ARD-Drama mit Silke Bodenbender : Als Biobäuerin beim Escortservice

Reizwäsche statt Reibe, Champagner statt Apfelsaft: Silke Bodenbender spielt im ARD-Film "Königin der Nacht" die brave Ehefrau, die sich fremden Männern andient.

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"Königin der Nacht" mit Silke Bodenbender.
"Königin der Nacht" mit Silke Bodenbender.Foto: SWR

Wenn’s beim Biobauer nicht rundläuft, was macht die Biobäuerin dann? Richtig, erst arbeitet sie als Kellnerin in einer Bar, aber weil das Zusatzsalär für die Traktorreparatur nicht reicht, fängt sie bei einem Escortservice an, damit zahlungskräftige Kunden sie diskret, stilvoll und teuer für gewisse Stunden buchen können.

Der Biobauer-Ehemann ist einverstanden, das Leben ist ein Arrangement und die Schulden sind ein Faktum. Dann verliebt sich der Kunde Oliver (Hary Prinz) in sie, der zunehmend frustrierte Ehemann Ludwig (Peter Schneider) erträgt den erweiterten Lieferservice seiner Ehefrau nicht länger, die Situation eskaliert.

Was das ist? Ein Softporno aus dem Bärenmarkenland, die filmische Denunziation aller Bauern mit Demeter-Verstand, der misslungene Versuch, zwischen zwei Stöhnrunden ein bisschen Handlung zu pressen? Nein, das ist die „Königin der Nacht“, ein Beitrag des Südwestrundfunks zum „Filmmittwoch im Ersten“ am Mittwoch.

Mit Silke Bodenbender als Inga, als Biobäuerin und Escortmitarbeiterin im Zweitjob, die Regie führt Emily Atef, und, ganz entscheidend, die Geschichte basiert auf „einer realen Vorlage“, wie es in der Presseaussendung heißt. Was Katrin Bühlig und Burt Weinshanker zum Drehbuch verarbeitet haben, ist also beglaubigt, jeder Verdacht, hier einer bloßen Fiktion aufzusitzen, ist eine bloße Fiktion.

Und der eigene Mann? Schwankt

„Königin der Nacht“ ist ein schöner, flirrender Titel, und der Film ist in nicht wenigen Szenen bemüht, die Biobäuerin Inga als begehrenswerte und als begehrende Frau zu zeigen. Ist ja auch verlockend, mal kein Kalb aus der Mutterkuh zerren, keine Käselaiber salzen, keine Hausaufgaben mit den Kindern machen zu müssen, sich nicht von den Schulden niederdrücken zu lassen; Reizwäsche statt Reibe, Champagner statt Apfelsaft – das Leben ist momenthaft schön und leicht und die neue Lusterfahrung ein durchaus willkommener Begleiter. Und der eigene Mann? Schwankt zwischen dem „Drecksgeld“, das er von seiner Frau gerne nimmt, und der „Dreckslust“, die seine Frau unverschämterweise empfinden soll.

Brave Ehefrau dient sich fremden Männern an. Das geht als Plot sehr elegant („Belle de jour“), das geht sehr spekulativ („Anna H. – Geliebte, Ehefrau und Hure“), das geht realistisch („Königin der Nacht“), wenn die Atef die Regie und die Bodenbender die Hauptrolle zwischen der anfänglichen Unschuld vom Land Inga und der aufblühenden Männerfantasie Lilith übernimmt. Es ist die Geschichte einer Phasenverschiebung, dem stärker werdenden Selbstverständnis einer Frau und dem abhandenkommenden Selbstbewusstsein eines Mannes, fast ein Diskurs darüber, wie sich Geschäft und Gefühl nicht austarieren lassen.

Silke Bodenbender spielt das fein aus, sie facettiert und fächert, erkennbar haben Buch und Inszenierung Inga Scholz zuvorderst im Blick, während Peter Schneider als Landmann Ludwig den Grobkörnigen mit Defiziterfahrung vorstellen muss. Hat ein paar SchnittmusterStellen zu viel. Der Ösi-Lover von Hary Prinz zeigt, dass Männer sehr frauenbesitzergreifend, auf jeden Fall eindimensional sein können. Aber denkende Männer sind im Umfeld der „Königin der Nacht“ sowieso sehr rar.

So ganz erfüllt die SWR-Produktion das Titelversprechen einer „Königin der Nacht“ nicht. Als sollten Landleben, Landliebe und Landlust nicht nachhaltig beschädigt werden.


„Königin der Nacht“, ARD, Mittwoch, 20 Uhr 15

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