Die kleinen Oppositionsparteien profitieren von der schwarz-roten Ehe. Die SPD bricht tief ein. Der große Erfolg der FDP beschert Angela Merkel eine zweite Amtszeit mit neuem Partner.
Albert Funk
Bessere Werte für beide Parteien im Politbarometer / Schwarz-Gelb vorn, aber es reicht nicht zum Regieren.
Die vorgezogene Wahl von 2005 führte zu einer großen Koalition. Die rot-grünen Macher Gerhard Schröder und Joschka Fischer mussten gehen. Ins Kanzleramt zog Angela Merkel ein – trotz schwachen Abschneidens.
Der bayerische Ministerpräsident wurde 2002 nicht Kanzler - das bereitete der CDU-Chefin den Weg. Gerhard Schröder schaffte es trotz durchwachsener Bilanz noch einmal, nicht zuletzt wegen der Grünen.
Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik löste die Opposition die Regierung direkt über Wahlen ab. Der Machtwechsel zu Rot-Grün stürzte die CDU in die Krise.
Zerstritten und zerrissen gingen die Sozialdemokraten in die Wahl von 1994 – am Ende lag Schwarz-Gelb noch einmal vor Rot-Grün. Aber es war ganz knapp.
Die deutsche Einheit wird demokratisch besiegelt. Schwarz-Gelb gewinnt, weil SPD und Grüne dem historischen Moment zu wenig abgewinnen können.
Trotz Affären und einer mauen Bilanz: Schwarz-Gelb unter Bundeskanzler Helmut Kohl bekommt eine zweite Amtszeit beschert.
Ende 1982 platzt die sozialliberale Koalition, die FDP wechselt die Seite. Helmut Kohl will seine neue Regierung im März 1983 vom Volk bestätigen lassen – ein riskantes Manöver, vor allem für die Liberalen.

Die neueste Politbarometer-Messung zeigt einen leichten Aufwind für SPD und Grüne. Aber von einer Koalitionsmehrheit sind die Wunschpartner noch weit entfernt. Angela Merkel wünschen sich doppelt so viele Wähler an der Spitze der nächsten Regierung wie Peer Steinbrück. Drohnen- und NSA-Affäre zeigen keine Wirkung.
CSU-Chef Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidat der Union: Er bescherte der angeschlagenen sozialliberalen Koalition noch einige Jahre an der Macht - und machte Helmut Kohl wieder stark.
Helmut Schmidt wurde in der Wahl 1976 als Bundeskanzler bestätigt – und Helmut Kohl legte das Fundament für die Amtsübernahme sechs Jahre später.
1969 öffnet sich die FDP nach links, Willy Brandt wird Kanzler einer sozialliberalen Koalition. Und beginnt eine gesellschaftspolitische Großreform.
1965 wurde der CDU-Politiker Ludwig Erhard als Kanzler bestätigt. Ein Jahr später war er gestürzt. Die Große Koalition begann – ohne Neuwahlen.
Die SPD verlor zwar die Wahl 1961 – aber es war eine Niederlage mit Aussicht. Denn nun begann der unaufhaltsame Aufstieg der Sozialdemokratie zur Kanzlerpartei
Wie Konrad Adenauer die Union 1957 zur absoluten Mehrheit führte – und warum die Niederlage für die SPD gar nicht so schlecht war.
Mit Adenauers Wahlsieg begann 1953 die bundesdeutsche Kanzlerdemokratie – seither geht es in allen Wahlen nicht zuletzt um die Frage: Wer wird Regierungschef?
Die erste Bundestagswahl: Polemik bestimmte den Wahlkampf, die Favoritin SPD unter Kurt Schumacher verlor - und Konrad Adenauer wurde Kanzler.
Der „Soli“ sollte nicht ewig gelten – das versprach einst eine schwarz-gelbe Regierung. Doch wie sieht es wirklich um die Ergänzungsabgabe aus?

Der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen wirft der schwarz-gelben Koalition Versagen vor. Die Wahlprogramme der Parteien sieht er kritisch: Sie brächten nur zusätzliche Belastungen.

Angela Merkel will den "Soli" über 2019 hinaus beibehalten. Doch alte Dokumente zeigen: Der "Soli" sollte nicht für ewig gelten, und er sollte an den Aufbau Ost gebunden sein. Das versprach einst die schwarz-gelbe Regierung - Merkel saß im Kabinett.
Bundestagswahlkämpfe waren immer spannend. Der Rückblick zeigt: Jeder Wahlabend brachte Überraschungen, und es gibt immer wieder Parallelen zur Gegenwart.

Angela Merkel will den Solidaritätszuschlag nicht abschaffen. Und auch nicht abschmelzen. Damit stellt sie sich in einem zentralen Punkt gegen die FDP. Und macht damit auch eine koalitionspolitische Aussage.

Der Solidarpakt läuft aus, aber die Bundesländer möchten zusätzliche Mittel gern über 2019 hinaus. Thüringens Ministerpräsidentin Lieberknecht fordert dafür einen "Deutschlandsfonds". Der Finanzausgleich würde damit ausgeweitet. Am Ende könnten höhere Steuern kommen.