In der Autoindustrie vergeht keine Woche ohne spektakuläre Nachrichten. Werksschließungen oder große Internetpläne, Übernahmen oder strategische Allianzen prägen derzeit das Bild der Branche.
Alfons Frese
Jürgen Schrempp fühlt sich wie ein Prophet unter Ungläubigen. Da macht er fast alles richtig, führt DaimlerChrysler von Rekord zu Rekord, lässt Einiges zurück, um Neues zu beginnen, konzentriert den Konzern voll auf das Autogeschäft - und die Anleger interessiert das alles nicht.
Das ist gemein: Ein britischer Gewerkschafter appelliert an James Bond, künftig bei der Erledigung seiner britisch-patriotischen Rettungsaktionen auf die Dienste seines BMW zu verzichten. Denn BMW hat Rover verkauft - und England verraten.
Was macht eigentlich Ferdinand Piëch? Der Kollege Jürgen Schrempp will "Weltstandards" im Internet setzen, Wendelin Wiedeking steuert Porsche zu Renditen, von denen andere Autohersteller nur träumen, und BMW-Chef Joachim Milberg hat sich in der teuren Angelegenheit Rover zu einem Befreiungsschlag durchgerungen.
Die Automobilbranche wird übersichtlich, bald läßt sich die Zahl der Hersteller an zwei Händen abzählen. Es kommt nun, wie es kommen musste: Mit der schwächeren Autokonjunktur setzt sich das Fusionskarussel schneller wieder in Schwung.
Die Integration ist geschafft. Jürgen Schrempp hält sich und die 470 000 Mitarbeiter von DaimlerChrysler unter Dampf.
Das war so etwas ähnliches wie eine "Ruck-Rede", was Ron Sommer da in der Berliner Jägerstraße zum Besten gab: Deutschland müsse zur "Online-Nation" werden, reklamierte der Telekom-Chef in der neuen Hauptstadtrepräsentanz des Unternehmens. Die Zukunft des Landes, da war sich der Konzernchef mit dem Kabinettschef Gerhard Schröder einig, liege im Internet.
Feiertage in der Autoindustrie: Am Montag erste Spatenstiche für ein neues Porsche-Werk in Leipzig, am Dienstag Baubeginn für die angeblich modernste Autofabrik am Opel-Sitz in Rüsselsheim. Deutschland baut seine Stellung als wichtigster Autostandort neben den USA und Japan aus.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - dieser Leitsatz der gewerkschaftlichen Interessenvertretung ist inzwischen eine Phrase. Das zeigt nicht nur der Abschluss im Bankgewerbe: "alte" Bankangestellte erhalten künftig für die Arbeit am Sonnabend Zuschläge, "neue" Mitarbeiter dagegen nicht.
Er versteht sich als oberster Lobbyist von Arbeitnehmerinteressen, doch Klassenkampfparolen sind im fremd. Und obwohl die Grundlagen seiner Karriere in einer "alten" Industrie, der Stahlbranche, gelegt wurden, hat er sich das Image eines Modernisieres verschafft: Dieter Schulte, seit 1994 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), begeht heute seinen 60.
Als die deutschen Autohersteller 1993/94 in eine schwere Krise fuhren, nahm ein Unternehmen eine andere Richtung: BMW blieb im schwarzen Bereich, während die anderen in die roten Zahlen rutschten. Ob sich das bei dem bevorstehenden Absatzrückgang wiederholen wird?
Ein erstes Signal über die Tarifrunde 2000 kommt am heutigen Dienstag aus Frankfurt. Der Vorstand der IG Metall beschließt die Lohnforderung für die kommenden Verhandlungen.
Michael Fuchs schwant schon Böses. Mit den bislang angedeuteten Tarifforderungen für das kommende Jahr verabschiedeten sich die Gewerkschaften "von der wirtschaftlichen Realität", klagt der Präsident des Groß- und Außenhandels.
Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner macht einen guten Job. Als der Verantwortliche für Wirtschaftspolitik muss er trommeln, im Regen auf gut Wetter machen und von einer glänzenden Zukunft reden.
Rumms. So schnell werden aus Sozialpartnern Bündnisgegner.
Der Coup ist gelungen: VW-Chef Ferdinand Piëch holt seinen früheren Kontrahenten Bernd Pischetsrieder in den Vorstand und trifft damit auch eine Vorentscheidung über die eigene Nachfolge. Wenn Piëch im Jahr 2002 abtritt, dürfte der ehemalige BMW-Chef Pischetsrieder das Steuer von Europas größtem Autohersteller übernehmen.
Gut so: Der Europäische Gerichtshof hat die Entscheidung der EU-Kommission in Sachen VW bestätigt, wonach der Autokonzern vom Land Sachsen 241 Millionen Mark weniger bekommt als ursprünglich vorgesehen; 241 Millionen Steuermark, wohlgemerkt. Unstrittig waren und bleiben Investitionszuschüsse für VW in Höhe von 539 Millionen Mark.
Das Bündnis für Arbeit schafft Arbeit: für den Bundeskanzler und seine Minister, für Gewerkschaftsvorsitzende und Verbandspräsidenten, für Hauptgeschäftsführer und Referenten, für Wissenschaftler und für Journalisten. Ein Medienspektakel, in dem ältere Herren die Öffentlichkeit glauben machen wollen, sie könnten Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit beeinflussen.
Der Kleinste ist der Feinste. Porsche hat doppelt so viel Gewinn eingefahren wie im Vorjahr.
Hausaufgabe nicht gemacht. Sechs.
Respekt: Zwar nicht mit begeistertem Schwung, aber immerhin ziemlich sicher haben die beteiligten Gewerkschaften eine weitere Hürde auf dem Weg zur Dienstleistungsgewerkschaft Verdi genommen. Der angepeilte Zusammenschluss von ÖTV und DAG, Postgewerkschaft, IG Medien und Handel, Banken, Versicherungen ist der größte Fusionsprozess in der Geschichte der deutschen Gewerkschaften.
Wir brauchen wieder eine zündende Idee, meinte der IG Metall-Vize Jürgen Peters. So ist es, sprach der Vorsitzende Klaus Zwickel.
Gerhard Schröder ist angeschlagen. Eine Grippe.
Auf den ersten Blick nicht schlecht: Industrie und Handel stellen gut zehn Prozent mehr Lehrstellen zur Verfügung. Nach Abzug der Plätze, die im Rahmen des Sofortprogramms der Bundesregierung finanziert werden, bleibt immerhin noch ein Plus von 4,5 Prozent.