Die Lippen sind natürlich rot bemalt. Und zwischen den Lippen klebt eine Zigarette.
Frank Bachner
Morgen wird Dieter Thomas Heck Werbung machen für ihn, im ZDF, zur besten Sendezeit, im "Showpalast". Na ja, Heck macht eigentlich nicht direkt für ihn, für die Person Charles Friedeck oder den Dreispringer Friedeck.
Noch heult keiner "Skandal", und hoffentlich bleibt das auch so. Mit den Urteilen im Ewald-Prozess kann man leben.
Ein stümperhafter Kontrolleur hat Dieter Baumann aus dem Netz der Dopingjäger befreit und damit das gesamte Kontrollsystem mehr denn je in Frage gestellt. Die "geradezu unglaubliche Sorglosigkeit" im Umgang mit den Urinproben war nach der am Freitag komplett veröffentlichten 25-seitigen Begründung ausschlaggebend für den Freispruch des Olympiasiegers durch den Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).
In den Fluten des Rotsees versank ein Mythos. Der Deutschland-Achter, Donnerwetter, darf nicht nach Sydney.
Es gibt dieses Bild. Jörg Hoffmann auf seiner Harley, mit Cowboystiefeln und Sonnenbrille, den Körper lässig zurückgelehnt, die Arme ausgestreckt an der hochgezogenen Gabel, irgendwo auf einer Straße, ein Mann auf dem Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit.
Vielleicht gib es ja im Doping-Prozess einen geheimen Hinweis des Gerichts: Wer ein gutes Plädoyer hält, muss beim Urteil mit Nachteilen rechnen. Vielleicht?
Manfred Ewald hatte wieder dieses Maskenhafte. Dieses Starre, fast Leblose.
Kann ja sein, dass sich jetzt ein paar Sponsoren bei Dieter Baumann melden. Wäre sogar logisch.
Selbstverständlich hat man einige Sätze von Klaus-Heinrich Debes sofort begriffen. Den zum Beispiel: "Ich fordere für die Angeklagten Manfred Ewald und Manfred Höppner eine Strafe von jeweils zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird.
In einen Biergarten wollten sie. Am Abend aber war es in Nürnberg richtig kalt, und deshalb sind sie wohl doch in eine Kneipe.
Das war nun wirklich Pech für Pat Butcher. Gestern morgen war er von London nach Berlin gejettet, im Auftrag der Zeitung "Sunday Times", und dann stand er pünktlich da im Landgericht Moabit, Saal 501, Ort des Ewald-Dopingprozesses.
Nach dem Arzt-Termin dauerte die Karriere der Kugelstoßerin Simone Machalett noch genau ein Gespräch lang. "Ich höre sofort mit dem Sport auf", sagte sie ihrer Trainerin beim TSC Berlin, dann war Schluß.
Wenn eine Orgie der Gewalt tobt, verliert man leicht ein paar Dinge aus den Augen. In Kopenhagen flogen Steine und Stühle, in der Türkei starb ein Mann durch einen Messerstich.
Plötzlich war das Bild der Vergangenheit nur noch ein alter, gebrechlicher Rentner, der müde wirkte, nur müde. Schon dieses Bild überraschte Rica Reinisch.
Manchmal erinnert Dieter Hoeneß an einen dieser Arbeitselefanten. Die senken den Kopf, schütteln ihn ab und zu und trotten mit schwerfälligen Schritten vorwärts.
Irgendwann hatte Catherine Menschner nur noch einen Wunsch: "Ich möchte über den Tisch springen und diesem Typen ins Gesicht schlagen." Möglicherweise war das in jenem Moment, in dem Carola Beraktschjan der Gedanke durchzuckte: "Hier werde ich gerade verscheißert.
Schwierig, die Frage, sehr schwierig. Läuft er aus in diesem Sommer, Herr Stallmaier, ihr Vertrag mit dem Volleyball-Bundesligisten Eintracht Berlin?
Der Regieraum des staatlich verordneten Schreckens war gerade mal drei Quadratmeter groß. Für einen richtigen Schreibtisch reichte der Platz nicht.
Warum der Prozess gegen Ewald / Hoeppner schon nach ein paar Minuten spektakulär unterbrochen werden könnteFrank Bachner Kurz nach neun Uhr wird Rechtsanwalt Jan Mohr aufstehen im Saal 501 des Landgerichts Moabit. "Hohes Gericht", wird der Vertreter der Nebenklage sagen, "ich beantrage eine Unterbrechung des Verfahrens.
Der selbsternannte Champions-Leage-Anwärter quält sich in Ulm zu einem Sieg, von dem später keiner mehr wissen will, wie er zustande kamFrank Bachner Als alles vorbei war, nachdem der Fußball-Bundesligisten Hertha BSC den SSV Ulm mühsam 1:0 besiegt hatte, nickte Moderator Stefan Thies zum Ulmer Trainer Martin Andermatt und eröffnete dann die Pressekonferenz mit beachtlichem Mut: "Wir haben", verkündete Thies, "ein ganz ansehnliches Spiel gesehen." Sicher.
Offenbar war ein weißer Elefant durchs Gestrüpp getrampelt. Oder Helmut Kohl joggte in Bermuda-Shorts.
So einer ist Führungsspieler? Läuft im Training immer am Ende der Gruppe, weil sonst seine Muskeln übersäuern, ist seit drei Jahren im Verein und war fast die Hälfte dieser Zeit verletzt, hat nur eine Ausbildung als biederer Manndecker, und wenn er den Mund aufmachte, hörte kaum einer zu.
Die Chance war groß, und Hertha BSC hat sie nicht genutzt. 38 000 Zuschauer im Olympiastadion sahen ihre Mannschaft zwar fast ständig in der Vorwärtsbewegung.