Erneuter Aufschub in der Türkei: Der Rechtsstreit um den deutschen Teenager Marco W. geht weiter. Ein Urteil fällt nun frühestens nach den türkischen Justizferien im September. Ein Kommentar unserer Istanbul-Korrespondentin Susanne Güsten.
Susanne Güsten

Nach zahlreichen Verzögerungen, Vertagungen und anderen Problemen wird der Strafprozess gegen den deutschen Teenager Marco W. im südtürkischen Urlaubsort Antalya an diesem Mittwoch voraussichtlich mit einem Urteil zu Ende gehen. Das letzte Wort wird das wohl trotzdem nicht sein.

Nach dem Rückzug der europäischen Kreditgarantien für den Ilisu-Staudamm in der Südosttürkei hat die kurdische Rebellengruppe PKK mit Angriffen auf die Baustelle gedroht. In Ankara verschärft sich die Diskussion um die Zukunft des Projekts.
In der Türkei geht der Machtkampf zwischen der Regierung und der Armee in eine neue Runde. Militärangehörige müssen künftig vor Zivilgerichte.
Die europäischen Kreditversicherer ziehen sich aus Ilisu-Staudammprojekt in der Türkei zurück. Ein Erfolg ist das nicht.
Nach der Entscheidung der europäischen Kreditversicherer zum Rückzug aus dem umstrittenen Projekt zum Bau eines Staudamms im Südosten der Türkei gibt es keine Gewinner, nur Verlierer.

Freudentänze am Tigris – Verärgerung in Ankara: Die drei staatlichen Exportkreditagenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben ihre Kreditbürgschaften für den Bau des umstrittenen türkischen Riesenstaudamms Ilisu endgültig gestoppt. Grund:Die Türkei hat die Auflagen für Umwelt, Kulturgüter und Umsiedlung nicht erfüllt.
Der türkische Generalstabschef weist vehement den Vorwurf zurück, die Armee plane einen Putsch gegen die Regierung Erdogan. Selten war die türkische Armee im eigenen Land politisch so unter Beschuss wie derzeit.

Seit Tagen kennt die türkische Öffentlichkeit kein anderes Thema mehr: Eine unabhängige Zeitung hat einen von Offizieren des Generalstabs unterzeichneten Geheimplan zur Destabilisierung der Regierung Erdogan veröffentlicht. Was steckt dahinter?
Eine erfolgreiche Ärztin in Istanbul möchte in einem Club Tennis spielen, doch sie darf nicht - weil sie das islamische Kopftuch trägt. Eine neue Studie offenbart gesellschaftliche Gräben in der Türkei.
In der Türkei erschießt ein Mädchen seine Mutter und ein Mann seine ganze Familie. "Im Fernsehen werden Kinder ja auch immer freigelassen", sagt die 12-Jährige im Polizeiverhör.
Verstreicht die Chance für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts ungenutzt? Trotz hoffnungsvoller Ansätze für eine Lösung geht die Gewalt weiter. Die Zeichen werden nicht erkannt.
Irgendwann in den nächsten Jahren wird Istanbul von einem verheerenden Erdbeben erschüttert werden - da sind sich die Experten einig. Alle wissen, dass der Tag X näherrückt, doch die Metropole ist nur schlecht darauf vorbereitet.

Ministerpräsident Erdogan spricht von Faschismus im Umgang mit Minderheiten - und bringt damit die Nationalisten in Rage.
Der türkische Ministerpräsident Erdogan spricht von "Faschismus" im Umgang mit nicht-muslimischen Minderheiten - und bringt damit die nationalistische Opposition auf die Palme.
Die Zerstörung einer Atatürk-Büste führt zu Verwicklungen in einem anatolischen Dorf. Schuld hat die Milchkuh Gülsüm.
Der Konflikt zwischen Kemalisten und Regierung in Türkei verschärft sich wieder. Ein Richter fordert, der bei den Kemalisten verhasste Staatspräsident Gül müsse vor Gericht gestellt werden - nur ein politisch motiviertes Manöver?

Hadise und das Haremskleid: Die 23-Jährige zählt beim Eurovision Song Contest zu den Favoriten. Das Bühnenkostüm der türkischen Sängerin sorgt jedoch am Bosporus für Debatten.
Bei einem Massaker in dem kurdischen Dorf Bilge sind vergangene Woche 44 Menschen getötet worden. Fast gleichzeitig wurde ein Friedensappelle von PKK-Chef Murat Karayilan bekannt. Nun debattiert die Türkei über neue Wege zur Lösung des Kurdenkonflikts

Der Tod von 44 Menschen bei dem Massaker von Bilge hat nicht nur die türkische Öffentlichkeit tief erschüttert, sondern auch einige Fundamente der bisherigen Kurdenpolitik Ankaras ins Wanken gebracht. So wird über eine Abschaffung des Dorfschützer-Systems diskutiert.

Friedenssignale der PKK, Diskussionen über die Entwurzelung von Menschen durch den Kurdenkrieg: Wie das Blutbad in Bilge die bisherige Kurdenpolitik ändern könnte. Eine Analyse von Tagesspiegel-Korrespondentin Susanne Güsten

Die mutmaßlichen Täter von Bilge wollten offenbar spätere Blutrache ausschließen. Aus diesem Grund versuchten sie auf der Hochzeitsfeier, die gesamte Sippe auszulöschen. Niemand sollte übrig bleiben, der sich später rächen könnte.
So viele Menschen wie möglich töten, damit niemand übrig bleibt, der Rache nehmen kann – das war nach Aussagen eines Tatverdächtigen das Motiv hinter der auch für türkische Familienfehden ungewöhnlichen Brutalität bei dem Massaker in Südostanatolien.
Das Massaker von Mardin war mit mehr als 44 Todesopfern ganz besonders blutig, aber ansonsten nicht außergewöhnlich: Blutbäder bei Familienfehden oder Nachbarschaftsstreitigkeiten gehören insbesondere im Südosten des Landes zum Alltag der Türkei.