefallen. Und es war alles meine Schuld: Ich hatte uns vergangene Woche von Radioeins weggeschaltet, um den englischsprachigen Sender KRCW Berlin zu hören. Obwohl der angeblich aus Steglitz sendet, ist bei uns der Empfang richtig mies – meine Tochter hatte keine Lust auf Rauschen und Wortbeiträge und suchte nach dem besten Sender mit der besten Musik zum optimalen Zähne putzen. „MDR Junp IST der beste Sender“, erklärte sie mir später. Natürlich schaffte ich es am Dienstagmorgen noch, rechtzeitig zum Kommentar zu Radioeins zurückzuschalten – allerdings hatte ich dann einen Hustenreiz und konnte erst wieder zuhören, als die Moderatoren sich von meinem Chef verabschiedeten. Bevor ich zur Arbeit ging, hörte ich ein weiteres Mal die Nachrichten: Am Dienstag war das Wetter in Steglitz-Zehlendorf besser als in Sachsen.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – seit Kindesbeinen läuft er in Steglitz und Zehlendorf herum. 2011 gründete er „ß“, eine Zeitschrift für Politik und Kultur im Berliner Südwesten. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-b.buchholz@tagesspiegel.de

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Boris Buchholz' Tipp für Sie

Sie kommen zwar über die Galerie ins Haus (etwas mehr über die aktuelle Ausstellung dort können Sie weiter unten erfahren), doch das Herz der Achim Freyer Stiftung schlägt hinter einer Holztür im Hochparterre: „Zugang nur mit Führung“ steht an der Tür, hinter ihr offenbart sich ein wahrhaftiges Kunst-Reich. Eigentlich liebt Achim Freyer (er sei ein Maler, der immer wieder vom Theater und anderen Projekten verführt werde; seine „Hänsel und Gretel“-Inszenierung hat morgen in der Staatsoper Premiere) leere Räume – in seinem Wohnhaus in Lichterfelde merkt man das nicht, überall hängt und steht Kunst. Die Werke habe er nicht aktiv gesammelt, „sie kamen zu mir“, er tauschte, erhielt Geschenke, Bilder strahlten ihn auf Flohmärkten an. „Es wurden immer mehr“, jetzt sind es über 2000 Kunstwerke, die er in seinem Haus beherbergt.

Dicht an dicht hängen sie an den Wänden des Treppenhauses, der Flure, im Wintergarten, um den Adventsschmuck im Wohnzimmer herum, in der Bibliothek. Die Hängung scheint auf den ersten Blick willkürlich, doch nimmt sie Bezüge auf, es gibt Systeme. Diese Zusammenhänge zu finden (ein Punkte-Bild auf der linken Seite des Treppenhauses bezieht sich auf ein ähnliches auf der rechten Seite) ist genauso spannend wie die Kunstwerke selber. Ein Matisse kann neben einem Kinderbild hängen, das Bild eines schizophrenen Künstlers kann der Nachbar eines Picassos sein. „Ich schreibe keine Namen an die Bilder, damit das Publikum selber entscheiden kann, was es liebt und was es nicht liebt“, erzählt Achim Freyer. Es entsteht eine persönliche Kunst-Nähe. Die Mischung aus Privatheit und Ausstellung sorgt für eine gewisse Distanzlosigkeit; die Atmosphäre ist von den Bewohnern geprägt. Und so ist das Schuhregal von Achim Freyer und seiner Frau Esther Lee-Freyer, sie ist Opernsängerin und Sopranistin, das erste Kunstwerk, das ich sah, als ich die Tür zur Sammlung durchschritt.

Galerie und Sammlung der Achim Freyer Stiftung im Kadettenweg 53 können Sie immer sonntags von 15 bis 18 Uhr besuchen; die Teilnahme an einer Führung durch die Sammlung kostet 14 Euro, ermäßigt 7 Euro, bis zum Alter von 16 Jahren ist der Eintritt frei. Mehr Informationen finden Sie auf achimfreyer.com.

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