ARD : Das blaue Wunder

Unter den Kleinsten hat der Elefant aus der "Maus" die größten Fans – jetzt bekommt er seine eigene Show: "Die Sendung mit dem Elefanten".

Sonja Pohlmann
Elefant
Klein und tollpatschig: Der Elefant begeistert vor allem die Jüngsten. -Foto: WDR

Eigentlich sind sie so unzertrennlich, wie es sich für beste Freunde gehört: Maus und Elefant, die beiden Stars aus den Lach- und Sachgeschichten der ARD. Doch weil jeder Partner in einer guten Beziehung auch eigene Wege gehen sollte, macht sich der Elefant künftig selbstständig – mit seiner eigenen Show: die "Sendung mit dem Elefanten". Dabei ist das kleine blaue Tier der sensiblere, unsichere und tollpatschigere Part in der "Sendung mit der Maus". Doch genau darin liegt sein Starpotenzial begründet: "Weil der Elefant der 'Kleine' ist, identifizieren sich vor allem jüngere Zuschauer mit ihm. Für sie ist er der heimliche Held", sagt Heike Sistig, stellvertretende Abteilungsleiterin der Programmgruppe Kinder und Familie beim WDR.

Dieses Potenzial hat der Sender nun für ein sogenanntes "Spin-off" genutzt. Das heißt, dass aus einem bestehenden Format heraus eine neue Sendung entwickelt wird. Die "Sendung mit dem Elefanten" startet am 10. September und ist für Kinder im Vorschulalter von drei bis sechs Jahren konzipiert – aber nicht etwa, um der Maus Konkurrenz zu machen. "Das geht auch gar nicht. Schließlich hat sie ganze Generationen geprägt und ist zur Institution geworden", sagt Sistig. Tatsächlich versammeln sich jeden Sonntag um 11 Uhr 30 nicht nur ganze Familien vorm Fernseher, sondern auch viele junge, kinderlose Paare, um sich im Ersten die Lach- und Sachgeschichten mit Moderator Armin Maiwald anzusehen . "Wir zeigen Alltagsprobleme und ihre Lösungen auf eine witzige und emotionale Weise. Das berührt Erwachsene genauso wie Kinder", erklärt Sistig das Erfolgsgeheimnis.

Allerdings musste der WDR feststellen, dass viele Sachgeschichten zu komplex für Vorschulkinder sind. Deshalb soll die neue "Sendung mit dem Elefanten" an deren Wissensstand anknüpfen. Das Konzept: Weniger mit Worten, sondern vielmehr mit Bildern wird ihnen die Welt erklärt. Beispielsweise, wie es aussieht, wenn ein Eis schmilzt oder ein Ballon platzt. Im Zeitraffer wird dann alles zurückgespult. "Darauf stehen die Jüngsten", sagt Sistig. In den Lachgeschichten übernimmt der Elefant die Hauptrolle. "Er ist den Kindern ähnlich, weil er genau wie sie durch Ausprobieren lernt", sagt Sistig. Während die Maus Probleme durch Nachdenken löst und intellektueller ist als ihr kleiner Freund, vertraue der Elefant auf sein Bauchgefühl.

Als die Maus 1971 mit ihrer Sendung startete, musste sie sich allerdings zunächst alleine beschäftigen. Erst vier Jahre später wurde ihr der Elefant als Gefährte an die Seite gezeichnet. "Dadurch konnten wir spannendere Freundschafts- und Beziehungsgeschichten erzählen", sagt Sistig. Beide Figuren sollten sich ergänzen – sowohl farblich als auch charakterlich. Deshalb wurden sie auch nicht naturgetreu in Grau gezeichnet, sondern orange und blau. "Orange ist eine fröhliche, lebendige und plakative Farbe. Genauso ist auch die Maus", erklärt Chefzeichner Friedrich Streich. Er ist der geistige Vater des Elefanten. "Weil der Elefant eher ruhiger und langsamer ist, habe ich ihn in Blau gemalt. Außerdem ist das auch die Komplementärfarbe zu Orange", erläutert er. Später kam dann noch die gelbe Ente dazu, die mit ihrer flatterigen Art für Probleme sorgt, die Maus und Elefant dann lösen müssen.

Neuer Freund: der rosa Hase

Durchschnittlich eine Minute dauern diese Spots. Etwa drei Wochen lang muss Streich dafür mit seinem fünfköpfigen Team zeichnen. Anschließend macht sich der Geräuschemacher ans Werk. Wenn die Maus mit den Augen klappert, klappert der Geräuschemacher im Studio mit seinen Kastagnetten. Wenn sie mit lautem "tack, tack, tack" läuft, dann schlägt er zwei leere Kokosnüsse zusammen. Das Tröten des Elefanten ist schwieriger zu erzeugen, denn dafür muss der Geräuschemacher seinen eigenen Körper benutzen: Er hält sich ein Nasenloch zu und prustet durch das andere. Und das "quak" der Ente wird gesprochen. "Aber sowohl Tröten als auch Quaken müssen eine bestimmte Tonlage haben, sonst merken die Kinder den Unterschied sofort", hat Streich festgestellt.

Seine alten Weggefährten werden den Elefanten in seiner neuen Sendung allerdings nur selten besuchen. Stattdessen kommt ein neuer Freund ins Spiel: der rosa Hase. In den Probesendungen hatte er noch Haarspangen, aber die kamen bei den Jungen nicht gut an. Deshalb wird er nun auch wie die anderen drei Figuren geschlechtsneutral gehalten: "Dann sind die Identifikationsmöglichkeiten auch am größten", sagt Sistig. Wie unterschiedlich die Kinder die Figuren interpretieren, überrasche sie immer wieder. So sehen die einen die Maus als Mann, weil sie stärker und größer ist als der Elefant. Für andere sei sie die Mutter, die sich um den kleinen Elefanten kümmert.

Die "Sendung mit dem Elefanten" wird wochentags um 7 Uhr 35 im Kinderkanal gezeigt. Eine Wiederholung gibt es lediglich in der ersten Woche um 18 Uhr 15. Der Sender begründet den frühen Sendeplatz mit seinen guten Erfahrungen im morgendlichen Vorschulprogramm. Viele kleine Kinder würden dann fernsehen, weil sie noch nicht in der Kita seien oder zu Hause betreut würden. Moderiert wird die "Sendung mit dem Elefanten" von Tanja Mairhofer und André Gatzke. Mit 24 Minuten und 30 Sekunden ist sie vier Minuten kürzer als die "Maus", um das Konzentrationsvermögen der jüngeren Kinder nicht zu strapazieren. Neu ist auch die Halbzeitpause: Jeweils ein Moderator bekommt dann eine Torte ins Gesicht, um den Zuschauern ein Zeitgefühl zu vermitteln. Dass die "Sendung mit dem Elefanten" so erfolgreich wird wie die der "Maus", glaubt Sistig nicht. Dazu sei sie zu stark auf eine jüngere Zielgruppe fokussiert. Übrigens dürfen auch Entenfans sich freuen: Ab 2008 bekommt die Ente eine eigene Sendung im Internet – bei so viel Selbstverwirklichung, dürfte die Beziehung von Maus, Elefant und Ente lange halten.

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