Auf manchen europäischen mittelalterlichen Gemälden ist die Seele von Sterbenden ein zartes Flügelpaar, das dem Himmel entgegenschwebt. Auch im heutigen Japan können die Seelen fliegen.
Silvia Hallensleben
Dreckfresser: So nannte sich Sam Meffire selbst. Berühmtester Polizist Sachsens: So nannten ihn andere.
Ein Gespenst geht um, auf einer Insel vor der kroatischen Küste. Ein Ein-Mann-Gespenst, der Kommunismus nicht gerade, aber immerhin sieht es aus wie der Marschall Tito, der den Sozialismus brachte in ein Land, das Jugoslawien hieß.
Russische Filme können in ihrem Kunstwillen manchmal schrecklich langweilig sein. Meist spricht die Kritik dann von Tschechow, alles ist sehr allegorisch gemeint und zum Inventar gehört neben Kristallglas und Spitzendeckchen unbedingt ein altes Grammophon.
Hörbücher sind ja angeblich zur Zeit der große Hit. Hörkino dagegen war und bleibt wohl verständlicherweise auf ewige Zeit eine exotische Rarität.
Manchmal gibt es auch gute Nachrichten aus der langsam ausblutenden Berliner Kino-Landschaft. Endlich steht einmal eine Eröffnung auf dem Plan.
Noch bevor sie richtig die Augen aufmachen können, werden Kinder heutzutage schon mit jener Sorte dummbräsiger Bilder bombardiert, die sie ihr Leben lang unfreiwillig begleiten werden: Grinsebacken und anderes Knuddelgetier. Der neueste Lieferant solcher Bilder ist ein Fernseh-Programm, das sich an die bisher vernachlässigte Altersgruppe der Drei- bis Fünfjährigen richtet, denen auch gleich ein Etikett verpasst wird: "Tweenies".
Damals waren sie richtige Stars, die Jungs von "Dynamo Kiew". Umjubelt von Fans, argwöhnisch hofiert von der Staatsmacht, umworben auch vom Rest der Sportwelt, die den Stürmer Oleg Blochin 1975 - gegen Johan Cruyff und Franz Beckenbauer!
Vor einigen Tagen, die Nachricht konnte kaum einem Bewohner der leidlich zivilisierten Erde entgehen, ging eine fraglos weltbewegende Meldung durch die Presse. Ein paar britische Gerichtsmediziner haben sich nämlich nach 2000 Jahren reliquiengeschwängerten Nichtstuns daran gewagt, endlich ein wissenschaftlich fundiertes Jesus-Bild zu rekonstruieren.
Diskussionen über Sinn und Unsinn von Frauen-Film-Festivals findet Silke Johanna Räbiger nur noch langweilig. Trotzdem wird sie immer wieder mit ihnen konfrontiert - von potenziellen Sponsoren etwa oder anderen Geldgebern.
Nahe der Route Nationale 7, einer der französischen Über-Landstraßen, an deren Rand mitunter Prostituierte in ihren Wohnwagen auf Kunden warten, steht ein diskret katholisch geführtes Heim für schwer Körperbehinderte. Hier wird die Entmündigung in die Form fürsorglicher Zuwendung gegossen.
Lange schon, bevor New Media- und Internet-Firmen begannen, brachliegende Fabrikanlagen zu prunkenden Lofts hochzurüsten, wurden die Hinterlassenschaften verstorbener oder weitergezogener Industrie-Branchen von findigen Nachfolgern zum Eigenbedarf recycelt. So wurde schon 1920 in Berlin-Johannisthal eine Flugzeugwerft von der boomenden Filmproduktion übernommen.
1954 wurde Jean-Marie Téno in einem Dorf im Westen Kameruns geboren. Als er elf Jahre alt war, zog die Familie in die Hauptstadt Yaounde.
Wer "Flusspferde" (1993), den letzten Film von Karl Kels gesehen hat, dem kommt das Szenario von "Elefanten" eigenartig vertraut vor. Auch hier wieder der unbeirrt starre Kamera-Blick auf die Vorderfront eines Zoo-Wohngeheges.
Wenn Filmemacher in ihrer eigenen Familienvergangenheit kramen, ist das auch für die Kinogeher ein heikles Thema. Zu gering ist oft die Distanz, zu groß die Betroffenheit.
Diesmal heißt sie Renate. Renate ist eine dieser Frauen, von denen man manchmal denkt, dass es sie nur in den Filmen von Volker Koepp gibt.
Ein Film mit dem Titel "As I Was Moving Ahead Occasionally I Saw Brief Glimpses of Beauty" kann eigentlich nicht schlecht sein. Erstmal ist er einfach nur schön anzusehen.
Japan ist angesagt, besonders bezüglich Mädchen, T-Shirts und Comic-Figuren. Doch Japan ist auch immer noch ein stockpatriarchales Land, in dem unverheiratete Frauen schon mit Mitte zwanzig Probleme kriegen.
Viele junge Filmemamcher, die an der Wiederbelebung des deutschen Kinos mitwirken, sind Türken. Auch Ferzan Ozpetek ist 1959 in Istanbul geboren, doch er lebt nicht in Berlin, sondern seit 1978 in Rom.
Zugegeben: Mexikanische Melodramen und Jazzfilme sind auch nicht schlecht. Doch die bewegendsten Momente hatte die Mitternachtsreihe des Forums immer dann, wenn alle chinesischen Köche Berlins nach Küchenschluss ins Delphi drängten, um uns Langnasen durch heimtückisch platziertes Gelächter zu demonstrieren, dass wir beim Untertitel-Lesen wieder einen Witz verpasst haben.
Es war beim vorletzten James Bond: Zum ersten Mal blickten viele westlicher Kinozuschauer bewusst auf eine Schauspielerin, die damals in ihrer asiatischen Heimat längst legendären Ruhm besaß. Michelle Yeoh Choo Kheng, 1963 geboren, hatte als Ballettänzerin und Schönheitskönigin begonnen, sich aber schon bald von ersten Filmrollen als Kung-Fu-Polizistin zum Star des asiatischen Actionkinos hochgearbeitet.
Bei den deutschen Kinostarts geht es zur Zeit zu wie auf einem Verschiebebahnhof. Die Gleise sind hoffungslos überfüllt, doch wöchentlich kommen neue Züge herangedonnert.
Man nehme drei alte Damen, einen unerfüllten Herzenswunsch und dessen Scheitern am bösen Geld. Man statte die Damen mit skurrilen Charakterzügen aus und schicke sie auf eine nie beginnende Reise.
"Süßer, ich liebe dich noch". So richtig süß sieht der alte Mann in der Badehose nicht aus, der da gerade auf dem Fernsehschirm den Meeresfluten entsteigt.