"Lohnsklaverei in ungeschützten Arbeitsverhältnissen für die Mitarbeiter, weniger Leistungen für Patienten": Der Personalrat der Charité-Universitätskliniken in Mitte und Wedding setzte sich gestern vehement gegen Privatisierungspläne an beiden Häusern zur Wehr. Die Charité müsse weiterhin in öffentlich-rechtlicher Verantwortung betrieben werden, forderte er gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft "verdi" auf einer Personalversammlung.
Christoph Stollowsky
Veraltete Löschfahrzeuge, zu wenig Messwagen für ABC-Alarm, Ausbildungslücken bei den Rettern, ein mangelhaftes Warnsystem für die Bevölkerung: Berlin ist für Katastrophen mit New Yorker Ausmaßen unzureichend gerüstet. Das sagen Experten von Feuerwehr, Polizei und Innenverwaltung.
Brücken, Kronen oder Zahnersatz sind in Berlin bis zum Jahresende keine garantierte zahnärztliche Leistung mehr, sondern ein Glücksfall - je nachdem, ob der Zahnarzt sein Honorarbudget für 2001 schon ausgeschöpft hat. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung hat jeder zweiten der 2650 Zahnarztpraxen in Berlin eine "Warnmitteilung" geschickt.
Anti-Kriegs-Demos vor dem Roten Rathaus, Friedenstauben auf Luftballons, Kinder mit Plakaten in den Händen: "Ich will keinen Krieg": Während die meisten Menschen mit bangen Gefühlen auf den amerikanischen Gegenschlag warten, wächst die Zahl der aktiven Kriegsgegner auch in Berlin von Tag zu Tag. Unterschiedlichste Gruppen treten zusammen auf, nachdem sie den ersten Schock überwunden und ihre Sprache wiedergefunden haben.
"Gut gemeint - aber ein Flop": Sprecher von Polizei und Verkehrsbetrieben kommentierten gestern den ausgerufenen "autofreien Sonnabend" mit nahezu gleichen Worten. Schon frühmorgens brummte der Verkehr wie eh und je durch die Stadt.
Wieviel darf ein niedergelassener Arzt pro Patient für Arzneimittel ausgeben? Mit welcher Summe er bei Verschreibungen auskommen muss, ist den Pro-Kopf-Pauschalen oder Richtwerten zu entnehmen.
Offiziell verkünden beide Gegner, man komme sich näher und werde intensiv verhandeln - doch zugleich nimmt das Hin und Her um die Bezahlung einer ganzen Reihe von strittigen Arzneimitteln für Krebs-und Multiple-Sklerose-Kranke in Berlin teils bizarre Züge an. Ärzte und Patienten halten an den Medikamenten fest, weil sie nach ihrer Überzeugung langjährig erprobt sind, nachweislich Erfolg haben und häufig vor Nebenwirkungen schützen, die bei anderen gängigen Präparaten auftreten können.
Kalt und verregnet - einfach grottenschlecht: Wer sich am Wochenende zum Grillen traf, fand am wärmenden Kohlegeknister oft mehr Gefallen als an Steaks und Würstchen, wer ins Freibad strebte, gehörte zum Kern der ganz und gar Abgehärteten. Sommer vorbei, Pelzjacke raus, um Himmelswillen den Schal nicht vergessen.
Krebspatienten werden Medikamente verweigert, die ihnen nachweislich geholfen haben. MS-Kranke müssen um Arzneien kämpfen, die sie vom Gehstock befreiten und jahrelang von ihrer Kasse bewilligt wurden.
Vielleicht ist es in Berlin nur noch eine Frage der Zeit, bis auf einem Grabstein steht: "Leider zahlte die Kasse die Medikamente nicht." Das mag zynisch klingen, entspricht aber der Wirklichkeit.
An der Pforte liegen Unterschriftenlisten aus. "Finger weg von unserem Kiezkrankenhaus.
Freiflüge gestrichen, keine Gratis-Fahrten mehr im ICE: Die Zeit der Privilegien für Mitarbeiter des Bundes, die noch immer zwischen Berlin und Bonn pendeln, ist für viele in den vergangenen Wochen abgelaufen oder wird demnächst vorbei sein. Doch etliche reisen offenbar weiterhin umsonst übers Wochenende vom Schreibtisch an der Spree zur Familie in Bonn - nun allerdings auf krummen Touren.
"Die sozialen Hilfsangebote bleiben erhalten, Renten und Löhne werden weiter bezahlt": Sprecher des vom Ruin bedrohten Rot-Kreuz-Landesverbandes äußerten sich am Freitag zur Zukunft ihrer Organisation ähnlich optimistisch wie Ärzte im Hinblick auf eine aussichtsreiche Notoperation. Das Wunder der finanziellen Genesung soll beim DRK ein Insolvenzplan ermöglichen, dessen Grundzüge jetzt vorgestellt wurden.
Offenbar aus Verzweiflung über ihre finanzielle Not hat eine 38-jährige Frau aus Wilmersdorf in der Nacht zum Donnerstag versucht, ihren Ehemann und ihre drei Kinder umzubringen. Sie verabreichte allen Vieren in der gemeinsamen Wohnung an der Ahrweiler Straße eine in Wasser aufgelöste Überdosis Tabletten.
Berlins niedergelassene Krebsärzte kämpfen zur Zeit in ihren Praxen an zwei Fronten: gegen die tückische Krankheit und gegen die gesetzlichen Krankenkassen. Etliche Kassen haben nach Darstellung des Verbandes der internistischen Onkologen und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) deutlich signalisiert, dass sie bestimmte chemotherapeutische Präparate in Zukunft nicht mehr bezahlen wollen, obwohl diese aus Sicht der Ärzte "seit Jahren erfolgreich eingesetzt werden.
Immer mehr niedergelassene Ärzte in Berlin kommen mit den Arzneimittelbudgets ihrer Praxen nicht zurecht und müssen mit hohen Rückzahlungsforderungen der gesetzlichen Krankenkassen rechnen. In den vergangenen Tagen erhielten 972 Praxen eine solche Hiobsbotschaft für das Jahr 1999, knapp 16 Prozent mehr als bei den Prüfverfahren für 1998.
Nach dieser Post brauchten manche Ärzte ein Beruhigungsmittel: Fehlendes Augenmaß wird ihnen vorgeworfen, viel zu großzügig hätten sie ihre Patienten im Jahr 1998 mit Medikamenten und Heilmitteln versorgt. Deshalb sollen 260 niedergelassene Ärzte jetzt 10 000 bis 150 000 Mark pro Praxis an die Kassen zahlen.
Die AOK-Beiträge steigen in Deutschland auf breiter Front, doch in Berlin müssen Versicherte der Allgemeinen Ortskrankenkasse keine höheren Abzüge fürchten. "Unser Beitragssatz bleibt stabil", sagte gestern der Vorstandschef der Berliner AOK, Rolf Müller.
Die AOK-Beiträge steigen in Deutschland auf breiter Front, doch in Berlin müssen Versicherte der Allgemeinen Ortskrankenkasse keine höheren Abzüge fürchten. "Unser Beitragssatz bleibt stabil", sagte gestern der Vorstandschef der Berliner AOK, Rolf Müller.
Betriebsräte im Dauerstress, Schwestern, Pfleger und Ärzte unter Hochspannung. Am Dienstag gab es in den Krankenhäusern und allen weiteren Gesundheitseinrichtungen der Berliner Klinik GmbH "Vivantes" nur ein Thema: Die am Montag vorgestellten Pläne der Geschäftsführung zur Neuorganisation des Gesundheitskonzernes.
"Vivantes" hat sich viel vorgenommen: Innerhalb weniger Jahre will Berlins größte Krankenhaus-Gesellschaft kein zufälliger Zusammenschluss etlicher Gesundheitseinrichtungen mehr sein, sondern Deutschlands größter Klinikkonzern mit "besten Leistungen" und einer ausgeglichenen Bilanz. Bisher stand "Vivantes" unter schlechten Vorzeichen in der Presse: Jüngst hieß es, das im November 2000 vom Land Berlin zusammengestrickte Unternehmen, unter dessen Dach zehn Krankenhäuser fusionierten, stehe vor der Zahlungsunfähigkeit.
Hochspannung in der Redaktion jeden Sonnabend gegen 20 Uhr, wenn die jüngsten Lottozahlen über die Agenturen laufen. Ein Spätredakteur muss sie ins Blatt bringen, und dieser Kollege ist nicht zu beneiden: Tonnenschwer lastet die Verantwortung auf seinen Schultern.
Kein Streifenwagen am Unfallort, falls es nur leicht gekracht hat. Keine Aufpasser mehr in Polizeiuniform vor Botschaften und kein Polizist mehr weit und breit bei kleineren Demos in der Stadt - stattdessen bewältigen private Wach- und Sicherheitsfirmen solche Aufgaben.
Aufstand im Tierheim Lankwitz. Wegen der drohenden Tollwut in Berlin stand im Dezember 1950 eine amtliche Veterinärin mit der Giftspritze vor der Tür.