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Lothar Heinke

Es ist Wahlkampf in Berlin, und da hätte gestern der Heliumballon am Potsdamer Platz getrost seine drei Buchstaben "SAT" gegen "SPD" tauschen können. Im mittäglichen Hitzetaumel, das Sakko lässig über der Schulter, erscheint SPD-Fraktionschef Michael Müller, um im Dienste der guten Sache mal kurz in die Luft zu gehen.

Von Lothar Heinke

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Woran können sich zum Beispiel Geschäftsleute in der Brunnenstraße im Zusammenhang mit dem Mauerbau erinnern? Der Grenze zwischen Ost- und Westsektor, zwischen Mitte und Wedding folgend, hatten die Volksarmisten und Kampfgruppenkämpfer vom Arbeiter- und Mauernstaat das betonierte Ungetüm genau vor den Eingang zum U-Bahnhof Bernauer Straße gestellt - eine Markierung im Pflaster zeigt das heute, weil jeder, der die Gegend nicht kennt, Mühe hat, sich den quer über die Straße gezogenen Wall vorzustellen.

Von Lothar Heinke

Das übliche Bild. Die Leute in den Touristenbussen gucken ernst, wir hören nicht, was ihnen die Frau mit dem Mikrofon vorn neben dem Fahrer gerade erzählt, aber man kann es sich denken: Dies sind Reste der Mauer, 200 Meter lang, mit einem schützenden Zaun umgeben, damit sie nicht noch weiter zusammenfällt .

Von Lothar Heinke

Unter den Linden unter den Linden: Bitte die Augen zuklappen, den Kopf anheben und sehr konzentriert sein: Das gibt es so nur jetzt und nur hier. Nun ganz tief einatmen!

Von Lothar Heinke

"In unserem Lande ist es sehr frostig und feucht, unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muß bei uns eine Jacke von Flanell tragen..

Von Lothar Heinke

Die große Bärennummer steigt heute Abend. Das Polizeiorchester spielt Richard Strauss und Johann Sebastian Bach, und alle Leute, die der Einladung des Innensenators in die Festhalle des Alten Stadthauses folgen, stehen um einen hellen Sandsteinsockel herum und blicken hinauf.

Von Lothar Heinke

Sollte jemand auf die Idee kommen, am Sonntag einen Kranz oder eine Rose am Denkmal für die Opfer des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 niederzulegen, müsste er wieder nach Hause gehen: Das vor einem Jahr offiziell mit schönen Reden von Hans Eichel und Eberhard Diepgen eingeweihte Mahnmal an der Ecke Leipziger/Wilhelmstraße bleibt gewissermaßen wegen Baufälligkeit geschlossen.

Von Lothar Heinke

Ganz egal, wie das Pokal-Endspiel für den 1. FC Union am Samstagabend ausgeht - am Sonntagvormittag empfängt Eberhard Diepgen die freudetrunkenen oder müden Helden von der Alten Försterei im Roten Rathaus.

Von Lothar Heinke

Gleich am Eingang ringelt sich in einer Glasvitrine kilometerlanger Tonbandsalat, haufenweise quellen Videoschnipsel aus Plas-tiktüten, zerrissene Briefe und Protokolle füllen Säcke - alles, was vor dem Verfolgungswahn dieses paranoiden Geheimdienstes nicht sicher war, liegt jetzt zerrissen und dennoch erhalten in Papiersäcken. 15 600 wurden in den Stasi-Büros gefunden.

Von Lothar Heinke

Karl Marx und Friedrich Engels haben keine rote Nelke im Knopfloch; sie stehen und sitzen, den Blick starr aufs Feiervolk gerichtet, auf ihrem Denkmalsockel am Rande des Geschehens. In diesem Moment strömt der revolutionäre Teil der multikulturellen Gesellschaft dieser Stadt auf den Platz vor dem Roten Rathaus: "Zerschlagt die Isoknäste in der Türkei", fordert ein Transparent, das mit musikalischer Begleitung vor die Bühne der zentralen DGB-Kundgebung getragen wird.

Von Lothar Heinke

Das provisorische Bundeskanzleramt mit der edlen Adresse Schlossplatz 1 wird in knapp vier Wochen wieder zum ehemaligen Staatsratsgebäude. Nach dem Auszug Gerhard Schröders und seiner Mannschaft bleiben die Büros rund im die Bankett-, Fest- und Empfangssäle verwaist zurück.

Von Lothar Heinke

Haben wir nicht ganz hinten im Herzkämmerlein und in den letzten Fädchen unserer Seelen Befürchtungen gehegt und Angst gespürt, ohne viel darüber zu reden? Und ist es uns nicht am Ende immer wieder gelungen, die unheilvollen Gedanken beiseite zu schieben?

Von Lothar Heinke

Der barocke Saal im Opernpalais ist gut gefüllt, als Klaus und Wolfgang Mecklenburg, Vater und Sohn, von einem Podium aus die zweitägige Autographen-Auktion der Firma Stargardt beginnen. Hier sitzen private Sammler neben Abgesandten von Museen, Bibliotheken und Archiven; jeder hat den dickleibigen Katalog mit über 1300 Positionen auf den Knien.

Von Lothar Heinke

Diesen riesigen Raum hat so noch kaum jemand gesehen, wiewohl er in einem bekannten Gebäude an einer prominenten Straße liegt: Den freien Blick über die weite Strecke von neunzig Metern Länge - also von einem Ende des Hauses zum anderen - unterbrechen nurmehr braune, mit Travertinplatten verkleidete Pfeiler, auf denen das Dach ruht. In zwei Jahren wird sich in diesen sieben Meter hohen Sälen wieder die deutsche Geschichte mit all ihren Rundungen, Ecken und Kanten präsentieren.

Von Lothar Heinke

Eigentlich hatten wir uns das ja ganz anders vorgestellt: Die Abgeordneten vom Haushaltsausschuss des Bundestages in Unterhosen beim Umkleiden und gegenseitigen Bestaunen im Astronauten-Look mit Asbest abweisenden Schutzanzügen, Mundschutz und Gesichtsmaske. Der Palast der Republik (oder das, was von ihm noch übrig ist) sollte besichtigt werden, und da sind strenge Sicherheitsmaßnahmen geradezu Bestandteil der Einladung.

Von Lothar Heinke

Baumeister Schinkel blickt wohlgefällig von seinem Sockel: Um ihn herum schinkelt es heftig. Da drüben die strahlende Friedrichswerdersche Kirche.

Von Lothar Heinke

Man nehme: etwas Geld, ein Flugticket, ein paar T-Shirts, leichtes Schuhwerk - und schon beginnt die Zeitreise mit der Rolle vorwärts in die übernächste Jahreszeit. Hinein in den Sommer.

Von Lothar Heinke

Ein erster Hauch von Karneval weht durch die Stadt: Hexen und maskierte Leute in Häs-Kleidern zogen gestern zum Reichstag, um die "Schwäbisch-Alemannische Fasnet" einem verblüfften Publikum zu präsentieren. Berlin freut sich über alles Verrückte, aber die Stadt macht sich ihren Jokus selbst.

Von Lothar Heinke
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