Zwei Familienfotos. Beide zeigen den Kreis der Lieben, orgelpfeifenartig um den pater familias nebst Mama aufgebaut.
Silvia Hallensleben
Herrlicher Altweibersommer im Rheinland. Doch die Weiber waren eisern - und die Kinos gut gefüllt bei der Feminale in Köln, dem größten Frauenfilmfestival der Welt, mittlerweile im zehnten Durchgang.
Als 1989 in Deutschland die Mauern fielen, bedeutete das für ein knappes Dutzend Menschen den Anfang vom Ende ihrer - begrenzten - Freiheit. Diese Menschen, viele von ihnen Frauen, waren ehemalige Kämpfer der RAF, die sich aus der Aussichtslosigkeit ihrer Lage nach dem Deutschen Herbst 1977 abgesetzt hatten.
Die Schweiz: Trachtentragende Eidgenossen, zerschossene Äpfel, frühe Männerdemokratie. Eine Festung mit Bunkern und Volkssturmtruppen.
Kürzlich war in den Zeitungen von einem gewissen José Bové zu lesen. Etwa ein Jahr ist es her, da hat dieser Bové die Baustelle einer französischen McDonalds-Filiale angegriffen, aus Protest gegen die "mondialisation" im allgemeinen und gegen die "malbouffe", das importierte fast-finger-food im Besonderen.
Die Meldungen aus der tschechischen Kinolandschaft klingen oft so, als wären die Filmemacher dort vor allem damit beschäftigt, in imaginären Boxkämpfen Hollywoodknaller niederzukonkurrieren: mit Erfolg natürlich. "Akumulátor schlägt Jurassic Park", heißt es dann.
Wie für viele Schulkinder waren auch für mich neben Weihnachten die Sommerferien der wichtigste Termin im Jahr. Sechs Wochen Freiheit, in der Erwartung unendlich.
"Armer Hansi" hieß der Film, mit dem die 1941 von Goebbels gegründete Zeichenfilm GmbH 1943 versuchte, Disneys "Schneewittchen" Konkurrenz zu machen. Goebbels war Disneyfan.
Alte Frage: Ob man im Umfeld von Ausschwitz lachen darf? Wo denn, wenn nicht hier?
Vor einigen Tagen hat der Filmkritiker Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung einige eher abfällige Bemerkungen über das iranische Kino von "Kiorastami und Konsorten" gemacht, weil es nur das vorgefertigte Bild erfülle, das sich der Westen eh schon von ihm mache. Anlass für Kniebes Schlag war die Cannes-Premiere des neuen Films der jungen iranischen Regisseurin Samira Makhmalbaf, die letztes Jahr dort mit "Der Apfel" debütiert hatte.
Manchmal gibt es Dinge auf dieser Welt, die könnte sich ein Satiriker gar nicht besser ausdenken. Centralia etwa, diese Stadt mitten im plattesten Illinois, deren Downtown ein schäbiger Hamburgerpalast ziert.
Es gibt Filme, die verschwinden - zu Recht oder Unrecht - aus dem Kino, bevor sie dort richtig angekommen sind. Es gibt "Sleeper", die kommen spät, aber beharrlich.
Dieser Film fängt so an, wie die "Lindenstrasse" aufhört. Die Kamera zoomt von einer Straßenecke zurück, und dann biegt von rechts ein Bus um die Ecke.
Ob man ihn denn nun als "Einstein des Sex" bezeichnen könne, wird der deutsche Sexualforscher Magnus Hirschfeld 1930 von amerikanischen Journalisten gefragt. Hirschfeld akzeptiert, setzt aber kokett eins drauf.
James Moll drehte den ersten Kino-Dokumentarfilm der Shoah FoundationSilvia Hallensleben 825 000 Juden lebten 1941 in Ungarn. Als das Land im Januar 1945 von der Roten Armee befreit wurde, waren 620 000 von ihnen ermordet.
Vor ein paar Monaten hat ein Rasenmäher Filmgeschichte gemacht, weil er einen alten Herrn im Schuckeltempo durch den amerikanischen Mittelwesten transportierte. David Lynchs "The Straight Story" ist - unter anderem - ein Hochgesang auf die Langsamkeit.
Der Kosmos steckt in jedem Sandkorn - Von der Leere lernenSilvia Hallensleben Vor einigen, wahrscheinlich doch wieder schon vielen Jahren, waren Wüstenerlebnisse einmal das Nonplusultra westlich-urbaner Reisekultur. Der Sahara-Trip, wie es alternative Reiseführer nennen würden, "ein Muss" im Sozialarbeiter-Lebenslauf.
Die schlechte Nachricht zuerst: Einen vierstündigen Filmessay aus Korea mit holländischen Untertiteln gibt es im diesjährigen Forum nicht. Die gute Nachricht: Dafür gibt es "Teatro Amazonas".
Grosny ist nur noch toter Stein, eine Gespensterstadt. Die Russen haben, sagen sie, kein Geld für den Wiederaufbau.
Vielleicht kommen die naivsten und unschuldigsten europäischen Filme noch immer vom Rande des Kontinents. Von der Ägäisinsel Chios etwa, wo der Orient ganz nah ist und Brüssel sehr fern.
In dem tschechischen Film "Knopflikari" (Knöpfler, 1997) von Petr Selenka gibt es eine Episode, in der ein aus Amerika heimgekehrter Japaner den Daheimgebliebenen vom american way of life vorschwärmt. Neben dem kalifornischen Wetter hat es ihm dabei vor allem die Kunst des verbalen Fluchens angetan.
Manchmal hat man das Gefühl, bei bestimmten französischen Filmen an einem grossen Familientreffen teilzuhaben. Haben wir die Schauspielerin Sandrine Kiberlain nicht erst vor kurzem in einer Rolle, gesehen, die nicht gerade identisch war, aber doch ähnlich genug, um sie in der Erinnerung verschmelzen zu lassen?
Der Körper als Landschaft betrachtet, Täler und Kuppen, durch Kameraperspektive und Ausleuchtungskunst herausgemeißelt. In den dreißiger Jahren hat die Fotografie solche neuen Blickerlebnisse für sich entdeckt.
Sex & Crime & Selbstausbeutung - Streifen aus den wilden sechziger JahrenSilvia Hallensleben Als "Terminal Island" 1976 in London gezeigt wurde, gab es heftigen Protest der britischen Frauenbewegung. Das Kino, so die Frauen, und speziell solche Schmuddelware löse die grassierende Gewalt gegen Frauen überhaupt erst aus.