Wer nach Abschluss des Jahres 2001 sagen kann: "Alles im Plan", der muss gut gearbeitet haben. Oder er hatte einfach nur Glück oder er schönt die Zahlen.
Alfons Frese
Gerade hatte man gedacht, es könne viel schlimmer nicht mehr werden, und aus dieser Einschätzung ein wenig Hoffnung geschöpft. Da gibt es schon den nächsten Schlag.
Siemens tut es und die Chemie auch, die Großbanken sind ganz groß dabei und in der so genannten New Economy begann es vor gut anderthalb Jahren: Stellenabbau mit der Sense. Hunderttausende von Arbeitsplätzen streichen die Firmen und inzwischen werden auch die ersten Green-Card-Inhaber arbeitslos.
Eines der größten Abenteuer in der Unternehmensgeschichte feiert VW im handverlesenen Kreis. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident Kurt Biedenkopf werden heute mit freundlichen Worten die Risikofreude des Wolfsburger Konzerns würdigen, wenn in Dresden die so genannte gläserne Manufaktur eröffnet wird.
Das Treffen der Genossen hat dann doch nichts gebracht. Vor ein paar Wochen traf der Bundeskanzler die Kollegen Gewerkschaftsbosse, um die konjunkturelle Lage und ihre Auswirkungen auf die Löhne zu erörtern.
Freie Fahrt für Bernd Pischetsrieder. Knapp fünf Monate bevor er Ferdinand Piëch an der VW-Spitze ablöst, hat der Aufsichtsrat die Leitplanken für die kommenden Jahre gesetzt.
Überall wird das Geld knapp. Und wenn doch was da ist, wird es zurückgehalten.
Die wenigsten Fusionen klappen. Die Unternehmenskulturen hätten irgendwie nicht zusammengepasst, sagen dann oft die wieder Geschiedenen und freuen sich über den Schritt zurück: Besser allein, klein und fein, als groß und träge, gelähmt von den Bürokratien einer großen Organisation.
Gut, dass wir Hans Eichel haben. Der Finanzminister trägt unseren Schuldenberg ab, er bringt so langsam den Haushalt ins Lot und zieht uns weniger Steuern aus der Tasche (jedenfalls ein bisschen weniger).
Der eine kommt, der andere geht bald. Der eine verabschiedet sich mit einem Rekordgewinn, der andere muss ein Riesenunternehmen sanieren: Zwei Enkel, von denen der eine den größten Autohersteller Europas geprägt hat und der andere den zweitgrößten Hersteller der Welt umdrehen muss: VW-Chef Ferdinand Piëch hat sich aus dem Schatten seiner Großvaters Ferdinand Porsche befreit, mit William Clay Ford Jr.
Unsere Anführer machen uns Mut. Ob Deutschland am Rande einer Rezession steht?
Das sei kein Schaden für die Konjunktur, meinte Hans Eichel, als er vor wenigen Wochen dem Volk die Erhöhung von Tabak- und Versicherungssteuer verkaufte. Rauchen für mehr Sicherheit - ein starkes Stück des Finanzministers, aber offenbar völlig irrelevant für Binnennachfrage und Wachstum.
Ein schönes Auto, sozusagen ein Klassiker mit moderner Technik, ist der Roadster SL von Mercedes. 30 000 Exemplare wollen die Stuttgarter im Jahr verkaufen, 180 000 Mark das Stück.
Mit ein paar guten Kumpels die Lage erörtern - das macht jeder gerne. Am vergangenen Montag traf sich Gerhard Schröder (Bundeskanzler) mit Rolf Breuer (Deutsche Bank), Jürgen Schrempp (Daimler-Chrysler), Ron Sommer (Deutsche Telekom), Ferdinand Piëch (VW), Jürgen Weber (Deutsche Lufthansa) und Roland Berger (Unternehmensberater), um über die Wirtschaft zu diskutieren.
Wer kein Vertrauen in die Zukunft hat, der investiert auch nicht in die Zukunft. So schlicht ist die Botschaft der jüngsten Konjunkturstatistik aus den USA; die Konsumfreude ist den Amerikanern vergangen.
Die Autofans geben einen Hinweis auf die weitere Entwicklung: Am ersten Tag der IAA kamen ein Fünftel weniger auf das Frankfurter Messegelände als bei der letzten Schau. An der "Faszination Auto" hat der Terror zwar nicht viel zerstört.
Die Zuversicht der US-Amerikaner in die eigene wirtschaftliche Stärke hat einen schweren Schlag bekommen. Und zwar am 2.
Ferdinand Piëch hat schwere Monate vor sich. "Sobald der Nachfolger feststeht, ist der alte König tot, mausetot", meinte der VW-Chef vor einem halben Jahr und sorgte sich, er könne dann in Wolfsburg nicht mal mehr vom Pförtner gegrüßt werden.
Gerhard Schröder spielt cool. Ein gutes Jahr vor der Bundestagswahl sieht der Bundeskanzler fast schon teilnahmslos zu, wie ihm die Wirtschaft die Bilanz verhagelt.
Klaus Zwickel kommt gern "Zur Sache". Zum Beispiel in der gleichnamigen Kolumne der Gewerkschaftszeitschrift "metall".
Der zweitgrößte Autohersteller der Welt fährt auf den wichtigsten Märkten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Während Konzernchef Jacques Nasser in Nordamerika den Abbau von tausenden Stellen ankündigt und Werksschließungen nicht ausschließt, kann der Kölner Ford-Werke-Vorstand Rolf Zimmermann Erfolg in Deutschland melden: Mit einem gutem Focus und einem hervorragenden Mondeo haben sich die Kölner im Kreis der Massenhersteller zurückgemeldet.
Siemens streicht ein paar tausend Arbeitsplätze, die Chemiekonzerne Bayer und BASF schließen ganze Fabriken, und der Gewinn der Commerzbank sinkt um 74 Prozent. Die aktuellen Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft sind schlecht, die Konzerne verdienen deutlich weniger.
Ostdeutschland zwischen Euphorie und Pessimismus: Hier Milliardeninvestitionen in der Fahrzeug- und Chipindustrie, dort Massenarbeitslosigkeit und Abwanderung. Welche Unternehmen prägen den Standort Ost wirklich?
Karstadt: 5000, Siemens: knapp 10 000, Infineon: 5000, Ericsson: 15 000, Chrysler: 26 000. Die Stellenabbau-Pläne großer Konzerne sind deprimierend.