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    Unter Nachbarn

    Vierzig Jahre hat Christiane Burger aus Steglitz in Apotheken gearbeitet. Seit vielen Jahren ist sie „fotografische ‚Rost‘-Sucherin“; ihre Rost-Fotografien präsentierte sie bereits in diversen Ausstellungen im Bezirk.

    Gibt es Tage, an denen Sie nicht an Kunst denken? Nein, nicht wirklich. Kunst ist für mich ein Zustand, eine Erlaubnis die ich meinem Gehirn gebe, sich jenseits der ausgetretenen Trampelpfade zu bewegen und sich dort umzuschauen. Ich bin täglich fotografisch unterwegs. Da ist nicht unbedingt der Begriff „Kunst“ im Vordergrund. Es ist meine Art der Kommunikation.

    Gibt es genug Kunst in Steglitz-Zehlendorf? Ich vermisse eine „Kunstszene“, die auf der Straße sichtbar wird, in Nischen und verborgenen Orten zu Hause sein könnte. Ich suche neben vielen Anderen einen Raum, an dem ich mich austauschen, wo ich verweilen kann.

    Sind Sie Steglitz-Zehlendorferin und Rost-Künstlerin geworden, weil Sie in die Nähe der Rostlaube wollten? Selbstverständlich habe ich 2012 auch die Rostlaube fotografiert, mir sind die erstaunlichen Farbverläufe auf den Rostplatten in Erinnerung. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass der Bezirk nicht allzu viel an Rost zu bieten hat, hier ist ja scheinbar mehr Fassade. Und doch finde ich meine Motive, man muss nur genau hinschauen, jenseits von Shoppingcenter und Villen. Das Thema „Rost“ wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt, da ich in einem Sägewerk mit einer alten gigantischen Dampfmaschine und Schmiede aufwuchs.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-b.buchholz@tagesspiegel.de

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von Boris Buchholz Tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

man muss auch mal delegieren können. Höre ich immer wieder, ist eines meiner Mantras in allen Lebenslagen. Ich lebe das auch: Das Katzenklo zu leeren delegiere ich regelmäßig (wenn unser Kater auf mein Delegat nicht reagiert, sagt manchmal meine Frau, das könne ich gefälligst selber machen und, bitte, bring dann auch noch gleich den Müll raus – das nennt man dann neudeutsch „Jobenrichment“, damit kann ich leben). Die SPD-Fraktion hat auch versucht, etwas zu delegieren, per Antrag, und ist damit gestern erst einmal gescheitert (auch hier hat sich – übertragen gesprochen – der Kater geweigert, den Auftrag anzunehmen). Es ging um den Briefkasten vor der Berliner Straße 51 – er werde drei Stunden zu früh geleert, argumentierten die Sozialdemokraten, die umliegenden Ärzte und Gewerbetreibenden würden es nicht schaffen, ihre wichtige Post bis 16 Uhr einzuwerfen. Also sollte das Bezirksamt gebeten werden, die Deutsche Post AG zu ersuchen, „die Leerungszeit auf 19 Uhr zu legen“.

Gestern wurde der SPD-Antrag von den Bezirksverordneten mehrheitlich abgelehnt. Hauptfragen der Gegner waren: Worum soll sich das Bezirksamt denn noch kümmern? Gibt es hier wirklich ein Problem? Kann man dem Bürger nicht abverlangen, selber der Post einen Brief zu schreiben (vor 16 Uhr)? Und da scheint der Haken zu sein: Denn ein oder mehrere Bürger haben ihr Problem an die SPD delegiert, die es weiter delegieren wollten. Kann sinnvoll sein, verursacht aber – gerade bei verhältnismäßig kleinen Sachverhalten – unverhältnismäßig viel Aufwand (immerhin hat der Drei-Stunden-Antrag die BVV und die Verwaltung seit Mitte Juli beschäftigt).

Ich lerne für mich daraus: Selber aktiv zu werden, ist manchmal die effektivere Option. Außerdem sagt mein Duden, dass das Wort „Mantra“ aus dem Hinduismus komme und „magische Formel“ bedeute. Und das weiß ich seit meine Tochter die erste Bibi-Blocksberg-CD geschenkt bekommen hat: Magie wirkt nicht immer (zumindest nicht immer so, wie man es sich gedacht hat)! Lesen Sie schon mal weiter, ich mach‘ mal schnell das Katzenklo sauber …

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – seit Kindesbeinen läuft er in Steglitz und Zehlendorf herum. 2011 gründete er „ß“, eine Zeitschrift für Politik und Kultur im Berliner Südwesten. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-b.buchholz@tagesspiegel.de

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Boris Buchholz' Tipp für Sie

Ich wusste es nicht, aber in der Steglitzer Schützenstraße tobt nicht nur das kulinarische Leben, sondern auch das politische. In der Weinhandlung La Marmite (Schützenstraße 3) stellen bis zum 10. Dezember elf Journalisten, die über den G20-Gipfel in Hamburg berichten wollten, denen aber auf Basis dubioser Informationen der Sicherheitsbehörden die Akkreditierung wieder entzogen wurde, ihre Fotos aus. Die elf Fotografen schreiben im Text zur Ausstellung „Die Diskreditierten“: „ARD-Recherchen belegen: die Entscheidungen basierten auf einem toxischen Gebräu aus falschen und rechtswidrig gespeicherten Daten.“ Die ausgestellten Bilder zeigen Demonstrationen; es sind Fotos, „für die sie sich immer wieder zwischen den Fronten bewegen müssen“. Es stellen aus: Florian Boillot, Frank Bründel, Po-Ming Cheung, Alfred Denzinger, Willi Effenberg, Chris Grodotzki, Rafael Heygster, Björn Kietzmann, Simon Poelchau, Julian Rettig und Christian Spicker. Insgesamt waren 32 Kolleginnen und Kollegen von diesem Eingriff in die Pressefreiheit betroffen. Die Weinhandlung ist montags bis samstags von 16 bis 24 Uhr geöffnet. Am Sonntag ist Ruhetag.

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