Je mehr Cannes sich von der freundlichen Seite zeigt - wettermäßig -, desto düsterer wird der Wettbewerb des 63. Filmfestivals. Es wird viel gestorben im Jammertal Erde, in einer kranken, mörderischen Welt.
Christiane Peitz
Boulevard und Pathos: neue Filme von Mike Leigh, Woody Allen und Bertrand Tavernier in Cannes
Oliver Stones "Wall Street - Geld schläft nicht" und Manoel de Oliveiras Nachtstück „O Estranho caso de Angélica“ bescheren Cannes die ersten Höhepunkte.
Religion als Extremsport: Die 1824 uraufgeführte Messe, die Beethoven als sein größtes Werk bezeichnet hat, ist der Kampf eines mit dem Glauben ringenden Menschen – ist eine rechte, aber womöglich lohnende Zumutung.
Philippe Jordan und das DSO in der Philharmonie

Der schwarze Hut, das feine, knochige Gesicht, ein Grandseigneur, ein aus der Zeit gefallener Ritter der Künste. Zum Tod des großen Regisseurs Werner Schroeter.
„Weniger ist Zukunft“: Die IBA Sachsen-Anhalt widmet sich der schrumpfenden Stadt
Albtraum Iran: Rafi Pitts’ „Zeit des Zorns“
Kunst und Kommerz: Der Filmemacher Jan Schütte wurde zum Direktor der Berliner Film- und Fernsehakademie ernannt. Er tritt sein Amt am 1. Spetmeber 2010 an.
Ein Brief von Michael Moore: Was sagt das liberale Amerika zu Obamas Gesundheitsreform?
Ost und West auf Kollisionskurs: So offen, so erhellend unversöhnlich wie am Sonntagabend im Berliner Ensemble ist in 20 Jahren Nachwendezeit selten über die DDR und die Bundesrepublik gesprochen worden.
Jüdisch und palästinensisch: "Ajami" erzählt von Religionsfehden und Drogenkartellen in Tel Aviv. Einen ähnlich vitalen, verzweifelten Film aus Israel hat man im Kino noch nicht gesehen, noch dazu von einem palästinensisch-jüdischen Regie-Duo.

Der iranische Regisseur Jafar Panahi, die preisgekrönte Filme über Frauen im Iran gedreht hat und zuletzt an einer Dokumentation über die Proteste der Grünen Bewegung arbeitete, ist weiter in Haft.

Lakonie, Anarchie und Poesie: Gérard Depardieu ist "Mammuth". Der französisches Roadmovie ist der schrägste Wettbewerbsfilm 2010.
Der an Originalschauplätzen gedrehte Spielfilm erlaubt sich so viel Wirklichkeitsnähe, dass in dieser rauen Welt auch Inseln der Empathie existieren, Solidarität und Herzensklugheit: Stark: "Winter’s Bone" im Forum.
Das Filmteam von Oskar Roehler über die Hybris der Branche und die Moral des Schauspielers.

Außer Konkurrenz: Regisseurin Lisa Cholodenko und Julianne Moore präsentieren ihre sexy Komödie "The Kids Are All Right".
„Daniel Schmid – Le chat qui pense“, „Red, White and the Green“, „Der Tag des Spatzen“ und „Amphetamine“.
Regisseur Rafi Pitts über die Zukunft Irans, die Zensur – und seinen Film "Zeit des Zorns".

Ein Bären-Kandidat: Andreas Lust ist "Der Räuber" in Benjamin Heisenbergs Studie eines Serientäters und Marathonläufers.
Familienbande: zwei Dramen über vernachlässigte Kids im Wettbewerb.
FORUM Die Südkoreanerin Yang Yong-hi filmt ihre nordkoreanische Nichte: „Sona, the Other Myself“

… aber mit Humor: Koreanische und taiwanesische Debütfilme im Forum.
60 Mal Berlinale, das ist 60 Mal Spektakel und Glamour, aber auch 60 Mal ein Fest rund um ein Wechselspiel der Blicke. Der Zuschauer flüchtet vor der Unbill der Welt, und wenn der Film etwas taugt, dann vergisst er die Welt und setzt sich ihr doch vollkommen aus - ein Spiel, dass nicht vor dem Bildschirm zu Hause funktioniert.